Liebe Blogfreunde, ich habe nun nach genau 19 Tagen und über 2100 km Island mit vielen zusätzlichen Strecken jenseits des 1339 km langen Ringweges, den ich für länger gehalten hatte, umrundet. Der letzte große Umweg führt mich über mehrere hundert Kilometer und einer fast dreistündigen Fähre auf die Nordwestfjorde, wo einer der größten Vogelfelsen der Welt, 14 km lang, bis 400 m hoch, Millionen Seevögel und „zahme“ Papageitaucher bietet. Noch ist die Brutzeit in vollem Gange.
Das will ich mir mehrere Tage lang anschauen, anstatt im Gewimmel von Reykjavik unterzugehen.

Isländisch ist eine weitere wunderbare Sprache und ich hatte in meiner Zeit hier reichlich Gelegenheit, sie zu üben.

Die Reiseberichte und Bilder/ Kurzvideos stelle ich wie versprochen nach der Reise ins Blog, weil eine gescheite Datenübermittlung während der Reise nahezu unmöglich ist.
Viele Grüße aus Island
Ihr/Euer
Reinhold Marsollek

ISLAND = „SKANDINAVIENKONZENTRAT?

Liebe Blog-Leser, ganz liebe Grüße aus dem nördlichen Island nach nun fast 1500 km bei häufigem Gegenwind der mir viel mehr Anstrengung abverlangt als die Steigungen. Etwa am 9./10.Juli werde ich nach etwa 1400 km Hraunhafnartangi, Islands Nordpol erreicht haben.

Da ich meistens in Funklöchern „verweile“ (es ist hier unglaublich schön ist aber (außer im Südwesten bei Reykjavik) unglaublich leer),

da es hier fast nirgends WLAN frei zugänglich gibt,

da ich recht selten Campingplätze aufsuche und ganz einsam an traumhaften Plätzen das Zelt aufschlage,

sende ich bei dieser Gelegenheit eine Anzahl „Traumlandschaften“,

um kurze Reiseberichte mit weit mehr Bildern nach der Rückkehr einzupflegen.
Die Winde sind hier unberechenbar, sodass ich manchmal auch am Tage radle oder, wie heute, wenn nach Hunderten km eine Ortschaft mit Supermarkt und Bank winken und ich mich zum Beispiel für die nächsten 5 Tage verproviantieren kann.
Selbst die Tagestemperaturen im Schatten übersteigen hier kaum einmal 10°C, gestern 7°C bei beständigem starken Gegenwind.
Da muss man sich gut akklimatisieren. Das bin ich inzwischen…, und verstehe die Isländer immer leichter.

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WALDORF ON THE ROAD II

Talar ?ú íslensku? – sprichst du isländisch?, frage ich ganz herausfordernd auf dem Rücken meiner Jacke, und werde tatsächlich mitunter angesprochen oder ich suche selber den Kontakt und spreche Isländer einfach an, und bald raucht mein Kopf, auch vor Begeisterung, vieles zu verstehen, oft aber, weil ich noch im Dunkel tappe.
Das Islandblog soll hauptsächlich durch Bilder Eindrücke vermitteln, ich brauche aber noch paar Tage, um mich an den Sattel zu gewöhnen und dann auch das Andere zu leisten. Dennoch sind an 3 Reisetagebuch weit über 400 km vorbeigerauscht mit wunderbaren Eindrücken, besonders aus der Radlerperspektive. Zur Information, falls Sie kurzfristig den Entschluss fassen sollten, mich irgendwo auf der Strecke zu treffen: Leihwagen 2 Wochen 1.700 €, Wohnmobil 3 Wochen 5.000 €, jeweils plus Treibstoff. Fahrrad kostet nichts, habe ich schon…
Stationen: Waldorfschule bei Reykjavik; Besuch des Grabes eines ehemaligen Schülers, der 1997 als Jahresarbeit den Pilotenschein machte um von Ameríka nach Europa zu fliegen und 1998 mit Vater und Bruder in Island im Flugzeug abstürzte; Gullfoss; Geyzir; Eyafjallajökull, Westmanneyar wo ich zur Zeit 2 Tage verweile. Auf bald in Fortsetzung.

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7.000 km? 8.000 km? 10.000 km? – 8 Wochen? 10 Wochen? Abgekürzt?

VORBEMERKUNG: AUCH DAS NACHFOLGEND BESCHRIEBENE WAR TEIL EINER TRAUMREISE, WIE SIE KÜNFTIG KAUM NOCH MÖGLICH SEIN WIRD.
VOR 30 JAHREN WAREN IN NORWEGEN NAHEZU ALLE AUTOSTRASSEN AUCH DEN RADFAHRERN UND RADTOURISTEN ZUGÄNGLICH.
SO IST ES LÄNGST NICHT MEHR.
WIRD EIN TUNNEL GEBAUT – ICH PASSIERTE AUCH 2013 DES ÖFTEREN BAUSTELLEN – , SO WERDEN RADFAHRER SELTEN BERÜCKSICHTIGT.
UNTERQUERT DER TUNNEL EINEN FJORD, WIRD DIE FÄHRVERBINDUNG AUFGEGEBEN. MENSCHEN, DIE IM REGEN KONTAKT MITEINANDER STANDEN WIRD DAS AUFRECHTERHALTEN DER KONTAKTE DADURCH ERHEBLICH ERSCHWERT.

ICH BESUCHTE IM SOMMER TRAUMLANDSCHAFTEN MIT BESONDEREM, AUCH HERBEM REIZ.
DIE NATURSCHÖNHEIT NORDEUROPAS STAND IMMER AUSSER FRAGE, TROTZ DER „MACKE“ VIELER NORWEGER, MANCHER FINNEN UND EINIGER SCHWEDEN, IHRE AUFGEBRAUCHTEN FAHRZEUGE EINFACH IN DER LANDSCHAFT, IM WALDE ODER NACH GENERATIONEN SORTIERT, ORDENTLICH IM EIGENEN GARTEN ZU ENTSORGEN. ÄHNLICHES WIRD GELEGENTLICH AUCH MIT KÜHLSCHRÄNKEN, STAUBSAUGERN ODER FERNSEHGERÄTEN AM STRASSENABHANG ZUM FJORD ZU VERSUCHT.
„IST JA TROTZDEM NOCH GENUG NATUR DA!“, LAUTEN MITUNTER DIE KOMMENTARE.

TROTZ DER INSGESAMT ÜBER 10.000 REISEKILOMETER GELANG ES MIR FAST DURCHGEHEND, DIE EILE AUSZUSCHLIESSEN, MIT BEWOHNERN DER JEWEILIGEN GEGENDEN ZU SPRECHEN, VON IHNEN EINGELADEN ZU WERDEN UND MANCHE IHRER SORGEN KENNENZULERNEN.
ICH NAHM DURCHAUS AUCH ARMUT WAHR UND ENTVÖLKERUNG MANCHER LANDESTEILE INNERHALB DER LETZTEN ÜBER DREI JAHRZEHNTE UND DEREN URSACHEN, VOR ALLEM IM HOHEN NORDEN.

„SCHREIB‘ WIE ES UNS HIER GEHT,
SCHREIB‘ WIE SCHLIMM ES DEN RADFAHRERN GEHT,
SCHREIB‘ WIE DIE STRASSEN ZUSEHENDS VERKOMMEN.
SCHREIB AN „VISIT NORWAY“,
SCHREIB AN DIE REGIERUNG.
WIR HABEN IM HERBST WAHLEN, DAS STRASSENNETZ IST DABEI EIN HEISSES THEMA…“

…EIN ÜBERAUS BELIEBTER MINISTERPRÄSIDENT IST IN NORWEGEN INZWISCHEN ABGEWÄHLT WORDEN, WEIL IHM SEINE KOALITIONSPARTNER ABHANDEN GEKOMMEN SIND. INSOFERN WIRD MEINE SCHILDERUNG NICHTS MEHR BEWIRKEN KÖNNEN.
ODER?

-Na, bloß 7.000 km? Hast die 10.000 km doch nicht ganz geschafft?
-Musstest du abkürzen?
-War das schlechte Wetter schuld?

Den Impuls zur Entstehung eines Abschlusskapitels mit realer Tourenkarte, und komprimierter Benennung der Etappenabschnitte sowie fotografischen Beispielen für „Nichtradwege“ in Norwegen lieferte mein Dortmunder Freund Andreas.
War so gar nicht vorgesehen.

Weil auch in den Medien verschiedene Bewertungen der Zeitdauer und der Länge meiner Extremtour veröffentlicht wurden, weil wegen der Fülle der Einzelheiten einiges durcheinander kam und sich dort auch Fehler eingeschlichen haben, war der Weg zur einen „statistischen“ Auswertung des Reiseverlaufes durch mich nicht mehr weit.
Der geneigte Leser kann sich dadurch anhand der Fakten – gleich oder später – selbst ein Urteil darüber bilden, ob etwas abgekürzt, gemieden, geschönt usw. wurde.
Verschiedene Standpunkte sind möglich.

Während der „18 Nächte zur Mitternachtssonne“ im Jahre 2006 radelte ich von Oslo bis zur Varangerhalbinsel, 500 km „hinter“ dem Nordkap.
An 16 Tagen in Abschnitten von 150 – 230 km fast 3000 km weit. Zwei „Etappen“ von 100 km bzw. 70 km wurden von mir damals als „Ruhetage“ eingestuft.
Drei Tage verbrachte ich am Ziel, bei Vidar Nordberg in Syltefjord, bevor ich nach der Hurtigrutenfahrt von Båtsfjord nach Kirkenes den Flieger von dort nach Süden nahm.
Vidars Staurancafé, aus sibirischem Treibholz erbaut, war im August 2013 „nur“ Zwischenstation.

ZAHLENSPIELE FÜR STATISTIKER, NACHAHMER, Interessierte…
Wie der nachfolgend platzierten realen Tourenkarte 2013 zu entnehmen ist, war ich von den 66 Tagen – also 9,5 Wochen – an 48 Tagen im Sattel.
Dabei legte ich 7.000 km zurück.
Trotz der 40 Regentage eine traumhafte Erfahrung!
Pro Woche über 1.000 km, im Schnitt.
Etappenlängen von 72km – 352 km, durchschnittlich 146 km lang wurden mit bis zu 40 kg Gepäck bewältigt. Einmal sogar an nur drei Tagen 780 km.
Zu den 7.000 Radkilometern fügten sich noch zwangsläufig die Fährpassagen nach und von Skandinavien (etwa 500 km), die 100 km Bustransfer nach Bergen, die Hurtigrutenstrecke Bergen – Ålesund (etwa 300 km) und diverse Fjordfähren (geschätzt 250 km). Die geplante Hurtigrutentour Honningsvåg-Mehamn, welche durch die Umstände bis Berlevåg verlängert wurde (150 km), die Schnellbootpassage Syltefjord-Hamningsberg (25 km), die Passage mit der „LOFOTEN“, dem ältesten Schiff der Hurtigrute von Vardø nach Kirkenes war dabei (100km), der Tour-Retour-Transfer auf die Kökarinseln im Åland-Archipel (80km) ebenfalls.
Somit betrug die Gesamtstrecke schon mindestens 8.500 km!.
Und zusammen mit etwa 200 km Wanderungen, sowie dem gelegentlichen Jogging, welches den strapazierten Fußsohlen ausgesprochen guttat, legte ich über 9.000 km zurück.
Wegen des katastrophalen Zustandes des „angebotenen“ Fernreiseradnetzes insbesondere im Süden Norwegens, benötigte ich trotz extremen Krafteinsatzes und trotz der Radlererfahrung 2006 ungefähr eine Woche länger als geplant, um etwa bis zum Polarkreis vorzudringen.

In dieser Zeit hätte ich zwischen Stavanger und Ålesund sowie weiter nördlich zwischen der Nordkapinsel und Kirkenes auf dort recht guten, für Radler nicht verbotenen Asphaltstraßen der Finnmark zusätzliche etwa 1.000 km durchradelt, wie ich es teilweise 2006 tat oder bei der Vorbereitungstour 2011 bzw. früher per PKW bewältigte (Mehamn-Gamvik-Hopseidet-Vestertana-Tanabru-Berlevåg; Syltefjord-Tanabru-Vardø/Kirkenes) . Ein weiterer Besuch der Wüsteninsel Anholt im Kattegat wäre ebenso noch innerhalb der 66 Tage meiner Reise möglich gewesen.

Aber auch ohne die zusätzliche Alternative war meine Tour etwa 10.200 km lang, nimmt man den Bahntransfer Bochum-Niebüll und Putgarden-Bochum hinzu…

Der Vergleich des wirklichen Streckenverlaufes – zu sehen auf der nachfolgenden Karte – mit der Planung vom Februar verdeutlicht, dass die Abweichungen trotz der beschriebenen Schwierigkeiten fast vernachlässigbar sind.

Geradezu grotesk hingegen wirkt auf mich im Nachhinein die radlerfreundliche Einladung auf der Homepage von Visit Norway, oder anderer Portale, wenn man nach dem Nordsee(rad)weg googelt:

Die beworbenen 6.000 km Radwege entlang der Küsten der Anrainer der Nordsee sehen auf der Landkarte phantastisch aus.
Die Praxis in dem von mir bewältigten Bereich war aber völlig anders, das Durchradeln häufig unmöglich, das Hinaufziehen des bepackten Rades (mitunter über Hunderte Höhenmeter) eine Tortur. Kein Wunder, dass mir trotz der aktuellen Werbekampagne im südlichsten Norwegen innerhalb einer Woche nur drei Fernradler begegneten: ein Tscheche sowie ein französisches Paar.
Schon die wenigen Werbefotos zum Nordseeradweg zeigen meistens Radler oder Familien in lockerer Freizeitkleidung mit kleinem „Tagesrucksäckchen“ gesellig beieinander. Das (nicht gezeigte) Ferienhaus oder Auto ganz in der Nähe kann man fast erahnen. Vielleicht waren die Radler gerade auf dem Weg zum nächsten Schwimmbad, Hügel mit Aussicht oder zu den Nachbarn im nächsten Ferienhaus, wo die warmen Waffeln mit Himbeermarmelade schon warteten.
Beispielhaftes Anfangszitat:
„Velkommen til North Sea Cycle Route.
Her finnes 6000 km lang rekke av opplevelser som ligger klar og venter på syklisten.
Følger du ruten vil du oppdage et mangfold av pittoreske byer, små fiskelandsbyer og frodige bygder med hyggelige bondegårder.
Du sykler gjennom bølgende landskap langs kysten, med naturskjønne strender og sanddyner hvor man kan bade eller studere fugler. Du får også oppleve stille skoger og tradisjonsrike kulturlandskap litt lengre inne i landet. Du trenger ikke bekymre deg for at du ikke skal finne frem, man bare sykler i veg så kommer man tilbake til utganspunktet…“
Sinngemäße Übersetzung:
„Willkommen auf dem Nordseeradweg.
Hier findet sich auf 6.000 km eine Reihe von Erlebnissen, die für den Radler bereitliegen.
Folgst du der Route, so entdeckst du eine Menge pittoresker Städtchen, Fischerdörfer, üppiger Landbezirke, gemütlicher Bauernhäuser.
Du radelst durch eine wellige Landschaft entlang der Küste, mit naturschönen Stränden und Sanddünen, wo man ein Bad nehmen oder die Vögel studieren(beobachten) kann. Du erlebst auch stille Wälder und eine traditionsreiche Kulturlandschaft, etwas weiter im Binnenland. Du musst dich nicht sorgen, dass du dich verirst, radle den Weg einfach weiter und du kommst zurück zum Ausgangspunkt…“

Ein Kommentar erübrigt sich.
Nicht aber ein bebildertes Praxisbeispiel zur Realität (und Naturschönheit) anhand der „Erlebnistour“ Kap Lindesnes-Flekkefjord, für die ich anstelle der geplanten 6 Stunden über 20 Stunden benötigte.

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Wegen der Tunnels in der Nähe von Flekkefjord muss der Radler ausweichen…

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…um nach Stunden an einer Ausfahrt vor einem weiteren Verbotsschild für Radler anzukommen

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Nach Mehrfachwiederholungen durch „Eingeborenentipp“ doch noch den offiziellen Radweg gefunden.

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Pittoresk?

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Müllabladen verboten. Zuwiderhandlungen werden polizeilich angezeigt.
Das Tinfos Eisenwerk AS


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Nanu, was hat denn das Stahlwerk hier „abgeladen“:
Teilübersetzung
Erste Hilfe Maßnahmen:
Bei Einatmung Frische Luft, Ruhe und Wärme. Kontaktiere einen Arzt, falls sich das Unwohlsein nicht legt.
Bei Hautkontakt Entferne die Verschmutzte Bekleidung. Reinige sofort die Haut mit Seife und Wasser. Kontaktiere einen Arzt, falls sich das Unwohlsein nicht legt.l
Bei Augenkontakt. Spüle sofort mit viel Wasser (temperiert 20-30 Grad) mindestens 15 Minuten lang. Kontaktiere einen Arzt, falls die Symptome nicht verschwinden.
Bei Verschlucken Trinke viel Wasser. Führe ein Erbrechen herbei, falls die Person bei Bewusstsein ist. Kontaktiere einen Arzt.

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„Wir Radfahrer/Fußgänger müssen draußen bleiben“, der Brummi zischt durch den 500 m langen Tunnel schnell zurück zum Stahlwerk, um mit seinen Brüdern die nächste Ladung zur „Verklappung“ aufzunehmen…Sind die Ausdünstungen seiner Last etwa zu gefährlich für uns im Tunnel?…

Eine Reihe von Erlebnissen, die für den Radler bereitliegen…
Bei den Alternativen ist man auf die Tunnelpassage ja auch gar nicht angewiesen:

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20130922-142354.jpgGeschafft, Asphalt erreicht.

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Mein tschechischer Bruder im Geiste kümmert sich nicht um Verbote und „taucht“ trotz Verbots durch die Tunnelröhren….,

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…während ich mich den Schönheiten des Nordseeweges hingebe…,

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Ganz oben: der Motorweg;
Der Asphaltweg… endet an einem Privathaus
Der Nordseeweg… taucht ab in den Wald…

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und bietet…

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…hervorragende Trainingsmöglichkeiten für Fernradler…
nein, der Asphaltweg ist nur der Zubringer zum Motorweg… Es geht abwärts (nicht für Autofahrer)…

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… und aufwärts…, …in selbst für Wanderer…

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…schwierigem Terrain…

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Keine Sorge, man verirrt sich nicht…, …man folgt einfach der oft verständlicherweise eigenartig schwer auszumachenden Beschilderung…
Flekkefjord ist schließlich nach etwa 36 Stunden seit Lindesnes und 20 statt 6 Stunden reiner Reisezeit erreicht…
Selbstverständlich müssen wir Radler zur eigenen Sicherheit sofort auf den Fußgängerweg ausweichen in dem einst zum schönsten Städchen Norwegens gewählten FLEKKEFJORD.

20130922-151118.jpgPer Draisine wären wir weniger gefährdet, wir kämen damit aber nicht sehr weit…

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Fazit/Tipp an die Stadtoberen Flekkefjords und für die vielen an Radtouristen interessierten Kommunen Norwegens (gibt es die?) mit gleichen Problemen:
Jeder Fernradler sollte bei Voranmeldung als Willkommensgeschenk eine Polizeieskorte oder einen Bustransfer durch die verbotenen Tunnelpassagen erhalten. Die Werbewirkung wäre riesig, die Kosten dafür zunächst minimal bei den „3 echten Radtouristen je Woche“ die sich zur Zeit nach Südnorwegen verirren…

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Abschlussbonbon: auf der Etappe zwischen Stavanger und Bergen „kickte“ mich das Navigationsgerät am 28. Juni an einer etwas abschüssigen, kurvenreichen Strecke von der plötzlich für Radfahrer verbotenen E39 auf einen Waldweg. Nach 30 Minuten angestrengten Schiebens – die Nadelbäumchen auf dem Pfad waren teilweise über einen Meter hoch – erreichte ich den mit Gestrüpp gesperrten, nicht verschlossenen Schlagbaum. 10 Minuten Waldarbeiterdienst, der Schlagbaum war geöffnet und ich konnte weiter…, auf der E 39 hätte alles keine zwei Minuten gedauert.

Deutsche Skandinavienurlauber – Gule regnfrakker og blå kasketter – dänischer Humor

Ursprünglich sollten an dieser Stelle amüsante Betrachtungen der Fahrradtransportgewohnheiten multinationaler Skandinavienbesucher und der Skandinavier selbst stattfinden, welche mit Ausnahme der Litauer*, Russen* und Finnen* häufig und auf verschiedene Weise ihre Drahtesel mitschleppten und, wahrscheinlich, erst nach Hause zurückgekehrt, erstmalig abmontierten.

…zum Beispiel über
die Schweizer, mit ihren stets ordentlich mit passgerechten Plastikpackhüllen überworfenen, auf der Rückseite des Wohnmobils im stabilen Gepäckträger gesicherten Rädern,
die Deutschen, die –
im jüngeren Alter – oft auch per PKW nördlich des Polarkreises gesichtet wurden, das vollgepackte Wageninnere im Kopfbereich verschönert mittels abmontierten Vorderrades des FÜR IHN auf der Heckklappe per Spezialträger befestigten Mountainbikes neuesten Datums,
im gesetzteren Alter – die Gewohnheiten der Eidgenossen übernahmen, gesteigert um die in Südeuropa(?) vorgeschriebenen quadratischen Piktogramme mit rot-weißen „Diagonalbalken“,
die Niederländer, die sich nur als junge Wohnmobiltouristen mitunter zusätzlich mit Fahrrädern ausstatteten, niemals aber mit Hollandrädern,
die Norweger, die anders als die Schweizer, nur selten als Radtouristen auftauchten (3 Personen in 66 Tagen), ihre Räder in Kenntnis der Straßenverhältnisse auch nie „auf Reisen“ mitnahmen, dafür aber sehr häufig, lose im PKW-Anhänger gestapelt, nur regional „verlagerten“,
die Italiener, welche gelegentlich auch in Wohnmobil-Kolonnen auftauchten und als „Drahteselersatz“(?) Zweiräder in Gestalt von „Vespas“ mitführten…

– Weil aber die geschilderten Auffälligkeiten im Laufe meiner Radtour – nicht wegen des Regens – „verwässerten“, rückte der Hauptteil von Kapitel 13 aus „18 Nächte zur Mitternachtssonne“ immer stärker als Alternative in den Mittelpunkt.
– Weil er besonders über den darin abgedruckten Beitrag der dänischen „Jyllands-Posten“ aus dem Jahre 1999 von außen einen kritischen Blick auf uns Deutsche lenkt.
– Weil er allgemein sensibilisiert für Verhaltensweisen, wie sie uns vielleicht erst durch derart plakative Überzeichnung auffallen.
– Weil ich, nachdem ich oben bereits anfing, motorisierte Touristen aus subjektiver Wahrnehmung zu typisieren, gar nicht anders kann, als nach Art des klassischen dänischen Humors, am meisten über mich als Deutschen zu lästern…
Viel Freude bei der Lektüre.

Übrigens: Verfasst wurde Kapitel 13 – ohne darauf direkt einzugehen – anlässlich der Diskussion um die „Mohammed-Karikaturen“, erschienen im September 2005 in derselben Zeitung…

* Russische Fernradler traf ich mehrfach, zuletzt im südfinnischen Turku vor der Überfahrt auf die schwedischsprachigen Ålands.
Motorisierte Russen tauchten häufig auf, per Zweirad oder PKW. In Nordnorwegen und -finnland verstärkt ausgestattet mit bulligen Vans, jedoch nie mit einem Fahrrad im Gepäck (vielleicht trauten sie sich nicht ihr Fahrrad mitzunehmen aus Angst, man könnte daraus schließen, sie seien noch vor kurzem auf selbiges als Haupttransportmittel angewiesen gewesen…).
* Litauische PKW gehörten verstärkt zum norwegischen Straßenbild, weil viele Litauer als „saisonale Gastarbeiter“ jobben. Nördlich der Vesterålen traf ich aber auf litauische Fernradler: Das Paar besorgte sich Räder und Ausrüstung bei einem Bochumer Internetanbieter. Klein ist die Welt…
* Finnen finden wohl auch zu Hause genügend Möglichkeiten, das Fahrrad regelmäßig als akzeptiertes Verkehrsmittel zu gebrauchen und schleppen es deswegen – tendenziell – nicht noch als Zusatzgepäck/Fitnessgerät ans Wohnmobil „genagelt“ mit.
Für sie, wie für die Schweden und Norweger gilt Skandinavien eh nur als „Kurzreiseziel“ vor der Haustür.

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Die Zeit vergeht? Begegnungen eines „Zeitreisenden“.

„Wie alt bist du?“, wörtlich auf Polnisch gefragt, grenzt an eine Beleidigung.
Nicht, weil es sich nicht schickt nach dem Alter zu fragen – dafür, ob es sich schickt, braucht man übrigens auch auf Polnisch einen Sondersinn – nein, auf Polnisch fragt man dann vornehmer:
Wie viele Jahre hast du?“
Jahre, angesammelt als Reichtum…, an Erfahrung, Weisheit, Güte, und mehr.
Da kann unser „wie alt bist du“ wirklich nicht mithalten, weil „alt“ fast automatisch negativ belegt/empfunden wird.

„Er ist aus der Zeit gegangen“, sagt man in Schweden gelegentlich, wenn man mitteilen will, dass jemand verstorben ist. Ist ebenfalls ungewöhnlich für deutsche Ohren…

„Ach, wie schnell die Zeit vergeht!“…, …Quatsch, „Zeit vergeht nicht, Zeit kommt“, habe ich auf meiner Reise gelernt.

(Klar, diese Redewendung haben wir ja des Öfteren meistens unbewusst parat und benutzen sie auch:
„Die Zeit wird kommen, da wirst du…,
„Es kommt noch einmal die Zeit, dass….“ usw.
Dennoch, die Empfindung des Vergänglichen dominiert all dies, sodass das Bewusstsein wenig Möglichkeiten findet, auch das Zukünftige mit einzubeziehen.)

Die Zeit kam also, auch während meines Aufenthaltes im Norden.
Und mit ihr kam es zu Reisebegegnungen.
Mit Menschen aus 34 Nationen, in vielen Sprachen.
Und verschiedenen Blickwinkeln auf scheinbar Gleiches.
Es waren zugleich Möglichkeiten, noch offener, toleranter, zurückhaltender und aufmerksamer zu werden…,
…mit jedem und auch für jeden Augenblick, der auf mich „zuraste“ und sich scheinbar wieder entfernte.

Die Möglichkeiten, wirklich GEGENWÄRTIG zu sein.

– „Früher, als Kind hatte ich genug Zeit für alles, da verlief alles viel langsamer. Im Erwachsenenalter rennt einem die Zeit einfach davon. Wo sind bloß die vielen schönen Jahre geblieben?“…
Ist das wirklich so?
Eingebunden in den Alltag, in die Mühle der Zwänge und Verpflichtungen, in den Terminkalender – der vielleicht doch noch etwas voller gepackt werden kann – laufen wir Gefahr, dass uns die Zeit davonläuft.
Da scheint es mir immer wichtiger zu sein, für sich individuelle Möglichkeiten innerer Ruhe zu finden (zu schaffen?), welche die Zeit offensichtlich „anhalten“, sie „scheinbar(?)“ zu dehnen vermögen…

Individuelle Möglichkeiten, individuelle Herausforderungen, möglich z.B. auch auf sportlicher Ebene.

Schon während meiner ersten großen „Nachttour“ 2006 hatte ich das Gefühl, fast ein halbes Jahr lang und nicht nur etwas über 3 Wochen unterwegs gewesen zu sein.
2013 war ich aber 66 Tage vor allem aber Nächte lang unterwegs…

Wenn ich es 2006 einmal nicht einrichten konnte, an zwei aufeinanderfolgenden Tagen Reisenotizen zu machen, hatte ich beim anschließenden Rückblick auf die Ereignisse das Gefühl, vor mindestens einer Woche den Ort A besucht, den Menschen B getroffen, den Gedanken C gehabt zu haben, obwohl mich nur wenige Stunden vom Erlebnis trennten.
Ein extrem anderes Zeitempfinden. Beglückend.

Für meine soeben abgeschlossene Fahrt traf das noch in wesentlich gesteigerter Form zu.
Trotz der selbst fixierten Vorgabe, eine bestimmte Strecke durchradeln zu „müssen“, um im zur Verfügung stehenden Zeitraum die Reise abschließen zu können, bemerkte ich schnell, dass Eile ein falscher Reisepartner ist.
Gerade durch „Gegenmaßnahmen“ und Alternativen, wie ich sie damals auch beschrieben habe, kam es zu Begegnungen und/oder zu Gesprächen, die ich mir auf einer gedachten Wunschliste gar nicht hoch genug hätte hängen können.
Manche schilderte ich ausführlicher, die meisten blieben unerwähnt, bleiben mir aber „gegenwärtig“.

In Zukunft kommt es (auch bei mir) weiterhin darauf an, zu achten, was die kommende Lebenszeit an Aufgabenfeldern bereithält und die Zuversicht zu behalten, daraus das universell Richtige und das individuell Mögliche realisieren zu können…

Wie viele Jahre hast du?“…,
…jeder von uns hat seine Lebenszeit, bevor er aus dieser gegangen ist.

Und auch „die Zeit“ IST…, …ganz unabhängig von KOMMEN und GEHEN…

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40 Tage Regen, wie hält man das aus? – Mentale und materielle Ausrüstung

(letzte Aktualisierung am 01.09.13)

Im Beitrag vom 7. Juli, praktisch noch am Anfang der Reise, äußerte ich mich – auch anlässlich eines Zeitungsartikels über mein Unterfangen – zum Wetter.
Die aus meiner Sicht dafür nötige mentale „Ausrüstung“ wurde dort besonders und ausreichend thematisiert. Das ganz zum Schluss noch einmal gezeigte Video kurz vor dem Start von Lysøysund, wo ich planmäßig in einer Ferienhütte „Kurzurlaub“ machte verdeutlicht, auf welche Verhältnisse man sich einlassen können muss. Der Regen hörte damals zwar bald auf, der Sturmwind blies mir aber im ersten Teilstück der über 200 km langen Etappe direkt entgegen.
Nachfolgend und zum Abschluss einige Ergänzungen zum Material, Anregungen und neue Blickwinkel
.

Für Campingverweigerer vielleicht informativ,
Für „Infizierte“ vielleicht eine Goldgrube.
Für die Übrigen vielleicht interessant…

„Ich stelle mich auf 70 Tage Regen ein, insofern kann mir nichts passieren“, äußerte ich kurz vor dem Start Mitte Juni im Interview mit 98.5 Radio Bochum.

In Wirklichkeit waren von insgesamt 66 Tagen meiner Radtour 40 Tage von Dauerregen bestimmt, für 27 der ersten 31 Tage traf das besonders zu – in gewöhnlicher Wortverwendung wird man kaum von „gutem Wetter“ während der Reise sprechen können.

Andererseits trifft auch wirklich zu: „DAS WETTER“ IST.

Wir Menschen definieren es, wie ich schon während der Reise bemerkte, subjektiv als „gut“, „schlecht“ usw.

Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung!„, … nur eine Floskel?…,
– nein, da ist etwas dran.
Tauscht man im letzten Satz „schlechte Kleidung“ gegen „ungeeignete Ausrüstung“, ist man schon, das Materielle betreffend, nahe am Wesentlichen.

Ein – laut Werbung – „in zwei Sekunden“ aufgebautes Zelt ist für die Gartenpraxis vielleicht hervorragend geeignet.
In Extremsituationen, auf Reisen wie der von mir absolvierten, kann es in Sekundenbruchteilen zerrissen, fortgeweht werden.
Und dann?…

Herausforderungen mit Zeltübernachtungen zu verschiedenen Jahreszeiten nahm ich seit 1981 regelmäßig an. Ich organisierte und begleitete als Lehrer Klassenfahrten per Rad.
Offen zu bleiben für Innovationen auf dem „Outdoormarkt“, war mir dabei trotz wachsender Erfahrung äußerst wichtig.
Selbst Bewährtes wurde dadurch im eigenen Equipment konsequent durch Geeigneteres ersetzt.
Manchmal – selten – war auch eine Entscheidung zwischen gleichwertigen Produktlinien nötig.

Einige der 2013 mitgeführten neuen Ausrüstungsteile haben den Praxistest nicht bestanden.
Materialien meiner genannten „Partner“ waren davon nicht betroffen.
Produkte einiger nicht im Reise-Sheet erwähnter Ausrüster, die mich seit längerer Zeit unterstützen, haben sich weiterhin oder neu bewährt:
– der mit Gas, Diesel, Benzin, Petroleum zu betreibende Kocher,
– die drei sehr leichten, durch besondere Verschlusssysteme absolut dichten, Edelstahlflaschen,
– die Liegematte,
– der Schlafsack aus Kunstfaser (beim „Zeltreisen“ mit Pkw verwende ich allerdings ausschließlich Daunenschlafsäcke),
– der enorm starke Helmstrahler.

Der neue, etwa 100 € teure Fahrradhelm hat sich für meine Kopfform(?) nicht bewährt, er rutschte mir im „regennassen“ Zustand bei vorgebeugter, tiefer Sitzposition (wegen des verbesserten, tieferen Hinterkopfschutzes) immer tiefer in die Stirn, bis auf die Augenbrauen.
Ich schickte ihn nach Hause zurück, nachdem sich ein finnisches Warenhausmodel für 16,- € blendend bewährt hat.

Die mir empfohlene über 100 € teure rote (zu?) leichte Membran-Regenjacke mit fast unschlagbaren, theoretischen Verdunstungswerten, war für die dynamische Reiseart völlig ungeeignet. Sobald ich beim Radeln (im Regen) anfing zu schwitzen, klebte sie fast wie eine Plastiktüte an der Haut, an dem Merinoshirt, am „Unterzeug“, tropfte aus den Ärmeln, verstärkte das Nässegefühl auf Rücken, Schulter, Bauch.
Ich besorgte mir auf den Lofoten eine sehr teure(!) blaue Goretexjacke chinesischer Herstellung, die das Problem augenblicklich verschwinden ließ. Zwar verhinderte auch sie das Schwitzen nicht, im Verhältnis zur Jacke des deutschen Ausrüsters, die früher die Heimreise antrat, ergab sich aber durch Materialart und funktionelle Schnittform ein geradezu paradiesisches Arbeitsklima für die weiteren 5.000 km.

Die Verwendung nicht ‚miefender‘ Merinounterwäsche eines ausländischen Herstellers, die ich seit Jahren in lang und kurz auch beim Eisschnelllautraining favorisiere, verminderte die Mitnahme wärmender Sachen auf einen Bruchteil früherer Notwendigkeiten. Die Skisocken gleicher Marke waren allerdings schon im Vorfeld, in der Testphase, schnell durchgerieben und während der Tour immer wieder zu flicken. Beim Wandern, hörte ich, sind sie ebenso anfällig.
Sicherlich erfüllen die Socken aber beim Skifahren perfekt die Anforderungen, für die sie konzipiert wurden.

Die auf dem Markt völlig neue Lenkertasche mit der Möglichkeit, ein IPad mit Navigationssystem mitzuführen und das Display über die Sichtfolie zu bedienen, mag nützlich sein für Spritztouren in die nähere Umgebung. Sie ist sicherlich auch ein besonderer Blickfang.
Für den Dauereinsatz unter Extrembedingungen, wie ich sie während der 7.000 km erlebte, erwies sich aus unterschiedlichen Gründen als nicht geeignet.
Das Handling und die Art der Reißverschlüsse sowie die „Not des Fernreisenden“, die bei aktivem Display schnell ausgepumpten Akkus nicht nachladen zu können, sollte bei der Nachrüstung noch stärker im Focus stehen.
Ich habe die Tasche meinem Fahrradausrüster zurückgegeben mit entsprechenden Bewertungen für den Hersteller.

Das „Power Pack“ für die Aufladung des IPads zwischendurch war eine große Hilfe.
Zwar lädt mein Spezialdynamo per USB-Anschluss iPod und Mobiltelefon.
Für die Aufladung des IPads reicht die in Deutschland für das Fahrrad gesetzlich maximal zulässige Wattzahl aber nicht aus.

Im Buch „18 Nächte zur Mitternachtssonne“, anlässlich der Fahrt 2006 von Oslo bis Kirkenes, „beleuchtete“ ich bereits verschiedene Ausrüstungsgegenstände genau.
Gerade im Zusammenhang mit der überwiegend regnerischen Witterung während meiner Tour 2013 möchte die Betrachtungen „materieller“ Ausrüstung abschließen mit einem Blick auf die mobile Unterkunft, das Zelt.
Vielleicht liefern meine Ausführungen auch Ideen, um Fehler zu verhindern, wie sie auch mir früher unterlaufen sind.

Ich setze voraus:
– dass heutzutage kein Zelt die Mitnahme verdient, wenn sein Innenzelt, so vorhanden, beim Aufbau im Regen nass wird;
– dass das Aufschlagen eines Zeltes nur Sinn macht auf leicht erhöhtem, u.U. etwas schrägem, überschwemmungssicheren Untergrund;
– dass jedes Zelt – selbst bei Windstille – auch auf Felsgrund sturmfest zu verankern ist
(geeignete Zeltnägel/-heringe, Steine, Balken, Wurzeln, Bäume, Gepäckgummibänder als Verlängerung können mit wachsender Erfahrung immer effektiver eingesetzt werden);
– dass jedes Zelt aus Materialien gefertigt ist, die den Belastungen im Einsatz gewachsen sind;
– dass das Innenzelt, der „Wohnbereich“, ausschließlich barfuß und möglichst trocken betreten wird (Nasses bleibt draußen unter dem Außenzelt!);
– dass der Besitzer die richtige Aufbauweise seines Zeltes beherrscht (Selbst bekannte Testinstitute können bei Innovationen überfordert sein, bzw. durch gewohntes Handling zu gravierenden Fehlurteilen kommen. Unser erstes Zelt, ein 3-Personen-Tunnelzelt gleicher Marke wurde 1987 mit „mangelhaft“ bewertet. Es wiegt unter 3 kg, ist immer noch unbeschädigt und voll einsatzfähig, auch wenn die Reißfestigkeit des Gewebes durch Nutzung und Sonneneinstrahlung nach über einem Vierteljahrhundert gelitten haben dürfte. Das damals schon eingeknüpfte Innenzelt war eine der Neuerungen. Gut, dass wir beim Kauf nichts vom Testurteil wussten und nach gründlicher Einführung in die Aufbauweise, eigene Erfahrungen damit machen konnten.
Gewonnen hat den Test damals übrigens ein 7 kg schweres Zelt, bei dem das Innenzelt beim Aufbau im Regen zunächst aufgestellt werden musste und dabei zwangsläufig „einregnete“…).

Nach gut 20 Reisetagen, nördlich von Tjøtta und fast am Polarkreis knüpfte ich in wunderschöner, verregneter Landschaft erstmalig das Innenzelt aus (ist in 2 Minuten leicht zu bewältigen, das Einknüpfen geht ebenso schnell) und sicherte es trocken in einer Plastiktüte. Den Vorgang dokumentierte ich.
Ich besorgte mir bereits vor 7 Jahren eine passende Bodenschutzmatte, die zwar etwa 300 g wiegt, aber die Innenzeltwanne ausgezeichnet vor Schmutz, Abschürfungen und Feuchtigkeit schützt.

Bei Aussicht auf ein paar windige, regenfreie Stunden verpackte ich gewöhnlich das noch nasse Zelt und trocknete es, während ich bei einer Rast auf der Liegematte etwa 30 Minuten „Mittagsschlaf“ hielt. – Grundprinzip: Keine Spuren hinterlassen (die 3 Fotos machte ich noch in Dänemark)

TIPP ZUM ZELTAUFBAU IM REGEN FÜR AUTOREISENDE:
Einer opfert sich, baut das Zelt in Badehose/-anzug auf und räumt es ein. Alles mit Ausnahme der Badebekleidung und der Haut bleibt so trocken…

Meine Klickschuhe blieben übrigens in den ersten 5 Wochen nass. Spritzwasser, Sprühnebel, Kapilarwirkung durch Membrangamaschen, Schwitzen brachten zwangsläufig das Eindringen der Flüssigkeit bis zum Fuß mit sich.
(Von Outdoor-Ausrüstern zu entwickelnde dünne „Membranübersocken“ wären eine Zukunftsaufgabe – vielleicht gibt es die auch schon???)
Trockene Füße behielt man in nassen Schuhen nur etwa 2 Stunden lang, wenn diese in frischen Socken in Plastiktüten verpackt „betreten“ wurden. Danach half mental die Erinnerung, „trockene Füße gehabt zu haben“…

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Video: Regensturm

Rückkehr

(Achtung, der versehentlich gelöschte Bericht „Joulupukki, der Weihnachtsmann, Raija und Veijo Käpylä“ vom 07.08. (Strickkünstlerin/Finnmesserhersteller) ist jetzt wiederhergestellt)

23./24.08.13
Wie man aus meiner Reisekarte vom Februar 2013 erkennen kann, plante ich ursprünglich, von Flensburg aus die Rückfahrt per Bundesbahn anzutreten.
Nach langer Zeit wollte ich zum Abschluss meiner Fernfahrt von Rudkøbing aus nach Marstal auf Ærø übersetzen und auch diese sehr interessante Insel erstmalig mit dem Fahrrad durchqueren.
Weil diese Fährverbindung zu Beginn 2013 stillgelegt wurde – ich erfuhr davon zu Ostern – beschloss ich nach Rødbyhavn zu radeln, um dann von Putgarden aus bis Bochum die Bahn zu benutzen.

(2010 machte ich das auch, mit der Erfahrung, dass mir am Ticketschalter in Putgarden mitgeteilt wurde, ich müsse sechsmal umsteigen und die Fahrt, um etwa 13.00 Uhr angetreten, insgesamt etwa bis Mitternacht dauern würde. Schnellere Züge und weniger Umstiege gäbe es nur, wenn die Fahrradmitnahme einen Tag vorher reserviert würde.
Schwierig für einen Fernradler zu meistern, der von Wind, Wetter, Fähren, Pannen, Unvorhersehbarkeiten aufgehalten werden kann.
Ich trat die Bahnreise an mit dem Ergebnis, dass ich bei der Ansage „NÄCHSTER HALT: WANNE-EICKEL HAUPTBAHNHOF“ in dem schon bremsenden Zug die Fahrradhaltegurte löste, ausstieg und mit „Lancelot“ meinem Rad von BALANCE, das ich auch schon bei der Tour 2006 benutzte, um fast eine Stunde früher zu Hause angekommen war, als wenn ich bis Bochum die bezahlten Dienste der DB genützt hätte).

Nach zwei wunderbaren Ferientagen auf Nordlangeland verabschiedete ich mich am Nachmittag von Karin und Erling, radelte los nach Spodsbjerg, nahm die Fähre nach Tårs auf Lolland
und kam schließlich um 19.00 Uhr, nach 80 km und heftigen Anstrengungen gegen starken Gegenwind in Rødbyhavn an.
Die Fähre nach Deutschland legte schon 15 Minuten später ab, ich war um kurz nach 20.00 Uhr in Putgarden.
Die erste Überraschung: Die DB rationalisierte inzwischen die Fahrkartenschalter weg, es gab nur noch Ticketautomaten.
Die zweite Überraschung: Zwar konnte ich mir die Fahrpläne schön ausdrucken lassen und erfahren, dass für überregionale Züge die Mitnahme von Fahrrädern weiterhin am Vortag reserviert werden müsse, den entsprechenden Link zur Reservierung gab es aber nicht.
Eine zufällig anwesende Mitarbeiterin der DB fand ihn auch nicht. Eine Telefonnummer, um sich weiter zu erkundigen auch nicht.
Meine Sorge war, dass der Rückreiseverkehr am Samstag die Fahrradmitnahme selbst bei Regionalzügen, die ich dann zu nehmen gezwungen war, erschweren würde. Die Aussicht, gegen 9.50 Uhr zu starten und, mit Glück, gegen 19.00 in Bochum anzukommen fand ich nicht sehr reizvoll. Ich verzichtete deshalb auf eine Übernachtung auf dem Campingplatz – der „Nachtfalke“ erwachte – und beschloss, mit der Bundesbahn ins Ungewisse zu reisen.

Nach vielen Schleifen druckte ich mir am Automaten eine Fahrkarte bis Lübeck aus, nahm eine Radtageskarte für die Regionalbahn und startete kurz nach 21.00 Uhr gen Bochum.
Trotz kurzer Umstiegszeit gelang auch der Anschluss nach Hamburg, wo ich vor Mitternacht angekommen, eine Dreiviertel Stunde Zeit hatte, Weiteres zu erkunden.
Mit meinem Sonderwunsch, ein Fahrrad mitnehmen zu wollen und der andererseits dafür bestehenden Reservierungspflicht am Vortage (es war noch Vortag, die Weiterfahrt startete nach Mitternacht) brachte ich den auch nachts offenen „Servicepoint“ mit äußerst hilfsbereiten Miarbeitern ins Rotieren:
Der Nachtzug aus Kopenhagen hatte zwischendurch einen freien Liegeplatz (Reservierung gebührenpflichtig) und der telefonisch kontaktierte Zugführer war bereit, mein Rad ausnahmsweise im Wagon 204 mitzunehmen.
Bis der Ticketautomat mich jedoch „auf dem direkten Wege zur Fahrkarte“ alles eintippen ließ, verschwand der Liegeplatz. Die als Alternative angegebene dreifach teurere Reservierungsmöglichkeit eines Schlafwagens ergab einen Fahrpreis Hamburg-Bochum von 135 € plus Fahrradtransport.
Die Vorstellung, ein wertvolles Fahrrad mit Sonderausstattung samt Ausrüstung durch telefonische Ausnahmegenehmigung dem Wagen 204 zu überlassen und sich selber in ungeduschtem Zustand mehreren Mitbewohnern eines Schlafwagens in irgendeinem ungenannten Zugbereich zuzumuten, schien mir grenzwertig.
Auf Anfrage erfuhr ich dann von der netten Mitarbeiterin der Bahnauskunft am Servicepoint, dass nur wenige Minuten später ein Regionalzug in Richtung Ruhrgebiet startet.
Ich nahm die zweistündige Wartezeit in Bremen in Kauf, fand mich mit dem Umstieg in Wunstorf ab, der genügend Zeitreserve auswies, riskierte in Minden, bei der nur 5 Minuten Zeitspanne für den Wechsel mit Rad und Gepäck von Gleis 1 auf Gleis 12, den Anschluss zu verpassen und befand mich im Besitz einer Fahrkarte für nur 52,- € plus 5,- € für das Radticket.
Per Umweg zum Lift hätte ich meinen Zug ab Hamburg nur knapp erreicht, die gewöhnliche Treppe herunter (Rolltreppenverbot für Fahrräder) war aber mit bepacktem Rad zu Fuß, nach der Norderfahrung der letzten 2 Monate, überhaupt kein Problem.
Es ging los.

Alle Umstiege gelangen, die Schaffnerin des letzten Zuges machte mir um 8.17 Uhr netterweise zwei Ankunftsfotos vom Bochumer Hauptbahnhof.

Auch wenn diesmal alles (fast auf gut Glück) gelang, die Realität der Beförderung von „echten“ Radtouristen im Fernverkehrsnetz der DB ist auch 2013 nicht befriedigend.

Zu thematisieren wäre noch die nächtliche Situation mit vielleicht nur am Wochenende zuhauf präsenten „Besoffenen“ – ich nenne sie bewusst nicht „Betrunkene“ – auf deutschen Bahnhöfen und in (Regional(?))Zügen, die sich fahrlässig in Lebensgefahr bringen und das Zugpersonal mit schwierigsten Aufgaben befrachten.
Das erspare ich mir.
Die schon beschriebene Nachtfahrt „unter Bären“ während meiner Königsetappe von Kilpua nach Mänttä, war aber „weniger stressig“…

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BEGEGNUNGEN: Karin und Erling Heerwagens Kunstgarten –

22.08.13
Kurz nach abgeschlossener Ausbildung begannen vor etwa 50 Jahren die aus der Umgebung Kopenhagens stammenden Künstler und Keramiker Karin und Erling Heerwagen, sich auf der dänischen Insel Langeland eine Existenz aufzubauen.
Sie erwarben in Lohals „den höchsten Hügel der Nordhälfte der Insel“, ein knapp 1 ha großes Anwesen mit alten Gebäuden und Acker, das sich im Läufe der Jahrzehnte völlig nach deren eigenen Vorstellungen und Ambitionen wandeln sollte.
Ihre gemeinsam hergestellten Kunstobjekte (Beide entwerfen, Erling formt, Karin malt hauptsächlich) werden inzwischen In Dänemark und im Ausland bis nach Australien geschätzt und sind sehr begehrt.
Für dänische Rathäuser wurden Tische und anderes als Autragsarbeiten gefertigt, um Repräsentationszwecke zu erfüllen.
Auch der Königliche Hof besitzt Heerwagenkeramik.

Ihre Produktpalette aus Ton und Porzellan ist sehr vielfältig. Dennoch ist über Jahrzehnte hinweg eine klare Linie zu erkennen, sind Entwicklungsstufen und Abgrenzungen wahrzunehmen, dass man ganz eindeutig von der Heerwagenkeramikkunst sprechen kann.
Inselmotive, Märchenhaftes, stilisierte, verwandelte Pflanzen- oder Tiermotive, riesenhaft vergrößert oder stark verkleinert und auf Details reduziert, machen ihre Bild- und Formkunst aus.
Dass man aus dem Erlös der Kunstprodukte kaum seinen Lebensunterhalt bestreiten kann, erkannten die beiden früh und entwickelten – auch um weiterhin eigenen künstlerischen Impulsen nachgehen zu können – eine breite Palette von Gebrauchskeramik, die praktisch alle Bereiche „wohnlichen“ Wirkens abdeckt.
Geschirr, Gefäße, Waschbecken und noch sehr viel mehr machen heerwagentypische Gebrauchskunst aus, auch wenn sich die meisten Kunden, die bemalten Teller und Schalen zunächst als erfreulichen Blickfang an die Wand hängen oder als Tisch- oder Wohnaccessoire platzieren.
Meine Frau und ich sahen und nutzten Heerwagenkeramik erstmalig 1980, als Birgitte, eine inzwischen verstorbene dänische Freundin, uns auf Nordlangeland ihr reetgedecktes Bauernhaus mit Meerblick für einen kurzen Osteraufenthalt überließ und wir dort die für uns ungewöhnlichen Teekannen entdeckten.
Erst 5 Jahre später, als wir selbst aus Norwegen kommend, Hattinger Freunde in ihrem Ferienhaus in der Nähe von Lohals besuchten und uns durch deren neu erworbene Teekanne sofort an die Kannen im Reethaus wiedererinnerten, lernten wir die Künstler kennen.
In 28 Jahren wuchs die Freundschaft sowie die Freude an Karin und Erlings Produkten. Aus den Einzelexemplaren wurde inzwischen die größte Ansammlung Heerwagenscher Gebrauchskeramik im Ausland. Fast unser gesamtes Geschirr, viele Kerzenleuchter, selbst ein Mörser und ein Keimgerät aus verzierter Keramik sind durch Heerwagenhände entstanden. Manches wurde auch nach unseren Wünschen erstellt und danach mitunter in die Produktpalette aufgenommen.

Genug interessiert?

Um während meiner Fahrt „vornehm“ Tee trinken zu können, gönnte ich mir den Luxus, meine Lieblingstasse auf die Reise mitzunehmen. Sie ist in den letzten zwei Monaten immer wieder auf meinen Reisefotos zu sehen gewesen.
Unbeschadet nach vielen tausend Reisekilometern in Lohals angekommen, schenkte ich sie Karin und Erling zu deren großer Freude und besorgte mir eine neue.
Sie sind äußerlich kaum zu unterscheiden (die Tasse links war, die Tasse rechts geht auf Reisen).

Ich besuchte die Künstler vor zwei Jahren zu Beginn meiner „Vorbereitungstour“, bei der ich dann per PKW genau 10.000 km zurücklegen sollte. Wir sahen uns noch mehrmals zwischendurch, zuletzt zu Ostern.

Diesmal sollte „der höchste Hügel Nordlangelands“ und der Nordteil der Insel mit zwei Tagen Intensivferien das letzte Ziel meiner Radtour werden.

Zur „Gebrauchskeramik aus Heerwagens Händen“ habe ich nun viel geschrieben. Das Foto mit den beiden Tassen soll aber das einzige Beispiel davon bleiben.
Dass die Produkte sehr stoßfest sind zeigte auch meine Radtour; dass sie, falls es sich um Geschirr handelt, auch spülmaschinenfest sind, sei nur am Rande erwähnt…

Als Ausgleich folgt im Nachfolgenden ein Spaziergang durch Karin und Erling Heerwagens Kunstgarten, in dem jeder Baum und Strauch in den letzten 5 Jahrzehnten von ihnen selbst hier angepflanzt wurde.
Jeder Besucher kann gern seinen Orientierungssinn in diesem Labyrinth testen, bevor er anfängt, sich mit dem einen oder anderen Produkt ihrer kleinen Werkstatt zu befreunden, wie wir vor Jahrzehnten.

Bei „Tagen des offenen Gartens“ nutzen viele Besucher die Gelegenheit, hier vorbeizuschauen und sich inspirieren zu lassen.

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Middelfart – Lohals: Auf zum letzten Urlaub!

21.08.13
Man merkt den Spätsommer auch am nassen Außenzelt, wenn man frühmorgens aufbricht. Gewöhnlich knüpfe ich dann schnell das Innenzelt aus – auch wenn es über die Nacht etwas „klamm“ geworden sein sollte – sichere es in einer Plastiktüte und packe das Außenzelt auch „klitschnass“ ein.
Wenn es die Witterung wirklich nicht zulässt, das Außenzelt über den Tag zu trocknen, so ist das Innenzelt in der Regel doch immer noch trocken genug, um darin die selbstaufblasbare Matte und Schlafsack auszubreiten. Notfalls hilft ein Papiertaschentuch, etwas Toilettenpapier oder ein Handtuch/ T-Shirt usw., um den Boden trocken zu bekommen. Soviel vorläufig zur Zeltpraxis.

Heute ließ ich alles nass zusammen, am Zielort in etwa 150 km Entfernung gab es in einer keramischen Werkstatt gute Möglichkeiten alles am warmen Brennofen zu trocknen, falls die Sonne nicht ausreichend scheinen sollte.

Gewachsene dänische Städte und Dörfer entwickeln ihren eigenen Charakter, sind aber doch insgesamt schnell als „TYPISCH DÄNISCH“ zu klassifizieren mit ihren verschiedenbunten Fachwerkhäuschenreihen, getrennt durch schmale Pflasterstraßen oder – gassen mit immer wieder dicht an den Wänden emporwachsenden Stockrosen, Königskerzen oder Rosenstöcken.
In den meistens gardinenlosen Fenstern sieht man oft verschiedene Püppchen, Miniaturskulpturen von Menschen wie Tieren, Vasen, besonders schöne Steine vom nahen Strand oder andere Gegenstände, die den Blick auf dem Weg ins Hausinnere fangen und so einen Abstand schaffen, ohne ihn durch Vorhänge definieren zu müssen.
In manchen Gegenden trifft man auch besonders häufig auf Außenspiegel, so an den Fenstern angebracht, dass sie von innen „im Gegenangriff“ den Blick auf die gesamte Straße ermöglichen.
Egal ob in Rudkøbing, Odense, Svendborg in Marstall auf Ærø oder anderswo, es stellt sich sofort eine bestimmte, wenn auch schwer zu beschreibende Stimmung ein, die jedermann einflüstert: „Du bist in Dänemark“.
Ganz irritiert ist man dann, wenn plötzlich Hinweise auf „ALDI“, Lidl, „BAUMARKT“, „Mediamarkt“ auftauchen, die uns aus dem Träumen reißen,
wenn Formel1-beworbene Powerdrinks, die angeblich Flügel verleihen, als Sixpacks in dänischen Supermärkten auftauchen.

All das nimmt man besonders intensiv wahr, wenn beim Radeln die Bilder von Städtchen und Dörfern, eingebunden in die jetzt allgegenwärtigen Erntearbeiten, wie von selbst im ständigen Wechsel vorbeiziehen.

Die Strecke bis zu Karin und Erling Heerwagen, in Lohals war mir schon bekannt. Mein Navigationsgerät schien die „Fahrradautobahn“, welche bereits seit über 30 Jahren beidseitig der gewöhnlichen Straße besteht, aber noch nicht zu kennen und versuchte mich ständig auf Umwege zu leiten.
Das ignorierte ich konsequent und sparte auf den 16 km zwischen Svendborg und Rudkøbing fast eine halbe Stunde Zeit ein.
Soviel abschließend zu meiner Bewertung von Radnavigationssystemen in der Praxis…

Die 30 km von Rudkøbing bis Lohals herrschte Rückenwind.
Endlich!
Um 16.30 Uhr war ich angekommen.
Zwei Tage Ferien bei Freunden konnten beginnen…

Herrlich!

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