Sonntag, 26. Juni: Auf zur Waldorfschule in der Nähe von Reykjavik

 

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Die kurz nach Keflavik autobahnartig ausgebaute Straße Nr 41 darf ich auch als Radler benutzen, um später über Reykjavik auf der Ringstraße 1, Islands Hauptverkehrsader, 80 km weit  zur Waldorfschule 17 km östlich der Hauptstadt gelegen zu fahren.                                                                                              Der Verkehr hält sich am Sonntag in Grenzen und ich gewöhne mich schnell daran, dass mich mir überdimensioniert erscheinende Geländewagen mit lautem Reifenlärm oder auch Lastwagen, die hier unterwegs sind, mit starkem „Windschub“ überholen. Meistens kann ich den Seitenstreifen jenseits der eigentlichen Fahrbahn benutzen, gelegentlich aber benutze ich auch diese, weil Schlaglöcher „meine“ Spur gefährlich machen. Die Strecke ist abwechslungsreich, zumal ich ja Neuling in Island bin, ich radle konzentriert, nehme aber die Landschaft auf. 

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Auffällig, der aus Lava bereitete Schotter am Straßenrand…

IMG_0288IMG_0297IMG_0299IMG_0303IMG_0309IMG_0311IMG_0312Ein kleiner Rastplatz gibt Gelegenheit zur kurzen Pause.IMG_0326 Ich erreiche die Hauptstadt, nehme die vielen neuen Gebäude der Großstadt wahr, fühle mich fast wie in der „Metropole Ruhrgebiet“ (nur dass ich dort nicht auf dem Ruhrschnellweg radeln dürfte…).                                                                                                                           „Urbanisierte“ Stare entdeckten eine aus Lavasteinen geformte lange Lärmschutzwand als geeignetes, sicheres, neues Domizil  und scheinen sich in ihrem „Hochhaus“ wohl zu fühlen. Krähen oder Kolkraben bleibt der Zutritt versperrt.

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Abgesehen von einem Zwischenhalt an einer Tankstelle (fast immer kann man sich dort, falls es nicht nur ein Tankautomat ist, mit Campinggas versorgen) halte ich mich an die mir gegebene Wegbeschreibung und komme am fortgeschrittenen Abend an.

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Es gibt auch noch eine weitere Waldorfschule im Stadtzentrum, die ich am Ende der Reise zu besuchen hoffe. Beide Schulen haben etwa 80 Schüler (Bochum nahezu 1000)).

Die Schulferien begannen in Island aber bereits am 17. Juni und werden noch bis Ende August andauern.

Die von mir jetzt besuchte, 1 km von der Ringstraße wunderschön auf riesigem Gelände gelegene Schule erscheint mir zunächst verlassen, sie ist aber bewohnt von einigen Lehrern. Ich treffe Ivar, einen jungen Assistenzlehrer, der mich freundlich und staunend begrüßt. Auch wenn ich noch große Mühe habe mich auf Isländisch mitteilen zu können, erzähle ich ihm von unserer Bochumer Schule und auch Ivar teilt mir vieles mit, was ich verstehen kann. Er beteiligt sich jetzt in den Ferien an einem Zirkusprojekt, etwa in einer Woche gibt es eine große, festliche Vorstellung. Morgen will mir Ivar das Schulgelände zeigen, zeigt mir aber gleich, wo ich mein Zelt gut aufschlagen kann. Und er führt mich zum Tobiashaus, 100 m von der Schule entfernt, in dem sich zur Zeit Angelika Jaschke aufhält, eine weltweit aktive Eurythmistin aus Witten.

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Tobiashaus

Ich besuche sie, wir haben uns viele Jahre nicht gesehen.

Die Zeit ist zu knapp, weil sie bald an einer telefonischen Konferenz teilnehmen wird, wir nutzen sie zum zügigen Austausch von Informationen.

Tobias Jaschke, Angelikas Sohn, den ich in der Unterstufe auch unterrichtete, machte 1996 zusammen mit seinem Vater den Pilotenschein und flog 1997 als Krönung der Jahresarbeit zum Abschluss der 12. Klasse mit dem Flugzeug über den Atlantik von Amerika nach Europa (Die sogenanten „Jahresarbeiten zum Abschluss der 12. Klassen“ wurden lange bevor ich an die Rudolf Steiner Schule kam in Bochum „erfunden“ und gehören inzwischen an den meisten Waldorfschulen zum Schulkonzept). 

1996 gab es in unserem Kollegium natürlich große Diskussionen, ob man eine derart ungewöhnliche Jahresarbeit  überhaupt zulassen könnte/sollte/dürfte…

An Tobias‘ außergewöhnlichen Vortrag bei den Darstellungen der Jahresarbeiten erinnere ich mich noch gut.

Am 10.8.1998 kurz nach dem Abitur verunglückte Tobias mit seinem Vater und dem jüngeren Bruder im Süden Islands. 

Am 30.09.2003 kam es in Reykjavik zur Gründung der Tobias Hús Stiftung. Das Haus ist an Freunde und Bekannte wochenweise in den Sommermonaten zu vermieten. Die Mieteinnahmen werden ausschließlich für die Stiftungszwecke verwendet.

Es war mir ein großes Anliegen, das Grab der verunglückten in Stori Nupur, 93 km von der Schule entfern zu besuchen und freue mich, das schon morgen, ganz zu Beginn meiner Islandfahrt machen zu können. 

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Angelika Jaschke am Eingang zum Tobiashaus

 

 

Samstag, 25. Juni: „VERSPÄTET“

Wegen eines Softwareproblems beim „Einstiegs-Gate“ verspätet sich der für 12.30 Uhr geplante Abflug um 30 Minuten.

Wegen eines zweistündigen Streiks des Bodenpersonals in Keflavik verspätet sich die Landung dort (eigentlich 13.55 Uhr)um anderthalb Stunden; wir drehen in der Luft viele Warteschleifen über dem Atlantik und dem südwestlichen Island.

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Wegen eines Transportschadens am Trekkingrad während des Fluges  – ich bemerke den Schaden erst um 15.50 Uhr, das heißt 17.50 Uhr deutscher Zeit, also 10 Minuten vor Ladenschluss meines seit 1987 bewährten Fahrradausrüsters BALANCE in Bochum – komme ich erst weitere zwei Stunden später mit dem Schrecken und vom Flughafen davon, nachdem mein Bochumer „Fahrradschraubergeschäft“ den Spezialisten Matthias aktivierte, der mich zehn Minuten nach Geschäftsschluss in Island anrief und durch ruhige, besonnene „Menüführung“  entscheidende Hinweise zur Behebung des Schadens mittels im FAHRRADLADEN BALANCE erworbenen und mitgeführten Werkzeuges lieferte (Ein Seil zum Bajonettverschluss meiner Rohloff Speedhub-Gangschaltung ist durch mechanische Einwirkung bei der Verstauung des Rades im Flieger abgerissen).

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Ich sollte mich melden, falls doch noch Schwierigkeiten auftreten sollten, so Mathias zum Abschluss, was aber nicht nötig war (800 km später erkundigte sich Henning von Balance per Mail im Namen aller nach dem Verlauf der Fahrt und sandte beste Wünsche über den Atlantik).

Ich werde vielleicht noch im Laufe der Tour Gelegenheit finden, auf die Entwicklung der fast 30 Jahre währenden Partnerschaft mit dem vor einem Jahr ganz plötzlich verstorbenen Klaus Kersten und dem FAHRRADLADEN BALANCE einzugehen. An dieser Stelle nur ein kurzes Zitat aus meinem anlässlich der Norwegenradtour 2006 am 09.09.2009 erschienen Buch „18 Nächte zur Mitternachtssonne“, welches in diesem Blog auch in Leseprobe vorliegt:                        „…Die Bochumer „Schrauber“ haben das richtige Händchen dafür entwickelt, Fahrräder für verschiedene Bedürfnisse, zwar nicht billig aber mit jedem Cent den Preis wert, individuell zusammenzustellen. Auch Modelle anderer Hersteller passen sie nach Wunsch an und optimieren sie gegebenenfalls. Für knifflige Sonderfragen haben sie immer einen entsprechenden Spezialisten, der sein Werk versteht…“

Die obige, seit fast sieben Jahren gedruckt vorliegende Feststellung von mir wurde auch diesmal verlässlich bestätigt. PARTNER, DANKE!!!.

Ich fahre vom Flughafen Keflavik direkt in den 4 km entfernten Ort gleichen Namens, um mich zu verproviantieren. „Netto“, einer der auch in Island aktiven Discounter liegt fast auf dem Wege. Von der Vizechefin der Filiale (Renata), einer seit fast 13 Jahren in Island lebenden, eingebürgerten Polin erfahre ich das Wichtigste, meine nächsten Tage betreffend und Renata gibt mir auch den Tipp, dass es im 10 km entfernten Sandgerði einen gut ausgestatteten Campingplatz gibt, in dessen Nähe sie wohnt. Renata hält mich für „zumindest“ einen halben Polen und erzählt, dass es in Island sehr viele Polen gibt, die hier eine neue Heimat gefunden haben.

Ich bin in Island! Irgendwie kann ich es noch nicht fassen. In Grönland? Nein, aber fast… Nach Deutschland ist es vieeeel weiter…

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                                                                                              Die Landschaft an der Asphaltstraße zum Zeltplatz erinnert mich etwas an Norddänemark, an die zwischen Aalbæk und Skagen in Nordjütland nördlich von Bunken liegende spärlich bewachsene, flache „Sandwüste“. Nur, dass hier in Island statt des Sandes moos-, thymian- und frauenmantelbewachsene Lavahügelchen die Gegend prägen samt des Lupinengürtels rechts und links der Straße Nr. 41 in Richtung Sandgerði. Brachvögel und Schnepfen fliegen immer wieder lärmend auf, manchmal unsicher fliegend, auf dem Boden nach der Landung lahmend  (was mich nahezu die ganze Strecke lang durch Island begleiten wird), um mich von ihrem Gelege oder ihren Jungvögeln abzulenken.

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Der Campingplatz ist leicht zu finden, das Zelt ist schnell aufgebaut. Unter den vielen Lebensmitteln, welche Abreisende vor ihrem Rückflug hier (für Ankömmlinge) deponieren finden sich viele angebrochene Gasflaschen verschiedener Typen, sodass ich schnell genügend Treibstoff für meinen multifunktionellen Primus-Kocher als Überbrückung für die Zeit bis zur nächsten Tankstelle finde. Die heiße Dusche (gratis) tut richtig gut.                                           Auf diesem Campingplatz kann man auch flugbedingt zerlegte Fahrräder zusammenbauen, Radflugboxen/-taschen bis zum Rückflug deponieren, Häuschen/Hütten anmieten und mehr.  Es ist später Abend, es ist sehr hell, es ist erstaunlich windig. Merkwürdig!?…                                                                                                                                Das Zelt, das bei üblichen Windverhältnissen und trotz starker Windböen (wie auf dem Foto) auch bereits mit nur zwei Heringen gut fixiert verlässlich steht, wird von mir immer, wie jedes seit bald 40 Jahren von mir benutzte Zelt, mit allen  extrem stabilen Zeltnägeln sturmfest verankert. Zum Wind gesellt sich Nachtregen, der lange Ausdauer hat.   

ISLAND 2016: „Zurück in die Zukunft“

Liebe Blogfreunde,

nach 2509 km und Etappen von 75-182 km Länge  ohne Panne (außer der Transportschäden am Rad nach beiden Flügen), ohne nach dem Aufpumpen der Reifen am Flughafen von Keflavik auch nur einmal wieder die Luftpumpe benutzen zu müssen, ohne auch in extremsten Situationen vom Rad – welches während der Tour tatsächlich einen Namen bekam – abzusteigen und es schieben oder ziehen zu müssen, ohne während einer vierstündigen Fahrtunterbrechung beim Wechsel vom Drahtesel zum von den Wikingern abstammenden „Prinz“ einem echten ISLÄNDER samt eines zweistündigen Ausritts (bei dem ich sogar im „genetisch fixierten Tölt“ der Islandpferde unterwegs war) zu schaden zu kommen und womit ich mich zugleich (liebe Schülerinnen und Schüler der Rudolf Steiner Schule Bochum) zum ersten Mal im Leben in einen Pferdesattel traute(!), bin ich wieder für kurze Zeit zurück in Bochum, um aus meiner vierwöchigen Vergangenheit für Sie und Euch – wie versprochen – in nächster Zukunft ein Bild eines Landes aus einer besonderen Reiseperspektive entstehen zu lassen, das eigentlich nicht darstellbar ist. Ich will es dennoch wagen, Ihnen und Euch etwas davon zu vermitteln. Vielleicht gelingt es mir auch gelegentlich, im Leser/Betrachter das Gefühl des Mitgenommenseins zu erzeugen. Das würde mich sehr freuen.

Also jetzt: Zurück in meine jüngste Vergangenheit und viel Freude an den Bildern, Beiträgen und Filmsequenzen, die ich nächster Zukunft hier veröffentlichen werde.

VORSICHT, größte Ansteckungsgefahr, den Islandbazillus betreffend!.. 

Islandkarte

Die von Wikipedia stammende Islandkarte zeigt aufs Erste meine 28 „Schlafplätze“ während der vierwöchigen Radtour, begonnen und beendet in Keflavik/Sandger∂i und hauptsächlich gegen den Uhrzeigersinn gefahren. Der Reiseverlauf ist in etwa zu erahnen und wird im Verlauf der Schilderungen deutlicher werden. Da die Ringstraße 1, die Hauptverkehrsader Islands nur 1332 km lang ist, ich aber fast genau die doppelte Strecke geradelt bin, zusätzlich noch die Fähren zu den Vestmannaeyar/“Westmännerinseln“ im Süden Islands und die von Stykkishólmur nach Brjánslækur und zurück im Nordwesten genommen habe (Gesamtlänge 136 km), aber auch bestimmt noch weitere 45 km gejoggt und gekraxelt sowie etwa 10 km geritten bin, kamen während der vier Wochen tatsächlich etwa 2800 km der im Vorfeld angesetzten 3000 km zusammen.

Größer ist Island nicht…, aber aus den Möglichkeiten meiner besonderen Radlerperspektive unendlich viel großartiger als ich es mir in den kühnsten Erwartungen vorher erhofft hatte.

Die Vorbereitungen auf die Reise mussten parallel zu den schulischen Verpflichtungen zeitlich genau geplant und durchgeführt werden.

Ohne ein Team bewährter wie auch neuer Helfer, Partner und Berater, von denen kaum alle genannt werden können, wäre die Durchführung der „Extremtour“ – auch wenn ich allein die physischen Herausforderungen zu meistern hatte – viel schwieriger gewesen.

Ganz herzlicher Dank an alle an dieser Stelle.

Und:

IMG_0111 danke, liebe Daria für die professionelle, kreative Unterstützung bei der Ausgestaltung von Ideen die Öffentlichkeitsarbeit betreffend,

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danke, lieber „Käse-Karsten“ für die schon häufige, wenn auch kaum öffentlich genannte „kulinarische Unterstützung“ meiner Unternehmungen und „Sonderaktionen“ an meiner Schule,

IMG_0128danke, liebe in diesem Reise-Sheet genannten und auch liebe (in Absprache) nichtgenannten Partner von „Sprichst du Isländisch?“, von „Waldorf on the Road II – From Bochum to the Universe“…

Já (gesprochen „jau“ = ja),

IMG_0125die Jacke ist präpariert,

IMG_0192das neue Zelt geliefert,

IMG_0234 die mitzunehmenden Ausrüstungsgegenstände „in Augenschein genommen“ undIMG_0238

für den Flug fast verpackt (die kleinere Tasche verschwindet gleich noch im Seesack),

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sogar die Lokalpresse berichtet schon: Jetzt gibt es kein zurück mehr:

Gott fer∂! – Gute Reise!

Liebe Blogfreunde, ich habe nun nach genau 19 Tagen und über 2100 km Island mit vielen zusätzlichen Strecken jenseits des 1339 km langen Ringweges, den ich für länger gehalten hatte, umrundet. Der letzte große Umweg führt mich über mehrere hundert Kilometer und einer fast dreistündigen Fähre auf die Nordwestfjorde, wo einer der größten Vogelfelsen der Welt, 14 km lang, bis 400 m hoch, Millionen Seevögel und „zahme“ Papageitaucher bietet. Noch ist die Brutzeit in vollem Gange.
Das will ich mir mehrere Tage lang anschauen, anstatt im Gewimmel von Reykjavik unterzugehen.

Isländisch ist eine weitere wunderbare Sprache und ich hatte in meiner Zeit hier reichlich Gelegenheit, sie zu üben.

Die Reiseberichte und Bilder/ Kurzvideos stelle ich wie versprochen nach der Reise ins Blog, weil eine gescheite Datenübermittlung während der Reise nahezu unmöglich ist.
Viele Grüße aus Island
Ihr/Euer
Reinhold Marsollek

ISLAND = „SKANDINAVIENKONZENTRAT?

Liebe Blog-Leser, ganz liebe Grüße aus dem nördlichen Island nach nun fast 1500 km bei häufigem Gegenwind der mir viel mehr Anstrengung abverlangt als die Steigungen. Etwa am 9./10.Juli werde ich nach etwa 1400 km Hraunhafnartangi, Islands Nordpol erreicht haben.

Da ich meistens in Funklöchern „verweile“ (es ist hier unglaublich schön ist aber (außer im Südwesten bei Reykjavik) unglaublich leer),

da es hier fast nirgends WLAN frei zugänglich gibt,

da ich recht selten Campingplätze aufsuche und ganz einsam an traumhaften Plätzen das Zelt aufschlage,

sende ich bei dieser Gelegenheit eine Anzahl „Traumlandschaften“,

um kurze Reiseberichte mit weit mehr Bildern nach der Rückkehr einzupflegen.
Die Winde sind hier unberechenbar, sodass ich manchmal auch am Tage radle oder, wie heute, wenn nach Hunderten km eine Ortschaft mit Supermarkt und Bank winken und ich mich zum Beispiel für die nächsten 5 Tage verproviantieren kann.
Selbst die Tagestemperaturen im Schatten übersteigen hier kaum einmal 10°C, gestern 7°C bei beständigem starken Gegenwind.
Da muss man sich gut akklimatisieren. Das bin ich inzwischen…, und verstehe die Isländer immer leichter.

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WALDORF ON THE ROAD II

Talar ?ú íslensku? – sprichst du isländisch?, frage ich ganz herausfordernd auf dem Rücken meiner Jacke, und werde tatsächlich mitunter angesprochen oder ich suche selber den Kontakt und spreche Isländer einfach an, und bald raucht mein Kopf, auch vor Begeisterung, vieles zu verstehen, oft aber, weil ich noch im Dunkel tappe.
Das Islandblog soll hauptsächlich durch Bilder Eindrücke vermitteln, ich brauche aber noch paar Tage, um mich an den Sattel zu gewöhnen und dann auch das Andere zu leisten. Dennoch sind an 3 Reisetagebuch weit über 400 km vorbeigerauscht mit wunderbaren Eindrücken, besonders aus der Radlerperspektive. Zur Information, falls Sie kurzfristig den Entschluss fassen sollten, mich irgendwo auf der Strecke zu treffen: Leihwagen 2 Wochen 1.700 €, Wohnmobil 3 Wochen 5.000 €, jeweils plus Treibstoff. Fahrrad kostet nichts, habe ich schon…
Stationen: Waldorfschule bei Reykjavik; Besuch des Grabes eines ehemaligen Schülers, der 1997 als Jahresarbeit den Pilotenschein machte um von Ameríka nach Europa zu fliegen und 1998 mit Vater und Bruder in Island im Flugzeug abstürzte; Gullfoss; Geyzir; Eyafjallajökull, Westmanneyar wo ich zur Zeit 2 Tage verweile. Auf bald in Fortsetzung.

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7.000 km? 8.000 km? 10.000 km? – 8 Wochen? 10 Wochen? Abgekürzt?

VORBEMERKUNG: AUCH DAS NACHFOLGEND BESCHRIEBENE WAR TEIL EINER TRAUMREISE, WIE SIE KÜNFTIG KAUM NOCH MÖGLICH SEIN WIRD.
VOR 30 JAHREN WAREN IN NORWEGEN NAHEZU ALLE AUTOSTRASSEN AUCH DEN RADFAHRERN UND RADTOURISTEN ZUGÄNGLICH.
SO IST ES LÄNGST NICHT MEHR.
WIRD EIN TUNNEL GEBAUT – ICH PASSIERTE AUCH 2013 DES ÖFTEREN BAUSTELLEN – , SO WERDEN RADFAHRER SELTEN BERÜCKSICHTIGT.
UNTERQUERT DER TUNNEL EINEN FJORD, WIRD DIE FÄHRVERBINDUNG AUFGEGEBEN. MENSCHEN, DIE IM REGEN KONTAKT MITEINANDER STANDEN WIRD DAS AUFRECHTERHALTEN DER KONTAKTE DADURCH ERHEBLICH ERSCHWERT.

ICH BESUCHTE IM SOMMER TRAUMLANDSCHAFTEN MIT BESONDEREM, AUCH HERBEM REIZ.
DIE NATURSCHÖNHEIT NORDEUROPAS STAND IMMER AUSSER FRAGE, TROTZ DER „MACKE“ VIELER NORWEGER, MANCHER FINNEN UND EINIGER SCHWEDEN, IHRE AUFGEBRAUCHTEN FAHRZEUGE EINFACH IN DER LANDSCHAFT, IM WALDE ODER NACH GENERATIONEN SORTIERT, ORDENTLICH IM EIGENEN GARTEN ZU ENTSORGEN. ÄHNLICHES WIRD GELEGENTLICH AUCH MIT KÜHLSCHRÄNKEN, STAUBSAUGERN ODER FERNSEHGERÄTEN AM STRASSENABHANG ZUM FJORD ZU VERSUCHT.
„IST JA TROTZDEM NOCH GENUG NATUR DA!“, LAUTEN MITUNTER DIE KOMMENTARE.

TROTZ DER INSGESAMT ÜBER 10.000 REISEKILOMETER GELANG ES MIR FAST DURCHGEHEND, DIE EILE AUSZUSCHLIESSEN, MIT BEWOHNERN DER JEWEILIGEN GEGENDEN ZU SPRECHEN, VON IHNEN EINGELADEN ZU WERDEN UND MANCHE IHRER SORGEN KENNENZULERNEN.
ICH NAHM DURCHAUS AUCH ARMUT WAHR UND ENTVÖLKERUNG MANCHER LANDESTEILE INNERHALB DER LETZTEN ÜBER DREI JAHRZEHNTE UND DEREN URSACHEN, VOR ALLEM IM HOHEN NORDEN.

„SCHREIB‘ WIE ES UNS HIER GEHT,
SCHREIB‘ WIE SCHLIMM ES DEN RADFAHRERN GEHT,
SCHREIB‘ WIE DIE STRASSEN ZUSEHENDS VERKOMMEN.
SCHREIB AN „VISIT NORWAY“,
SCHREIB AN DIE REGIERUNG.
WIR HABEN IM HERBST WAHLEN, DAS STRASSENNETZ IST DABEI EIN HEISSES THEMA…“

…EIN ÜBERAUS BELIEBTER MINISTERPRÄSIDENT IST IN NORWEGEN INZWISCHEN ABGEWÄHLT WORDEN, WEIL IHM SEINE KOALITIONSPARTNER ABHANDEN GEKOMMEN SIND. INSOFERN WIRD MEINE SCHILDERUNG NICHTS MEHR BEWIRKEN KÖNNEN.
ODER?

-Na, bloß 7.000 km? Hast die 10.000 km doch nicht ganz geschafft?
-Musstest du abkürzen?
-War das schlechte Wetter schuld?

Den Impuls zur Entstehung eines Abschlusskapitels mit realer Tourenkarte, und komprimierter Benennung der Etappenabschnitte sowie fotografischen Beispielen für „Nichtradwege“ in Norwegen lieferte mein Dortmunder Freund Andreas.
War so gar nicht vorgesehen.

Weil auch in den Medien verschiedene Bewertungen der Zeitdauer und der Länge meiner Extremtour veröffentlicht wurden, weil wegen der Fülle der Einzelheiten einiges durcheinander kam und sich dort auch Fehler eingeschlichen haben, war der Weg zur einen „statistischen“ Auswertung des Reiseverlaufes durch mich nicht mehr weit.
Der geneigte Leser kann sich dadurch anhand der Fakten – gleich oder später – selbst ein Urteil darüber bilden, ob etwas abgekürzt, gemieden, geschönt usw. wurde.
Verschiedene Standpunkte sind möglich.

Während der „18 Nächte zur Mitternachtssonne“ im Jahre 2006 radelte ich von Oslo bis zur Varangerhalbinsel, 500 km „hinter“ dem Nordkap.
An 16 Tagen in Abschnitten von 150 – 230 km fast 3000 km weit. Zwei „Etappen“ von 100 km bzw. 70 km wurden von mir damals als „Ruhetage“ eingestuft.
Drei Tage verbrachte ich am Ziel, bei Vidar Nordberg in Syltefjord, bevor ich nach der Hurtigrutenfahrt von Båtsfjord nach Kirkenes den Flieger von dort nach Süden nahm.
Vidars Staurancafé, aus sibirischem Treibholz erbaut, war im August 2013 „nur“ Zwischenstation.

ZAHLENSPIELE FÜR STATISTIKER, NACHAHMER, Interessierte…
Wie der nachfolgend platzierten realen Tourenkarte 2013 zu entnehmen ist, war ich von den 66 Tagen – also 9,5 Wochen – an 48 Tagen im Sattel.
Dabei legte ich 7.000 km zurück.
Trotz der 40 Regentage eine traumhafte Erfahrung!
Pro Woche über 1.000 km, im Schnitt.
Etappenlängen von 72km – 352 km, durchschnittlich 146 km lang wurden mit bis zu 40 kg Gepäck bewältigt. Einmal sogar an nur drei Tagen 780 km.
Zu den 7.000 Radkilometern fügten sich noch zwangsläufig die Fährpassagen nach und von Skandinavien (etwa 500 km), die 100 km Bustransfer nach Bergen, die Hurtigrutenstrecke Bergen – Ålesund (etwa 300 km) und diverse Fjordfähren (geschätzt 250 km). Die geplante Hurtigrutentour Honningsvåg-Mehamn, welche durch die Umstände bis Berlevåg verlängert wurde (150 km), die Schnellbootpassage Syltefjord-Hamningsberg (25 km), die Passage mit der „LOFOTEN“, dem ältesten Schiff der Hurtigrute von Vardø nach Kirkenes war dabei (100km), der Tour-Retour-Transfer auf die Kökarinseln im Åland-Archipel (80km) ebenfalls.
Somit betrug die Gesamtstrecke schon mindestens 8.500 km!.
Und zusammen mit etwa 200 km Wanderungen, sowie dem gelegentlichen Jogging, welches den strapazierten Fußsohlen ausgesprochen guttat, legte ich über 9.000 km zurück.
Wegen des katastrophalen Zustandes des „angebotenen“ Fernreiseradnetzes insbesondere im Süden Norwegens, benötigte ich trotz extremen Krafteinsatzes und trotz der Radlererfahrung 2006 ungefähr eine Woche länger als geplant, um etwa bis zum Polarkreis vorzudringen.

In dieser Zeit hätte ich zwischen Stavanger und Ålesund sowie weiter nördlich zwischen der Nordkapinsel und Kirkenes auf dort recht guten, für Radler nicht verbotenen Asphaltstraßen der Finnmark zusätzliche etwa 1.000 km durchradelt, wie ich es teilweise 2006 tat oder bei der Vorbereitungstour 2011 bzw. früher per PKW bewältigte (Mehamn-Gamvik-Hopseidet-Vestertana-Tanabru-Berlevåg; Syltefjord-Tanabru-Vardø/Kirkenes) . Ein weiterer Besuch der Wüsteninsel Anholt im Kattegat wäre ebenso noch innerhalb der 66 Tage meiner Reise möglich gewesen.

Aber auch ohne die zusätzliche Alternative war meine Tour etwa 10.200 km lang, nimmt man den Bahntransfer Bochum-Niebüll und Putgarden-Bochum hinzu…

Der Vergleich des wirklichen Streckenverlaufes – zu sehen auf der nachfolgenden Karte – mit der Planung vom Februar verdeutlicht, dass die Abweichungen trotz der beschriebenen Schwierigkeiten fast vernachlässigbar sind.

Geradezu grotesk hingegen wirkt auf mich im Nachhinein die radlerfreundliche Einladung auf der Homepage von Visit Norway, oder anderer Portale, wenn man nach dem Nordsee(rad)weg googelt:

Die beworbenen 6.000 km Radwege entlang der Küsten der Anrainer der Nordsee sehen auf der Landkarte phantastisch aus.
Die Praxis in dem von mir bewältigten Bereich war aber völlig anders, das Durchradeln häufig unmöglich, das Hinaufziehen des bepackten Rades (mitunter über Hunderte Höhenmeter) eine Tortur. Kein Wunder, dass mir trotz der aktuellen Werbekampagne im südlichsten Norwegen innerhalb einer Woche nur drei Fernradler begegneten: ein Tscheche sowie ein französisches Paar.
Schon die wenigen Werbefotos zum Nordseeradweg zeigen meistens Radler oder Familien in lockerer Freizeitkleidung mit kleinem „Tagesrucksäckchen“ gesellig beieinander. Das (nicht gezeigte) Ferienhaus oder Auto ganz in der Nähe kann man fast erahnen. Vielleicht waren die Radler gerade auf dem Weg zum nächsten Schwimmbad, Hügel mit Aussicht oder zu den Nachbarn im nächsten Ferienhaus, wo die warmen Waffeln mit Himbeermarmelade schon warteten.
Beispielhaftes Anfangszitat:
„Velkommen til North Sea Cycle Route.
Her finnes 6000 km lang rekke av opplevelser som ligger klar og venter på syklisten.
Følger du ruten vil du oppdage et mangfold av pittoreske byer, små fiskelandsbyer og frodige bygder med hyggelige bondegårder.
Du sykler gjennom bølgende landskap langs kysten, med naturskjønne strender og sanddyner hvor man kan bade eller studere fugler. Du får også oppleve stille skoger og tradisjonsrike kulturlandskap litt lengre inne i landet. Du trenger ikke bekymre deg for at du ikke skal finne frem, man bare sykler i veg så kommer man tilbake til utganspunktet…“
Sinngemäße Übersetzung:
„Willkommen auf dem Nordseeradweg.
Hier findet sich auf 6.000 km eine Reihe von Erlebnissen, die für den Radler bereitliegen.
Folgst du der Route, so entdeckst du eine Menge pittoresker Städtchen, Fischerdörfer, üppiger Landbezirke, gemütlicher Bauernhäuser.
Du radelst durch eine wellige Landschaft entlang der Küste, mit naturschönen Stränden und Sanddünen, wo man ein Bad nehmen oder die Vögel studieren(beobachten) kann. Du erlebst auch stille Wälder und eine traditionsreiche Kulturlandschaft, etwas weiter im Binnenland. Du musst dich nicht sorgen, dass du dich verirst, radle den Weg einfach weiter und du kommst zurück zum Ausgangspunkt…“

Ein Kommentar erübrigt sich.
Nicht aber ein bebildertes Praxisbeispiel zur Realität (und Naturschönheit) anhand der „Erlebnistour“ Kap Lindesnes-Flekkefjord, für die ich anstelle der geplanten 6 Stunden über 20 Stunden benötigte.

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Wegen der Tunnels in der Nähe von Flekkefjord muss der Radler ausweichen…

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…um nach Stunden an einer Ausfahrt vor einem weiteren Verbotsschild für Radler anzukommen

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Nach Mehrfachwiederholungen durch „Eingeborenentipp“ doch noch den offiziellen Radweg gefunden.

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Pittoresk?

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Müllabladen verboten. Zuwiderhandlungen werden polizeilich angezeigt.
Das Tinfos Eisenwerk AS


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Nanu, was hat denn das Stahlwerk hier „abgeladen“:
Teilübersetzung
Erste Hilfe Maßnahmen:
Bei Einatmung Frische Luft, Ruhe und Wärme. Kontaktiere einen Arzt, falls sich das Unwohlsein nicht legt.
Bei Hautkontakt Entferne die Verschmutzte Bekleidung. Reinige sofort die Haut mit Seife und Wasser. Kontaktiere einen Arzt, falls sich das Unwohlsein nicht legt.l
Bei Augenkontakt. Spüle sofort mit viel Wasser (temperiert 20-30 Grad) mindestens 15 Minuten lang. Kontaktiere einen Arzt, falls die Symptome nicht verschwinden.
Bei Verschlucken Trinke viel Wasser. Führe ein Erbrechen herbei, falls die Person bei Bewusstsein ist. Kontaktiere einen Arzt.

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„Wir Radfahrer/Fußgänger müssen draußen bleiben“, der Brummi zischt durch den 500 m langen Tunnel schnell zurück zum Stahlwerk, um mit seinen Brüdern die nächste Ladung zur „Verklappung“ aufzunehmen…Sind die Ausdünstungen seiner Last etwa zu gefährlich für uns im Tunnel?…

Eine Reihe von Erlebnissen, die für den Radler bereitliegen…
Bei den Alternativen ist man auf die Tunnelpassage ja auch gar nicht angewiesen:

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20130922-142354.jpgGeschafft, Asphalt erreicht.

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Mein tschechischer Bruder im Geiste kümmert sich nicht um Verbote und „taucht“ trotz Verbots durch die Tunnelröhren….,

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…während ich mich den Schönheiten des Nordseeweges hingebe…,

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Ganz oben: der Motorweg;
Der Asphaltweg… endet an einem Privathaus
Der Nordseeweg… taucht ab in den Wald…

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und bietet…

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…hervorragende Trainingsmöglichkeiten für Fernradler…
nein, der Asphaltweg ist nur der Zubringer zum Motorweg… Es geht abwärts (nicht für Autofahrer)…

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… und aufwärts…, …in selbst für Wanderer…

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…schwierigem Terrain…

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Keine Sorge, man verirrt sich nicht…, …man folgt einfach der oft verständlicherweise eigenartig schwer auszumachenden Beschilderung…
Flekkefjord ist schließlich nach etwa 36 Stunden seit Lindesnes und 20 statt 6 Stunden reiner Reisezeit erreicht…
Selbstverständlich müssen wir Radler zur eigenen Sicherheit sofort auf den Fußgängerweg ausweichen in dem einst zum schönsten Städchen Norwegens gewählten FLEKKEFJORD.

20130922-151118.jpgPer Draisine wären wir weniger gefährdet, wir kämen damit aber nicht sehr weit…

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Fazit/Tipp an die Stadtoberen Flekkefjords und für die vielen an Radtouristen interessierten Kommunen Norwegens (gibt es die?) mit gleichen Problemen:
Jeder Fernradler sollte bei Voranmeldung als Willkommensgeschenk eine Polizeieskorte oder einen Bustransfer durch die verbotenen Tunnelpassagen erhalten. Die Werbewirkung wäre riesig, die Kosten dafür zunächst minimal bei den „3 echten Radtouristen je Woche“ die sich zur Zeit nach Südnorwegen verirren…

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Abschlussbonbon: auf der Etappe zwischen Stavanger und Bergen „kickte“ mich das Navigationsgerät am 28. Juni an einer etwas abschüssigen, kurvenreichen Strecke von der plötzlich für Radfahrer verbotenen E39 auf einen Waldweg. Nach 30 Minuten angestrengten Schiebens – die Nadelbäumchen auf dem Pfad waren teilweise über einen Meter hoch – erreichte ich den mit Gestrüpp gesperrten, nicht verschlossenen Schlagbaum. 10 Minuten Waldarbeiterdienst, der Schlagbaum war geöffnet und ich konnte weiter…, auf der E 39 hätte alles keine zwei Minuten gedauert.

Deutsche Skandinavienurlauber – Gule regnfrakker og blå kasketter – dänischer Humor

Ursprünglich sollten an dieser Stelle amüsante Betrachtungen der Fahrradtransportgewohnheiten multinationaler Skandinavienbesucher und der Skandinavier selbst stattfinden, welche mit Ausnahme der Litauer*, Russen* und Finnen* häufig und auf verschiedene Weise ihre Drahtesel mitschleppten und, wahrscheinlich, erst nach Hause zurückgekehrt, erstmalig abmontierten.

…zum Beispiel über
die Schweizer, mit ihren stets ordentlich mit passgerechten Plastikpackhüllen überworfenen, auf der Rückseite des Wohnmobils im stabilen Gepäckträger gesicherten Rädern,
die Deutschen, die –
im jüngeren Alter – oft auch per PKW nördlich des Polarkreises gesichtet wurden, das vollgepackte Wageninnere im Kopfbereich verschönert mittels abmontierten Vorderrades des FÜR IHN auf der Heckklappe per Spezialträger befestigten Mountainbikes neuesten Datums,
im gesetzteren Alter – die Gewohnheiten der Eidgenossen übernahmen, gesteigert um die in Südeuropa(?) vorgeschriebenen quadratischen Piktogramme mit rot-weißen „Diagonalbalken“,
die Niederländer, die sich nur als junge Wohnmobiltouristen mitunter zusätzlich mit Fahrrädern ausstatteten, niemals aber mit Hollandrädern,
die Norweger, die anders als die Schweizer, nur selten als Radtouristen auftauchten (3 Personen in 66 Tagen), ihre Räder in Kenntnis der Straßenverhältnisse auch nie „auf Reisen“ mitnahmen, dafür aber sehr häufig, lose im PKW-Anhänger gestapelt, nur regional „verlagerten“,
die Italiener, welche gelegentlich auch in Wohnmobil-Kolonnen auftauchten und als „Drahteselersatz“(?) Zweiräder in Gestalt von „Vespas“ mitführten…

– Weil aber die geschilderten Auffälligkeiten im Laufe meiner Radtour – nicht wegen des Regens – „verwässerten“, rückte der Hauptteil von Kapitel 13 aus „18 Nächte zur Mitternachtssonne“ immer stärker als Alternative in den Mittelpunkt.
– Weil er besonders über den darin abgedruckten Beitrag der dänischen „Jyllands-Posten“ aus dem Jahre 1999 von außen einen kritischen Blick auf uns Deutsche lenkt.
– Weil er allgemein sensibilisiert für Verhaltensweisen, wie sie uns vielleicht erst durch derart plakative Überzeichnung auffallen.
– Weil ich, nachdem ich oben bereits anfing, motorisierte Touristen aus subjektiver Wahrnehmung zu typisieren, gar nicht anders kann, als nach Art des klassischen dänischen Humors, am meisten über mich als Deutschen zu lästern…
Viel Freude bei der Lektüre.

Übrigens: Verfasst wurde Kapitel 13 – ohne darauf direkt einzugehen – anlässlich der Diskussion um die „Mohammed-Karikaturen“, erschienen im September 2005 in derselben Zeitung…

* Russische Fernradler traf ich mehrfach, zuletzt im südfinnischen Turku vor der Überfahrt auf die schwedischsprachigen Ålands.
Motorisierte Russen tauchten häufig auf, per Zweirad oder PKW. In Nordnorwegen und -finnland verstärkt ausgestattet mit bulligen Vans, jedoch nie mit einem Fahrrad im Gepäck (vielleicht trauten sie sich nicht ihr Fahrrad mitzunehmen aus Angst, man könnte daraus schließen, sie seien noch vor kurzem auf selbiges als Haupttransportmittel angewiesen gewesen…).
* Litauische PKW gehörten verstärkt zum norwegischen Straßenbild, weil viele Litauer als „saisonale Gastarbeiter“ jobben. Nördlich der Vesterålen traf ich aber auf litauische Fernradler: Das Paar besorgte sich Räder und Ausrüstung bei einem Bochumer Internetanbieter. Klein ist die Welt…
* Finnen finden wohl auch zu Hause genügend Möglichkeiten, das Fahrrad regelmäßig als akzeptiertes Verkehrsmittel zu gebrauchen und schleppen es deswegen – tendenziell – nicht noch als Zusatzgepäck/Fitnessgerät ans Wohnmobil „genagelt“ mit.
Für sie, wie für die Schweden und Norweger gilt Skandinavien eh nur als „Kurzreiseziel“ vor der Haustür.

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Die Zeit vergeht? Begegnungen eines „Zeitreisenden“.

„Wie alt bist du?“, wörtlich auf Polnisch gefragt, grenzt an eine Beleidigung.
Nicht, weil es sich nicht schickt nach dem Alter zu fragen – dafür, ob es sich schickt, braucht man übrigens auch auf Polnisch einen Sondersinn – nein, auf Polnisch fragt man dann vornehmer:
Wie viele Jahre hast du?“
Jahre, angesammelt als Reichtum…, an Erfahrung, Weisheit, Güte, und mehr.
Da kann unser „wie alt bist du“ wirklich nicht mithalten, weil „alt“ fast automatisch negativ belegt/empfunden wird.

„Er ist aus der Zeit gegangen“, sagt man in Schweden gelegentlich, wenn man mitteilen will, dass jemand verstorben ist. Ist ebenfalls ungewöhnlich für deutsche Ohren…

„Ach, wie schnell die Zeit vergeht!“…, …Quatsch, „Zeit vergeht nicht, Zeit kommt“, habe ich auf meiner Reise gelernt.

(Klar, diese Redewendung haben wir ja des Öfteren meistens unbewusst parat und benutzen sie auch:
„Die Zeit wird kommen, da wirst du…,
„Es kommt noch einmal die Zeit, dass….“ usw.
Dennoch, die Empfindung des Vergänglichen dominiert all dies, sodass das Bewusstsein wenig Möglichkeiten findet, auch das Zukünftige mit einzubeziehen.)

Die Zeit kam also, auch während meines Aufenthaltes im Norden.
Und mit ihr kam es zu Reisebegegnungen.
Mit Menschen aus 34 Nationen, in vielen Sprachen.
Und verschiedenen Blickwinkeln auf scheinbar Gleiches.
Es waren zugleich Möglichkeiten, noch offener, toleranter, zurückhaltender und aufmerksamer zu werden…,
…mit jedem und auch für jeden Augenblick, der auf mich „zuraste“ und sich scheinbar wieder entfernte.

Die Möglichkeiten, wirklich GEGENWÄRTIG zu sein.

– „Früher, als Kind hatte ich genug Zeit für alles, da verlief alles viel langsamer. Im Erwachsenenalter rennt einem die Zeit einfach davon. Wo sind bloß die vielen schönen Jahre geblieben?“…
Ist das wirklich so?
Eingebunden in den Alltag, in die Mühle der Zwänge und Verpflichtungen, in den Terminkalender – der vielleicht doch noch etwas voller gepackt werden kann – laufen wir Gefahr, dass uns die Zeit davonläuft.
Da scheint es mir immer wichtiger zu sein, für sich individuelle Möglichkeiten innerer Ruhe zu finden (zu schaffen?), welche die Zeit offensichtlich „anhalten“, sie „scheinbar(?)“ zu dehnen vermögen…

Individuelle Möglichkeiten, individuelle Herausforderungen, möglich z.B. auch auf sportlicher Ebene.

Schon während meiner ersten großen „Nachttour“ 2006 hatte ich das Gefühl, fast ein halbes Jahr lang und nicht nur etwas über 3 Wochen unterwegs gewesen zu sein.
2013 war ich aber 66 Tage vor allem aber Nächte lang unterwegs…

Wenn ich es 2006 einmal nicht einrichten konnte, an zwei aufeinanderfolgenden Tagen Reisenotizen zu machen, hatte ich beim anschließenden Rückblick auf die Ereignisse das Gefühl, vor mindestens einer Woche den Ort A besucht, den Menschen B getroffen, den Gedanken C gehabt zu haben, obwohl mich nur wenige Stunden vom Erlebnis trennten.
Ein extrem anderes Zeitempfinden. Beglückend.

Für meine soeben abgeschlossene Fahrt traf das noch in wesentlich gesteigerter Form zu.
Trotz der selbst fixierten Vorgabe, eine bestimmte Strecke durchradeln zu „müssen“, um im zur Verfügung stehenden Zeitraum die Reise abschließen zu können, bemerkte ich schnell, dass Eile ein falscher Reisepartner ist.
Gerade durch „Gegenmaßnahmen“ und Alternativen, wie ich sie damals auch beschrieben habe, kam es zu Begegnungen und/oder zu Gesprächen, die ich mir auf einer gedachten Wunschliste gar nicht hoch genug hätte hängen können.
Manche schilderte ich ausführlicher, die meisten blieben unerwähnt, bleiben mir aber „gegenwärtig“.

In Zukunft kommt es (auch bei mir) weiterhin darauf an, zu achten, was die kommende Lebenszeit an Aufgabenfeldern bereithält und die Zuversicht zu behalten, daraus das universell Richtige und das individuell Mögliche realisieren zu können…

Wie viele Jahre hast du?“…,
…jeder von uns hat seine Lebenszeit, bevor er aus dieser gegangen ist.

Und auch „die Zeit“ IST…, …ganz unabhängig von KOMMEN und GEHEN…

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40 Tage Regen, wie hält man das aus? – Mentale und materielle Ausrüstung

(letzte Aktualisierung am 01.09.13)

Im Beitrag vom 7. Juli, praktisch noch am Anfang der Reise, äußerte ich mich – auch anlässlich eines Zeitungsartikels über mein Unterfangen – zum Wetter.
Die aus meiner Sicht dafür nötige mentale „Ausrüstung“ wurde dort besonders und ausreichend thematisiert. Das ganz zum Schluss noch einmal gezeigte Video kurz vor dem Start von Lysøysund, wo ich planmäßig in einer Ferienhütte „Kurzurlaub“ machte verdeutlicht, auf welche Verhältnisse man sich einlassen können muss. Der Regen hörte damals zwar bald auf, der Sturmwind blies mir aber im ersten Teilstück der über 200 km langen Etappe direkt entgegen.
Nachfolgend und zum Abschluss einige Ergänzungen zum Material, Anregungen und neue Blickwinkel
.

Für Campingverweigerer vielleicht informativ,
Für „Infizierte“ vielleicht eine Goldgrube.
Für die Übrigen vielleicht interessant…

„Ich stelle mich auf 70 Tage Regen ein, insofern kann mir nichts passieren“, äußerte ich kurz vor dem Start Mitte Juni im Interview mit 98.5 Radio Bochum.

In Wirklichkeit waren von insgesamt 66 Tagen meiner Radtour 40 Tage von Dauerregen bestimmt, für 27 der ersten 31 Tage traf das besonders zu – in gewöhnlicher Wortverwendung wird man kaum von „gutem Wetter“ während der Reise sprechen können.

Andererseits trifft auch wirklich zu: „DAS WETTER“ IST.

Wir Menschen definieren es, wie ich schon während der Reise bemerkte, subjektiv als „gut“, „schlecht“ usw.

Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung!„, … nur eine Floskel?…,
– nein, da ist etwas dran.
Tauscht man im letzten Satz „schlechte Kleidung“ gegen „ungeeignete Ausrüstung“, ist man schon, das Materielle betreffend, nahe am Wesentlichen.

Ein – laut Werbung – „in zwei Sekunden“ aufgebautes Zelt ist für die Gartenpraxis vielleicht hervorragend geeignet.
In Extremsituationen, auf Reisen wie der von mir absolvierten, kann es in Sekundenbruchteilen zerrissen, fortgeweht werden.
Und dann?…

Herausforderungen mit Zeltübernachtungen zu verschiedenen Jahreszeiten nahm ich seit 1981 regelmäßig an. Ich organisierte und begleitete als Lehrer Klassenfahrten per Rad.
Offen zu bleiben für Innovationen auf dem „Outdoormarkt“, war mir dabei trotz wachsender Erfahrung äußerst wichtig.
Selbst Bewährtes wurde dadurch im eigenen Equipment konsequent durch Geeigneteres ersetzt.
Manchmal – selten – war auch eine Entscheidung zwischen gleichwertigen Produktlinien nötig.

Einige der 2013 mitgeführten neuen Ausrüstungsteile haben den Praxistest nicht bestanden.
Materialien meiner genannten „Partner“ waren davon nicht betroffen.
Produkte einiger nicht im Reise-Sheet erwähnter Ausrüster, die mich seit längerer Zeit unterstützen, haben sich weiterhin oder neu bewährt:
– der mit Gas, Diesel, Benzin, Petroleum zu betreibende Kocher,
– die drei sehr leichten, durch besondere Verschlusssysteme absolut dichten, Edelstahlflaschen,
– die Liegematte,
– der Schlafsack aus Kunstfaser (beim „Zeltreisen“ mit Pkw verwende ich allerdings ausschließlich Daunenschlafsäcke),
– der enorm starke Helmstrahler.

Der neue, etwa 100 € teure Fahrradhelm hat sich für meine Kopfform(?) nicht bewährt, er rutschte mir im „regennassen“ Zustand bei vorgebeugter, tiefer Sitzposition (wegen des verbesserten, tieferen Hinterkopfschutzes) immer tiefer in die Stirn, bis auf die Augenbrauen.
Ich schickte ihn nach Hause zurück, nachdem sich ein finnisches Warenhausmodel für 16,- € blendend bewährt hat.

Die mir empfohlene über 100 € teure rote (zu?) leichte Membran-Regenjacke mit fast unschlagbaren, theoretischen Verdunstungswerten, war für die dynamische Reiseart völlig ungeeignet. Sobald ich beim Radeln (im Regen) anfing zu schwitzen, klebte sie fast wie eine Plastiktüte an der Haut, an dem Merinoshirt, am „Unterzeug“, tropfte aus den Ärmeln, verstärkte das Nässegefühl auf Rücken, Schulter, Bauch.
Ich besorgte mir auf den Lofoten eine sehr teure(!) blaue Goretexjacke chinesischer Herstellung, die das Problem augenblicklich verschwinden ließ. Zwar verhinderte auch sie das Schwitzen nicht, im Verhältnis zur Jacke des deutschen Ausrüsters, die früher die Heimreise antrat, ergab sich aber durch Materialart und funktionelle Schnittform ein geradezu paradiesisches Arbeitsklima für die weiteren 5.000 km.

Die Verwendung nicht ‚miefender‘ Merinounterwäsche eines ausländischen Herstellers, die ich seit Jahren in lang und kurz auch beim Eisschnelllautraining favorisiere, verminderte die Mitnahme wärmender Sachen auf einen Bruchteil früherer Notwendigkeiten. Die Skisocken gleicher Marke waren allerdings schon im Vorfeld, in der Testphase, schnell durchgerieben und während der Tour immer wieder zu flicken. Beim Wandern, hörte ich, sind sie ebenso anfällig.
Sicherlich erfüllen die Socken aber beim Skifahren perfekt die Anforderungen, für die sie konzipiert wurden.

Die auf dem Markt völlig neue Lenkertasche mit der Möglichkeit, ein IPad mit Navigationssystem mitzuführen und das Display über die Sichtfolie zu bedienen, mag nützlich sein für Spritztouren in die nähere Umgebung. Sie ist sicherlich auch ein besonderer Blickfang.
Für den Dauereinsatz unter Extrembedingungen, wie ich sie während der 7.000 km erlebte, erwies sich aus unterschiedlichen Gründen als nicht geeignet.
Das Handling und die Art der Reißverschlüsse sowie die „Not des Fernreisenden“, die bei aktivem Display schnell ausgepumpten Akkus nicht nachladen zu können, sollte bei der Nachrüstung noch stärker im Focus stehen.
Ich habe die Tasche meinem Fahrradausrüster zurückgegeben mit entsprechenden Bewertungen für den Hersteller.

Das „Power Pack“ für die Aufladung des IPads zwischendurch war eine große Hilfe.
Zwar lädt mein Spezialdynamo per USB-Anschluss iPod und Mobiltelefon.
Für die Aufladung des IPads reicht die in Deutschland für das Fahrrad gesetzlich maximal zulässige Wattzahl aber nicht aus.

Im Buch „18 Nächte zur Mitternachtssonne“, anlässlich der Fahrt 2006 von Oslo bis Kirkenes, „beleuchtete“ ich bereits verschiedene Ausrüstungsgegenstände genau.
Gerade im Zusammenhang mit der überwiegend regnerischen Witterung während meiner Tour 2013 möchte die Betrachtungen „materieller“ Ausrüstung abschließen mit einem Blick auf die mobile Unterkunft, das Zelt.
Vielleicht liefern meine Ausführungen auch Ideen, um Fehler zu verhindern, wie sie auch mir früher unterlaufen sind.

Ich setze voraus:
– dass heutzutage kein Zelt die Mitnahme verdient, wenn sein Innenzelt, so vorhanden, beim Aufbau im Regen nass wird;
– dass das Aufschlagen eines Zeltes nur Sinn macht auf leicht erhöhtem, u.U. etwas schrägem, überschwemmungssicheren Untergrund;
– dass jedes Zelt – selbst bei Windstille – auch auf Felsgrund sturmfest zu verankern ist
(geeignete Zeltnägel/-heringe, Steine, Balken, Wurzeln, Bäume, Gepäckgummibänder als Verlängerung können mit wachsender Erfahrung immer effektiver eingesetzt werden);
– dass jedes Zelt aus Materialien gefertigt ist, die den Belastungen im Einsatz gewachsen sind;
– dass das Innenzelt, der „Wohnbereich“, ausschließlich barfuß und möglichst trocken betreten wird (Nasses bleibt draußen unter dem Außenzelt!);
– dass der Besitzer die richtige Aufbauweise seines Zeltes beherrscht (Selbst bekannte Testinstitute können bei Innovationen überfordert sein, bzw. durch gewohntes Handling zu gravierenden Fehlurteilen kommen. Unser erstes Zelt, ein 3-Personen-Tunnelzelt gleicher Marke wurde 1987 mit „mangelhaft“ bewertet. Es wiegt unter 3 kg, ist immer noch unbeschädigt und voll einsatzfähig, auch wenn die Reißfestigkeit des Gewebes durch Nutzung und Sonneneinstrahlung nach über einem Vierteljahrhundert gelitten haben dürfte. Das damals schon eingeknüpfte Innenzelt war eine der Neuerungen. Gut, dass wir beim Kauf nichts vom Testurteil wussten und nach gründlicher Einführung in die Aufbauweise, eigene Erfahrungen damit machen konnten.
Gewonnen hat den Test damals übrigens ein 7 kg schweres Zelt, bei dem das Innenzelt beim Aufbau im Regen zunächst aufgestellt werden musste und dabei zwangsläufig „einregnete“…).

Nach gut 20 Reisetagen, nördlich von Tjøtta und fast am Polarkreis knüpfte ich in wunderschöner, verregneter Landschaft erstmalig das Innenzelt aus (ist in 2 Minuten leicht zu bewältigen, das Einknüpfen geht ebenso schnell) und sicherte es trocken in einer Plastiktüte. Den Vorgang dokumentierte ich.
Ich besorgte mir bereits vor 7 Jahren eine passende Bodenschutzmatte, die zwar etwa 300 g wiegt, aber die Innenzeltwanne ausgezeichnet vor Schmutz, Abschürfungen und Feuchtigkeit schützt.

Bei Aussicht auf ein paar windige, regenfreie Stunden verpackte ich gewöhnlich das noch nasse Zelt und trocknete es, während ich bei einer Rast auf der Liegematte etwa 30 Minuten „Mittagsschlaf“ hielt. – Grundprinzip: Keine Spuren hinterlassen (die 3 Fotos machte ich noch in Dänemark)

TIPP ZUM ZELTAUFBAU IM REGEN FÜR AUTOREISENDE:
Einer opfert sich, baut das Zelt in Badehose/-anzug auf und räumt es ein. Alles mit Ausnahme der Badebekleidung und der Haut bleibt so trocken…

Meine Klickschuhe blieben übrigens in den ersten 5 Wochen nass. Spritzwasser, Sprühnebel, Kapilarwirkung durch Membrangamaschen, Schwitzen brachten zwangsläufig das Eindringen der Flüssigkeit bis zum Fuß mit sich.
(Von Outdoor-Ausrüstern zu entwickelnde dünne „Membranübersocken“ wären eine Zukunftsaufgabe – vielleicht gibt es die auch schon???)
Trockene Füße behielt man in nassen Schuhen nur etwa 2 Stunden lang, wenn diese in frischen Socken in Plastiktüten verpackt „betreten“ wurden. Danach half mental die Erinnerung, „trockene Füße gehabt zu haben“…

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Video: Regensturm