Montag, 18. Juli: Hnjótur – Stykkishólmur

BILDER FOLGEN NOCH…

islandkarte-23-24 Die Etappe auf der Islandkarte ist insofern ungenau eingezeichnet, als dass es keine Direktfähre vom Látrabjarg nach Stykkishólmur gibt und ich wieder mit  „Baldur“ unterwegs sein werde. Verdeutlicht werden soll, dass die Rückfahrt vom westlichsten Punkt Islands (Europas?) beginnt…

Aus dem Reisetagebuch:

Montag, 18. Juli 

Eine Drossel verfängt sich morgens am Rad zwischen Flaschenhalter und Flasche. Vorsichtig ziehe ich die „Balance“-Flasche heraus und befreie den verschreckten Sondergast…

Da mich Schafe um 4.30 Uhr wecken, fahre ich bereits um 5.20 Uhr los. Vielleicht schaffe ich die Fähre nach Stikkisholmmúr um 12.00 Uhr noch… 

Die nasse Wäsche muss die nächsten 25 km im Plastikbeutel staubgeschützt mitfahren. Zum Glück begegnen mir auf der Schotterstrecke nur 3-4 Fahrzeuge.

Ein Happy Campers „schläft“ am Straßenrand, einige aussortierte „gewordene Immobilien“ Schaufelbagger, Landmaschinen, LKW, PKW, Trecker, Anhänger usw. finden in der Landschaft unweit der Straße, wie überall in Island (und wie schon erwähnt) ihre letzte „Ruhestätte“ zum Verrosten… Küstenseeschwalben ruhen nicht, sie versuchen ihr Revier, das ich wieder durchkreuze mit lautem Gezeter zu verteidigen, fliegen mich an, aber eher „friedlich beobachtend“, stürzen sich nicht auf mich herab, bleiben auf Abstand. Vielleicht erinnern sie sich noch an den Radler von der Hinfahrt vorgestern?…

Fast eineinhalb Stunden später, am Parkplatz beinahe am Ende der Schotterstrecke,  „schläft“ im Bergschatten ein großes französisches Wohnmobil. 

Dieser Parkplatz entsorgt eine weitere „gewordene Immobilie“: Hier „schläft“ seit 1981 das erste isländische Schiff aus Eisen, erbaut 1914 in Norwegen. Das Betreten des Decks ist wegen Unfallgefahr verboten.

Ursprünglich wollte ich hier frühstücken, „um die Ecke“ aber scheint schon die Sonne, sodass ich noch 20 Minuten weiterradle, um ihre Strahlen genießen zu können. Schön, dass ich bald wieder Asphalt unter den Rädern habe…

Am Parkplatz an der Straßengabelung zum Patreksfjörður kräftige ich mich bei herrlichem Sonnenschein für die Serpentinenstrecke, verteile meine nasse Wäsche zum Trocknen hinten auf das mit den Gummibändern gesicherte Gepäck und klettere anschließend in nicht mal einer Stunde den 7 km langen, fast konstant 9% steilen Anstieg hoch. Der Verkehr wächst „mächtig“ an, fünf Fahrzeuge überholen mich während des Kletterns – wahrscheinlich von Patreksfjörður kommend – , während ich auf der Schotterstrecke zuvor ganz allein unterwegs war. Überrascht staune ich über die übergroße, menschenähnliche Warte, die, fast an höchster Stelle des Anstiegs errichtet, die Hochebene „bewacht“. Noch habe ich sie gar nicht erwartet…

Autofahrer finden hier leicht einen Parkplatz, um Erinnerungsfotos zu machen.

Fernradler natürlich ebenfalls…, nur genießen sie dann nach dem über einstündigen scheinbar nicht enden wollenden Kurbeln den Berg hoch auf dem Hinweg zu den Papageitauchern – wie ich vorgestern – gerade die in Gang gekommene Schussfahrt und „schonen“ die Bremsen.

Bei der Rückfahrt hingegen erinnern sie noch, dass ihnen die verbliebene Anstiegsstrecke vielleicht einen weiteren Kilometer lang Kräfte abverlangen wird, die leichter im Zuge des währenden Kletterns zu mobilisieren sind als nach einer Pause „mitten am Berg“ und kurbeln weiter, wie ich…    

Die Abfahrt geht mit 60 km/h zügig voran, die Strecke zur Fähre ist bei wechselndem Wind aber noch weit. Ich erkenne meinen Badeplatz, es ist wieder Ebbe: Diesmal keine Zeit zum Baden!

Dass „aufgewachte“ französische Wohnmobil überholt mich. Hoppla!, auch die beiden Amerikaner tun das etwas später, winken mir aus dem geöffneten Fenster zu, wünschen gute Reise und Glück.

Ich genieße die Landschaft wie bei der Hinfahrt, die Strecke „zieht sich aber“. Zur Fähre schaffe ich es  aber, bin sogar schon um 11.30 Uhr (hungrig) da.

Warteschlange am Ticketverkauf, keine Zeit sich noch an der Imbissschlange anzustellen.

Die Fähre kommt, mein Rad wird wieder in einer Box gesichert, um 12.15 Uhr geht es nach Plan nach Stykkishólmmur. Beim Aufstieg aufs Schiff treffe ich noch zwei ukrainische Rucksacktouristen aus Dnipropitrovsk, die bis zum Krieg in Donezk lebten. Erinnerungen an die Schüleraustauschaktivitäten „meiner“ Schule mit Bochums Partnerstadt, die ich seit 1989 mitorganisierte werden wach. Krieg in der Ukraine – damals und bis vor wenigen Jahren kaum vorstellbar… 

Leider ist der Bordimbiss nicht in Betrieb, wahrscheinlich schaffte es die Crew noch nicht, die bei der Hinfahrt schon klemmenden Rollos der Theke zu reparieren.

Ich höre einen Jungen mit Rucksäckchen und Schlafkissen, der offenbar allein unterwegs ist, telefonieren. Isländisch?

Talar þú íslensku? 

 Ómar Örn Ómarsson aus Reykjavík ist 15, kommt nach den jetzt nur noch zwei Monate langen Ferien in die zehnte Klasse. Ómar (gesprochen Oumar) ist begeisterter und talentierter Fußballspieler und muss wohl, wenn ich es recht verstanden habe, gleich nach der Rückkehr nach Reykjavik zu einem Spiel nach Akureyri aufbrechen. Zwischendurch ruft er seine Eltern an und berichtet von mir, seiner neuen Bekanntschaft. Sein Pappi (so heißt Vater auf Isländisch) sucht auch gleich mein Blog auf. Ómar hat auf seiner Kurzreise einen der 50 in Island wieder heimischen Seeadler gesehen. Er ist ganz stolz und glücklich, weil er in seinem Namen (Örn) ja auch den Adler mitträgt…

Pilot möchte Ómar später werden und internationale Flüge lenken. Fahrrad fährt er aber auch gern und bewundert meine Reiseart, weil sie viel preiswerter ist, als im Hotel zu übernachten. Und man sieht viel mehr. Wir unterhalten uns über Vogelfelsen (ich zeige im Bilder davon und auch von meinen Traumzeltplätzen), unterhalten uns über Schule, über Ferienreisen und so weiter. Nur ganz selten muss ich auf englisch nachfragen und bin glücklich, schon soviel verstehen zu können. Eine „Glücksbegegnung“.

Ómar ist ein geschickter, aufmerksamer Erzähler und kann mir in seiner Muttersprache sehr flexibel zum Verstehen seiner Gedanken verhelfen. Er hat zwei jüngere Brüder und freut sich darauf, bald mit 

der ganzen Familie für 3 Wochen in Frankreich in Nizza, Paris und anderen Orten durch Wohnungstausch einen dreiwöchigen Urlaub machen zu können.

Die dreistündige Schiffsfahrt vergeht wie im Fluge: Danke lieber Ómar, für die zweistündige Supernachhilfe in Isländisch, viel Glück für die Zukunft und viel Freude beim Entdecken dieses Blogeintrages…

… Ich muss länger warten, bis mein Rad aus der Box freikommt. Zunächst will ich essen gehen. Da aber die Sonne scheint und der Wind bläst, ich noch viel nasse Wäsche habe, verproviantiere ich mich im nächsten Supermarkt (Bónus) und radle zu meinem am Wochenende übervoll gewesenen Campingplatz.

Wie anders das Bild jetzt, am Montag: schätzungsweise nur ein Zwanzigstel  vom Platz besetzt, am letzten Freitag aber übervoll. Offenbar hat ganz Reykjavik das letzte Wochenende hier verbracht…

Ich baue mein Zelt an gleicher Stelle auf wie vor 3 Tagen, „guatsche“ mit Holländern, die in der Nähe  der belgischen Grenze wohnen, mit Mietauto und Zelt reisen – und natürlich von Island fasziniert sind – und radle dann zur Rezeption.

Der junge Mann erkennt mich wieder und ich „guatsche“ ihn zu. Es macht ihm offensichtlich Freude, mit einem Ausländer Isländisch reden zu können…

Auf meinem „Feldherrenhügel“ steht außer den Niederländern auch ein Berliner Campingbus.

Den Mann (Arzt im Ruhestand) spreche ich an und erkundige mich nach den Überfahrtkosten.

Sie entschlossen sich ganz kurzfristig, für 5 Wochen nach Island zu reisen, sodass sie auf der Hinfahrt nur eine 6 Personen Kabine bekamen. Inklusive Verpflegung, Überhöhe des Fahrzeugs und Doppelkabine bei der Rückfahrt zahlten sie etwa 2100 € und haben ihr eigenes bekanntes Fahrzeug, das sie schon überall hinfuhr „bei sich“. 

Das rechnet sich, angesichts der Preise für Mietautos in Island. 

Wir unterhalten uns länger, Sie begeistern sich schnell für die Möglichkeit, Papageitaucher ganz aus der Nähe und ganz ohne sportliche Anforderungen sehen zu können.

Beim Essenzubereiten spricht mich Cathy, eine recht „kräftige“ Australierin an. Sie ist seit 2 Monaten per Rad im südlichen Island unterwegs und ganz überwältigt. Die Wärme fehlt ihr, allerdings lebt ihr Bruder auf Tasmanien, wo jetzt Winter ist und gleiche Temperaturen wie auf Island herrschen.

Cathy will noch für paar Wochen „in die Wärme“ nach Deutschland. Und in die Niederlande, wo sie offenbar Verwandte hat…

Der Nachmittag und Abend vergehen in willkommener Muße.

Die Wäsche ist trocken. Die „praktikerprobte“ Fahrrad-Zelt-Wäscheleine ist Klasse. Lasse ich wohl patentieren. Hi hi…

Das Nichtstun tut gut.

…Die Restspaghettiportion, die ich spätnachmittags verdrücke, ist wohl die größte, seit einem Wettessen 1974(?) anlässlich der Abifeier meiner damaligen Freundin um jetzigen Frau

(…der meine Extremsolotouren der letzten 10 Jahre unmöglich zuzumuten wären, die mich vor, während und nach diesen aber, wie in der Planung neuer Vorhaben,  aus Kenntnis meiner „Besonderheiten“ und jahrzehntelanger, gemeinsamer Reiseerfahrungen kompetent, schier unerschöpflich – und ganz sicher unbeschreiblich – stützt. Danke und (hier) nur ein: „UNENDLICHHOCHUNENDLICH“…)

 als ich gegen Bernd Bonnermann und Herwart Küsel aus Wetter an der Ruhr antrat und symbolisch gewann, weil ich noch zwei der drei vereinbarten Trinkpausen in Reserve hatte, während sie ihre schon verbraucht haben.

Man ist doch in der Jugend – UND JETZT IM GESETZTEREN ALTER – doch vor keinem Blödsinn gefeit!…

(Schlafe dennoch gut, muss aber ausnahmsweise „nachts“ um halb zwei raus. Bei starkem Ostwind und schönem Himmel. Der Vollmond hängt hinter den Wolken am Horizont im Süden, die Sonne unter dem Horizont im Norden). Island, frábær (fantastisch)!

Zum ersten Mal erlebe ich hier den Anschein einer Dämmerung. Farben sind aber noch deutlich zu erkennen…

Sonntag, 17. Juli: Hnjótur-Látrabjarg-Hnjótur: Unter Papageitauchern und 2CV-Enten/46 km

Islandkarte 22-23

Aus dem Reisetagebuch: 

Sonntag, 17. Juli

Der Wecker weckt mich vor 6 Uhr.

Die Nacht war windig, der Himmel verzog sich zwischendurch.

Zeit zu schreiben.

Nieselregen… 

Der Niesel hört auf, ich mache mich fertig für die Radtour zum Látrabjarg.

Kurz oben in der Küche treffe ich noch die beiden Finnen und – das gibt’s doch gar nicht! – Joachim, meinen fränkischen Bekannten von gestern.

„Ja die Papageitaucher lassen sich gern fotografieren“, sagt er begeistert, „als ob sie warten würden, wann du endlich abdrückst“…,

Joachim will heute mit Frau und Tochter weiter nach Norden. Gestern haben sie sich mittags hier im  Haus, das etwa 7 Zimmer hat ein Nachtquartier reserviert und sind dann zu den Vögeln  gefahren. Dass wir uns gestern nicht getroffen haben lag wohl daran, dass sie lange bei den Vögeln geblieben sind. 

„Der Weg wird noch schlimmer werden, die ganzen 23 km lang geht es immer hoch und runter“, erfahre ich noch von ihm…

Das trockene Zelt verpackt, mache ich mich mit vollem Gepäck auf zu den Vögeln.

img_3025 img_3026 img_3027 img_3028 img_3030Mitten am ersten, größten Anstieg fällt mir ein, dass ich ja das Gepäck auch hätte zurücklassen können, da ich zwischendurch beschloss, heute wieder an selbige Stelle zurückzukehren.

Nach bewältigten 300 Höhenmetern auf Schotterschlaglöchern mit mindestens 10% Steigung macht man das aber nicht!… img_3032Die Sonne hebt die Wolken schon soweit, dass ich nur am Ende des ersten Anstiegs in den Wolkennebel „getunkt“ werde.img_3035 img_3036 img_3037 Kaum Pflanzenbewuchs auf der Hochebene.img_3040 img_3042 Es geht hinab, um bald wieder fast auf Wolkenhöhe zu steigen.

img_3043Blick von oben auf Breiðavik abseits der Strecke, 13 km östlich des Látrabjarg.img_3044img_3046

Látrabjarg???

Denkste!

Ich wähnte mich hier fast am Ziel, hatte aber noch einige Kilometer vor mir mit einer sehr steilen Serpentinenabfahrt von etwa 300-400 Höhenmetern (unten) 

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img_3054mit anschließendem Anstieg auf vielleicht 200-300 m über dem Meeresspiegel… 

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Etwa zwei Kilometer vor dem Anstieg zum Látrabjarg, direkt an der Küste liegt Hvallátur, der laut Eigenbezeichnung der Einwohner „westlichste bewohnte Ort Islands“. Einige Männer sitzen auf der Südterrasse  ihres Hauses, genießen die Sonne und grüßen mich freundlich und überrascht. Manchmal grüße auch ich als Erster.

Sehr unfreundlich begrüßt und begleitet werde ich am Ortsende von Küstenseeschwalben, die sich wild kreischend auf mich zu stürzen versuchen – bin so etwas schon gewohnt – der Spuk ist nach 100 m vorbei…  

Kurz vor dem Aufstieg sehe ich den auf meiner wasserfesten Landkarte verzeichneten „Campingplatz“: Er besteht lediglich aus einer kleinen Baracke mit zwei Toiletten und Mini- Waschmöglichkeit (Hinweis: kein Trinkwasser!) sowie einer größeren flachen Ebene um das Häuschen herum   auf der man sein Zelt aufschlagen könnte. Heute mag das niemand tun. Ich auch nicht! 
img_3058Scharfe Haarnadelkurve auf der Abfahrt zu Hvallátur 

img_3060Angekommen!

Durch Joachims Vorwarnung war meine Hoffnung zwar weg, nach dem Anfangsaufstieg auf einem beständigen Hochplateau bis zum Látrabjarg gelangen zu können, andererseits wusste ich, was mich erwartet und war nach dreieinhalb Stunden tatsächlich da, kurbelte mich zwischen den parkenden Autos (darunter im „fliegenden Wechsel“ zunächst einer, dann vier bis zehn 2CV-Enten) vorbei, die mich vorher gehörig mit rötlichem Staub einpuderten bis zur kurzen Aufgangstreppe hinauf und parkte etwa 30 Höhenmeter über dem Parkplatz und 50 Höhenmeter vor den ersten vermuteten Vögeln meinen Stori-Karl.

Pause!

Helinox-Sessel in wenigen Sekunden aufgebaut, 

Tee eingeschenkt,

Klick- gegen Laufschuhe ausgetauscht,

etwa 50 g Marzipan und eine halbe Schokolade als Stärkung eingenommen.

Immer wieder Gespräche mit Vorbeikommenden (Isländern, Deutschen, Franzosen, Niederländern, US-Amerikanern, Schweizern) die fassungslos das bepackte Rad anblicken und sich nach meinem Reiseverlauf erkundigen.img_3061

img_3062„Fliegender Staubwechsel“: Ein Fahrzeug kommt, das andere eilt schon zurück. Manche Fahrzeuge überholten mich auf der heutigen Fahrt und kamen mir nach kaum zwei Stunden wieder entgegen: „Mann, haben es doch manche auch auf Island eilig!“, denke ich des Öfteren. Allerdings respektieren fast alle den Radler auf den Steigungen und während der flachen Abschnitte, betätigen die Lichthupe oder Hupe, bleiben – nicht nur heute – an kritischen Stellen mitunter sogar stehen, heben beide Daumen oder applaudieren einfach. Schön!

Weniger begeistert beteiligen sich daran die (meistens männlichen) Lenker mir entgegenkommender PS-strotzender „Allradfahrzeuge auf Abenteuer-Expeditionskurs“, während mir deren (meistens weibliche) Beifahrerinnen fast immer ein sehr freundliches Lächeln schenken, das ich gern erwidere…

Mein Reiselogo auf dem Jackenrücken mit Islandkarte und „SPRICHST DU ISLÄNDISCH“ in Landessprache tut auch auf der ganzen Insel seinen Dienst: Von hinten kommende Autofahrer warten mitunter geduldig vor unübersichtlichen Kurven mit Anstiegen, freuen sich, wenn ich sie mit einer ruhigen Handbewegung vorbeiwinke und bedanken sich auch mal mit einem kurzen Hupsignal dafür.

SONDERFALL (wird auf der Rückfahrt vom Látrabjarg Realität): Gar keinen Respekt scheinen adrenalingesteuerte, darth-vader-helm-bewehrte Fahrer gemieteter Quads mit Überrollbügel vor Radlern zu haben, vor allem, wenn sie im Pulk auftreten:

Sie brettern die Kurven mit Power-Slide und aufheulendem Motor im „PASS-AUF-SONST-MACH-ICH-DICH-PLATT-MODUS hoch, dass der Schotter nur so fliegt…, die Staubwolke benötigt eine halbe Minute, um sich zu verziehen…

Da schießen selbst mir anarchistische Gedanken durch den Kopf: Wie gern würde ich doch den Burschen durch eine kleine Manipulation das Fahrzeug außer Betrieb setzen…

Aber auch für den Motorausfall ist vorgesorgt: Nach einiger Zeit rollt mir ein PS-Monster mit Riesenanhänger, einem aufgeladenen Quad und Platz für mehrere weitere entgegen. Der Chaffeur schenkt mir ein sehr freundliches Lächeln. Na also!…     
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Die Vögel übrigens, auch Alke, besonders die Papageitaucher und selbst die Lummen aber auch Möwen, welche etwas tiefer oder weiter entfernt ihre Nester haben, sind wirklich wenig scheu und fliegen nicht gleich weg, selbst wenn man sich ihnen ganz ruhig und bei Gelegenheit mit der Kamera  bis auf 50 cm nähert. Eine einmalige Gelegenheit, für auch ältere, nicht sehr sportliche, motorisierte Menschen, am Látrabjarg (gesprochen Lautrabjarg) zu besonderen Bildern/Erlebnissen zu kommen. 

Ach ja, Gefahren lauern den Vögeln doch auf: ich sah Kolkraben mit Beute im Schnabel inmitten verschreckter Vögel wegfliegen. Sicherlich holen sich auch Möwen oder Raubmöwen und andere Gelegenheitsräuber ihren Anteil bei diesem so prächtig gedeckten Tisch. 

Unbeschreiblich!!!

Wem die obigen Bilder als Eindruck eines der größten Vogelfelsen der Welt genügen, der mag das kommende „übersehen“, weiter unten die abschließenden Sätze zum heutigen Tage lesen und auf die letzten Berichte zu meiner Island-Radtour warten.

Wer aber eintauchen möchte in eine Fülle von Farben und Eindrücken der Vogelwelt einer Weltgegend, die er wahrscheinlich nie selber besuchen wird und welche unbeschreiblich ist, der wird seine Freude haben an der nun folgenden Bilderflut, auch wenn sie doch nur sehr dürftig die wahre Begegnung mit den Vögeln widerspiegeln kann:

img_3077 img_3078 img_3081 img_3083 img_3086 img_3087 img_3088 img_3092 img_3095 img_3096 img_3097 img_3099 img_3100 img_3101 img_3103 img_3107 img_3114 img_3117 img_3138 img_3139 img_3141 img_3143 img_3144 img_3146 img_3149 img_3150 img_3152 img_3154 img_3156 img_3157 img_3159 img_3160 img_3163 img_3168 img_3169 img_3170 img_3178 img_3181 img_3182 img_3185 img_3207 img_3189 img_3197 img_3211 img_3213 img_3214 img_3217 img_3218 img_3222 img_3224 img_3226 img_3227 img_3228 img_3232 img_3234 img_3235 img_3236 img_3238 img_3241Der westlichste Punkt Europas, nur etwa 200 m von Stóri-karl. meinem Fahrrad entfernt.img_3242 img_3243Vor der Rückfahrt nach Hnjótur.img_3244Bei den Vogeln war es tatsächlich unbeschreiblich schön, ich kletterte den 14 km langen Berg etwa 3 km weit aufwärts (einige (Autotouristen) gingen noch weiter) und machte mich nach etwa 3 Stunden am Látrabjarg per Rad auf die Rückfahrt, schon wohl wissend, dass sie außer dem mehrere hundert Meter hohen Extremanstieg nach etwa 3 km, leichter zu bewältigen sein wird als die 23 km Hinfahrt. img_3245 img_3247 Da war doch was????? Ja, die fünf Quads sind schon weg, die Staubwolke und das Röhren der Motoren sind aber noch länger zu sehen und zu hören…

ZUR ERINNERUNG: WAR WEITER OBEN SCHON ZU LESEN: (SONDERFALL (wird auf der Rückfahrt vom Látrabjarg Realität): Gar keinen Respekt scheinen adrenalingesteuerte, darth-vader-helm-bewehrte Fahrer gemieteter Quads mit Überrollbügel vor Radlern zu haben, vor allem, wenn sie im Pulk auftreten: Sie brettern die Kurven mit Power-Slide und aufheulendem Motor im „PASS-AUF-SONST-MACH-ICH-DICH-PLATT-MODUS hoch, dass der Schotter nur so fliegt…, die Staubwolke benötigt eine halbe Minute, um sich zu verziehen…

img_3248 img_3254 Fast zurück in Hnjótur. Die Wolken sind nahezu verschwunden, kein Nebel, Abfahrt statt steiler Auffahrt wie zu Beginn der Etappe: Das hat was…

Vorsicht! Der mit  Schotter, Schlaglöchern, aufragenden Steinen „gewürzte“ Weg erlaubt Fernradlern aus Selbsterhaltungstrieb nur „Schussfahrten“ in gemäßigtem Tempo. So „fliegen“ auch einige 2CV-Enten mit gemütlichen „Töff-Töff-Töff“-Geräuschen des bergab bremsenden Motors an mir vorbei. Die letzten zwei „schwammen“ per Schiff aus der Schweiz herbei…  img_3257 img_3258 img_3260 img_3261 img_3262Die Ansammlung von ausrangierten Fischerbooten und Flugzeugen „mit Hangar“ in Hnjótur fiel mir schon gestern auf, als ich ganz zufällig „meinen“ Zeltplatz, den ich gerade wieder fast erreicht habe, entdeckte. Es ist ein Museum, das ich dieses Mal nicht mehr, das nächste Mal aber ganz sicher besuchen werde.

Hier zur Zwischeninformation ein paar Sätze aus meinem mitgeschleppten „DUMONT-Island-Reise-Taschenbuch“ (danke sehr Kahina!): „In Hnjótur gibt es ein bemerkenswertes Museum zu sehen. Egill Ólafsson sammelte Alltagsgegenstände der Region, vor allem alles zum Fischfang, und auch einige Flugzeuge (Juni-Sept. tgl. 10-18 Uhr, www.hnjotur.is). Etwas oberhalb steht ein Mahnmal für die britischen Seeleute, die in den gefährlichen Strömungen vor den Steilküsten untergegangen sind.“ img_3263Die „Schweizer Enten“ interessieren sich durchaus für Egill Ólafssons  Museum, sodass ich die dort ausgestiegenen Besitzer nach dem Baujahr der Vögel frage. „Nicht zu beantworten!“, sagen mir die Piloten, „es sind Teile verschiedener Modelle aus mindestens zwei Jahrzehnten zum Ganzen zusammengefügt worden“…  img_3264Wozu noch ein PS-Monster, wenn eine „Töff-Töff-Ente“ auch überall hinfliegt – weltweit:

„Unser“ erstes Fahrzeug war 1973 ein 2CV mit 16 PS. Ich kaufte die Ente fast schrottreif für 200 DM(!), ein Freund brachte sie mittels Schrauber- und Schweißtechnik durch den TÜV.

Nur 5l Benzinverbrauch je 100 km waren für das Cabrio schon damals kein Problem…, eher aber die 80 km/h, die der Vogel als Höchstgeschwindigkeit erreichte, weil das Gehupe der LKW-Fahrer bei Autobahnanstiegen nervig war…

Winfried, der frisch pensionierte Triathlet, dem ich vor Wochen in Egillsstadir begegnete und der mich an meine Zeit als aktiver Skateboardwettkämpfer erinnerte erzählte mir, auf seiner Fähre von Hirtshals nach Seyðisfjörður seien auch acht 2CV-Enten dabei gewesen. So wunderte es mich auch nicht, dass mir diese Enten bei meiner Tour durch Island immer wieder begegneten. Bis es zu viele wurden. Viel zu viele. Hunderte aus bestimmt zwanzig verschiedenen Nationen. Auch aus Irland, sogar aus Russland!!!

2CV-Enten sind wahre Zugvögel mit buntestem „Blechgefieder“ und interessantesten Ausformungen: Die wahren „Papageitaucher“ unter den „Geländefahrzeugen“.  Deren Besitzer veranstalten regelmäßig UND WELTWEIT(!) Treffen und Fernfahrten mit bis zu mehreren TAUSEND Fahrzeugen. Und 2016, vom 3.-30. Juli auch wieder durch Island (Das recherchierte ich erst nach meiner Rückkehr). Da kriegen die „armen“ PS-Monster-Fahrer auf einem Parkplatz am Látrabjarg neben einem solchen Exoten, der mit weniger Leistung dennoch angekommen ist, leider „keine Schnitte der Bewunderung“ ab…

„Die 2CV-Ente ist kein Fahrzeugtyp, es ist ein Lebensgefühl“, las ich irgendwo.

Stimmt, und wir gehörten 1973 über drei Monate dazu, konnten daran nippen. Unsere Ente wurde für 750 DM verkauft, als mir mein Vater ein  „Bochumer“ Fahrzeug, seinen alten Opel-Kadett Baujahr 1965 (PS-Monster mit 45 Pferdestärken) schenkte:  Jeder Popel fährt ´nen OPEL… Ich auch, seit weit, weit mehr als einer Million Kilometern…
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Tatsächlich, bereits nach zweieinhalb Stunden bin ich wieder an „meinem“ Campingplatz mit Koch-, Dusch- und Lademöglichkeit für IPhone etc., Das Letzte diesmal sehr hilfreich, da bei den Klettertouren und vorsichtigen Abfahrten das Laden per Raddynamo nicht sehr effektiv war, mein „Apfel-Taschen-Telefon“ (danke für den Begriff, lieber Stefan!) aber viel Energie benötigte, um Bilder und Kurzvideos meiner gefiederten „Top-Modells“ aufzunehmen…

Ich baue das Zelt auf, überreiche draußen der gerade Wäsche aufhängenden Wirtin die 1500 Kronen Miete, koche diesmal zwei Dosen mexikanische Hotchillibohnen mit Massen von Röstzwiebeln und verquatsche mich mit einem jungen amerikanischen Pärchen aus Minnesota, das per Mietauto/Zelt begeistert unterwegs ist. Beide sind Mathematiklehrer.

Natürlich genießen Sie Island, machen sich aber große Sorgen um die Entwicklung in ihrer Heimat mit Rassenunruhen, Polizistenmorden und einer schwierigen „allgemeinpolitischen“ Situation.

Zwischendurch erfahre ich, dass das Haus in dem ansonsten absolut funkstillen Ort über eine recht gute, kostenfreie WLAN-Verbindung zur Außenwelt verfügt(!!!) und nutze die Möglichkeit etwas zum Bilderverschicken.

Zwischendurch erscheint auch ein weiteres junges Pärchen aus Polen im Haus. Sie Jazz-Sängerin und seit 3 Jahren jeweils für 3 Monate im Sommer auf Island freiberuflich erfolgreich im Einsatz, zeigt ihm, erstmalig in Island zwei Wochen lang die Besonderheiten der Insel.

Isländisch können beide nicht, aber Englisch. Wir einigen uns zu deren Freude auf Polnisch und tauschen bestimmt eine halbe Stunde lang unsere Gedanken aus. Russisch können sie nicht. Das ist in Polen inzwischen passé.

Direkt nach meiner Rückkehr von den Vögeln mache ich noch eine Großwäsche, um meine rötlich leuchtenden Sachen zu entstauben, in der Hoffnung, dass sie vom Nachtwind getrocknet werden. 

Pustekuchen!, die ganze Nacht herrscht Windstille…

 
 
 
 
 

Samstag, 16. Juli: Stykkishólmur – Brjánslækur – Kleinfaheiði – Hnjótur/70km

Islandkarte 21-22

Auch wenn es gestern 175 km mit vielen Höhenmetern wurden: Durch den sich im Laufe der Strecke günstig drehenden Starkwind, der mich fast beständig anschob – und auch als Seitenwind über vielleicht 30 km nicht besonders störte – zähle ich diesen Tagesabschnitt zu den eher leichten Etappen meiner Island-Rundtour.                                                                                                        Hätte der Wind hingegen (hypothetisch angenommen) bei gleicher Intensität   immer in entgegengesetzter Richtung geblasen, so wäre ich „aus langjähriger Erfahrung“ auch im Ziel angekommen, ich hätte aber sicherlich die ganze „Nacht“ durchradeln müssen, um pünktlich zur Morgenfähre Stykkishólmur-Brjánslækur zu gelangen…                                                                                                                                 Island ist unberechenbar…, ich muss bald wiederkommen…  

Ich wache bereits gegen 4.00 Uhr auf, beschließe aber „auszuschlafen“.                                   Der ganze vollgestopfte Campingplatz schläft noch, als ich gegen 6.00 Uhr meine kleine Runde mache. Ein dackelgroßer „Wachhund“ bellt mich aus seinem Versteck unterhalb eines Wohnwagens an…

IMG_2953 IMG_2955 IMG_2957 IMG_2958Es will wieder ein sonniger Tag werden.

Schön!                                                                                                                                             Ich schreibe Tagebuch und lese etwas über „meine“ Papageitaucher, freue mich auf die Überfahrt. Heute sind wohl nur gut 90 Kilometer auf der anderen Seite des Breiðafjörður zu bewältigen. Und ich habe Zeit.

Gar nicht so einfach, sich daran zu gewöhnen, dass keine sehr langen Strecken mehr zu bewältigen sind an den mir noch verbliebenen Reisetagen.

Gegen 8 Uhr erreiche ich den Hafen. Am Schalter Gedränge. Viele Deutsche. Ich werde vorgelassen. Alles geht zügig voran.                                                                                           Mein Rad verschwindet nicht wie erwartet im (kleinen) Schiffsbauch von „BALDUR“. Es wird in einer Box gesichert und per Kran auf das Oberdeck gehievt. Der für die korrekte Beladung zuständige „Schiffsoffizier“ gibt seine Anweisungen, alles passt! 

An Deck lerne ich Joachim, Maschinenbauingenieur, Cécilia,  Bibliothekarin und deren Tochter Tamara kennen, die vor dem Studium noch einmal mit den Eltern verreist. De große Bruder ist nicht mit. wir führen ein nettes dreistündiges Gespräch, das sich zum großen Teil auch mit dem deutschen Schulsystem und seinen Nöten befasst.

Angekommen. Wunderbares Wetter. Zur Sicherheit fotografiere ich im roten Ticketpavillon in Sichtweite von „Baldur“ den Fahrplan, um meine Rückpassage besser planen zu können.  

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IMG_2961IMG_2962IMG_2965Ein schöner, welliger,kurvenreicher Kurs gibt beständig phantastischen Ausblicke auf den ruhigen Fjord frei mit seinen bei Ebbe „schlummernden“ Ufern.

Jeder „Guck“ ein Postkartenmotiv, egal ob man das Meer zur linken, oder die zerklüfteten Felsenformationen zur rechten Seite anvisiert. Kleine Weidestreifen mit Kühen, Schafen oder Pferden als „Puffer“ zwischen Straße und Berg, ein Bauernhof mit um ihn gruppierten Wirtschaftsgebäuden im Hintergrund an den Berg „geklebt“ akzentuieren alles zusätzlich.

Vor Begeisterung komme ich kaum voran, bleibe immer wieder stehen und bedauere die Autofahrer, die nicht überall anhalten können.

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Selbst die „natürliche Entsorgung“ von Wirtschafts- und anderen Fahrzeugen, von Erntemaschinen, von rostfreien Milchzisternen oder -zentrifugen, von Straßenbaumaschinen, Hochseeschiffen(!) oder von Doppeldeckerbussen (ehemals als fahrende Kolonialwarenläden gebraucht) oder von rostenden, lange nicht mehr genutzten Blechdach-Lagerhallen, Viehställen, „langsam zerfallenden Steingebäuden“ – während der moderne Neubau der Nachfolgegeneration mitunter daneben steht – erfreut sich in Island großer Beliebtheit und „allgemeiner Verfahrenspraxis“ und hat nach Jahrzehntelanger „Open-Air-Lagerung/Reifung“ bei Wind, Vulkan und Wetter“ sogar etwas charmantes an sich (etwas „charmierendes“, würden unsere dänischen Freunde sagen)…

Gerade wenn man als Radler in den menschenleeren Ostgebieten Islands unterwegs war, freut man sich kurioser Weise mitunter über solch seltene „Spuren menschlicher Zivilisation“. Auch wenn sich die ursprünglichen Nutzer längst durch Versterben der ökologischen Verantwortung bezüglich solcher Vorgehensweisen entzogen haben dürften…

IMG_2987Nach knapp 30 km ein kleiner Laden mit Handarbeiten, Kunstgegenständen und wenigen Lebensmitteln, wie Eiern und Räucherfisch. Er ist für wenige Stunden täglich geöffnet. Ein nettes Gespräch mit der Verkäuferin.

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IMG_2981Das Meer ist „ausgezogen“…

Nur ein paar Kilometer und einige oben beschriebene „Spuren menschlicher Zivilisation“ weiter nähert sich der Sandstrand bis auf etwa 100 m an die Straße heran. Eine kleine Kuhherde auf der anderen Straßenseite glotzt den Radler interessiert an. PKW können hier schlecht stehen bleiben. Der Milchbauernhof ist noch etwa einen Kilometer weit entfernt, eine Möglichkeit, motorisierten Touristen ein Meeres-Kneipbad zu ermöglichen etwa zwei Kilometer weit, ein riesiger mich erwartender Aufstieg etwas dahinter ist schon zu erahnen. Die Karte bestätigt, dass mich gleich eine Hochebene, die Kleinfaheiði in die Quere kommen wird. Da muss ich gleich hinauf.

Gleich?

Denkste!

IMG_2991„Fahrradparkplatz“ unweit einer durch die Ebbe freigelegten Sandbank…,
IMG_2994einhundert Meter seitlich der Straße…

Weißer Sandstrand auf Island, Badewetter.

Das Wellenbaden lasse ich mir bei dieser Gelegenheit doch nicht entgehen, auch wenn das Wasser bestimmt keine 10° C, vielleicht aber doch schon „warme“ 5°C erreicht haben dürfte.

HEEEERRRLICH!!! Kurz, erfrischend, herrlich!

Also: 2 Stunden Meeresurlaub mit ausgiebigem Spätfrühstück (das Schiffsbuffet war wegen defekten Rollos an der Theke nur sehr kurz geöffnet, ich kam nicht zum Zuge), ein kilometerlanger freier „Badestrand“ und anschließend: „Sonnen, Dösen und Entspannen im Klappsessel“, meiner neuen sehr lohnenswerten Luxusergänzung des Equipments nicht nur an diesem wärmsten Tag meiner Reise.

Paradiesisch! Papageitaucher&Co müssen sich noch etwas gedulden…

IMG_2995Die „Privatsandbank“ verabschiedet sich…IMG_2996

Der „Badeurlaub“ endet, als die Flut sich dem Ufer nähert.

Weiter! Nach wenigen Kilometern beginnt der Anstieg – beständig 8% Steigung – und dauert eine Stunde und 5 Minuten. Geschätzt mehr als 4000 Kurbelumdrehungen im ersten Gang.  

Gut dass ich mich unten so gut ausgeruht und versorgt habe!

Oben, auf dem höchsten Punkt der Kleinfaheiði bin ich trotz Kälte tropfnass.

Die Abfahrt kalt.

Gegenwind erwacht.

Unten angekommen ziehe ich mein nasses Shirt aus und den Alpakapulli an – eine Wohltat. Noch über 40 km liegen vor mir, als der Asphaltweg(Malbikleden) endet. Eine furchtbare Schotterstrecke mit Waschbrettrelief, Schlaglöchern, stärksten Anstiegen, unendlich viel Staub der vorbeizischenden Fahrzeuge und mit starkem Gegenwind folgt. Ich habe Angst um mein Rad.

Auf was habe ich mich da bloß eingelassen?!

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Zwischendurch ein Flugplatz mit herrlich asphaltierter Landebahn. Wie gern würde ich jetzt dort entlang fahren…

Erfahrung hilft, einfach weiterzufahren, Kraftreserven sind allemal vorhanden. Stóri-karl hat schon schlimmere Herausforderungen gemeistert.

Ich male mir meine Ankunft heute Abend am Campingplatz direkt bei den Papageitauchern am westlichsten Punkt Europas aus. Die Kilometer schmelzen weg trotz der mitunter notwendigen Gehergeschwindigkeit angesichts der Schlaglöcher. Ich wechsle ständig die Straßenseite in der falschen Hoffnung, dort auf besseren Schotterbelag zu treffen. Küstenseeschwalben fühlen sich vom Radler gestört und greifen mitunter an – kein Problem, heute nur Scheinangriffe…

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Ich sehe vor der langsamen Abfahrt den weiteren, mehrere hundert Meter hohen Anstieg auf der Schotterpiste vor mir: „Ach du Schande, das dauert dann wohl doch noch länger“, spukt  mir durch den Kopf und ich bereite mich mental auf die weitere Kletterpartie vor.

IMG_3005IMG_3007Plötzlich, ganz unvermittelt, wandelt sich die Schotterpiste in eine Asphaltstrecke um, ein ausgemustertes amerikanisches Flugzeug und zwei ausgemusterte Schiffswracks sind am Ende der Bucht wenige hundert Meter vor mir vor einem großen „Hangar“(?) auszumachen.IMG_3014
IMG_3015Das Schönste aber
: Beim Universum nicht bestellt aber sehr erwünscht, taucht ein provisorischer Camping mit Übernachtungszimmern, Toiletten, Dusche und einer großen vollausgestatteten Küche auf. Unglaublich, ich träume nicht…

Heute nur 70 km. Na und? Ich habe Zeit…

IMG_3018IMG_3019Die Hausherrin zeigt mir alles. Die Platzgebühr (freie Platzwahl auf dem weitläufigen, frischabgeernteten  Weidegelände um das Anwesen herum), Dusche und Küchenbenutzung inbegriffen kostet mich nur 1500 Kronen, also etwa 11 € , ein Schnäppchen in Island!

Schnell ist das Zelt aufgebaut, ich bin geduscht und koche mir eine Riesenportion Spaghetti. Da ich das Tomatenmark unten im Zelt vergaß, komponiere ich eine feine Senfsoße mit viel Sahne, Röstzwiebeln, Dill, Butter, Gewürzen: Schmeckt ganz anders als gedacht. Aber hervorragend!

Nette lange Gespräche in der Küche mit Finnen aus Helsinki, sie Schwedischlehrerin, er Elektroingenieur, mit Dänen aus Himmelbjerg, einem Isländer aus Akureyri und einer Faröerin, die aus Island stammt. Wir lachen uns krumm über das Sprachengewirr, das sich an diesem Abend der Internationalen Küche bemächtigt…

Um 23.15 falle ich ins Bett, muss aber vorher noch viel trinken, um meine fette Mahlzeit zu „neutralisieren“…

img_3022Abendstimmung in Hnjóturimg_3023

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Freitag, 15. Juli: Holtavörðurheiði – Borgarnes – Stykkishólmur(Ist der Koch Isländer?)/ 175 km

Islandkarte 20-21

Ich wache schon um 3.30 Uhr auf. Sonnenstrahlung wärmt von links(?) meinen Ellenbogen auf. Kein Regen mehr?                                                                                                                        Kein Nebel?                                                                                                                                Kaum dass ich das Zelt verlasse, bin ich augenblicklich wach:                                                Durch ein Wolkenloch im Nord-Nordosten, tief am Horizont, scheint die Sonne hindurch und tunkt die Landschaft ringsum in wunderschöne Farben. IMG_2786

Es ist Windstill. Die dicken, fetten Moospolster der Landschaft und des mich von der Ringstraße abschirmenden Felsens schlafen noch. Die paradiesische Stille wird nur gelegentlich akzentuiert durch kurze „Sonnengesangs“-Sequenzen miteinander kommunizierender aber kilometerweit verstreuter Singschwänepaare in ihren von meiner „Hochwarte“ aus wie Pfützen anmutenden kleinen Seen um mich herum.  Ich mache viele faszinierende Fotos und…, 

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…beginne zu packen, wobei die meisten Stücke schon reisefertig verpackt im Außenzelt „übernachteten“.                                                                                                                     Leichter, leiser Wind kommt auf. In Fahrtrichtung.                                                                   Trotz des nur kurzen Schlafes fühle ich mich ausgeruht und richtig gestärkt von der Abendmahlzeit,                                                                                                                            freue mich auf die bevorstehende, viele Kilometer lange Abfahrt … 
IMG_2805Die nur einen guten Steinwurf weit entfernte Ringstraße ist im Stehen gut auszumachen.IMG_2802 IMG_2815Das Gepäck ist schon oben, Zelt und Rad folgen…
IMG_2821Von dort bin ich gestern hergeradelt… IMG_2823…  und nach dort, zunächst in Richtung Borgarnes rollt es gleich weiter (auf den kommenden 40 Kilometern wird mir nur ein Fahrzeug mit einem eiligem Chaufeur und schlafendem Beifahrer drinnen entgegen kommen, aber viele verdutzte Schafe glotzend am Rand oder auf der Ringstraße stehen  – meistens Mutterschafe mit zwei Lämmern -, die ihren Weg auf die Fahrbahn gefunden haben und von meiner Messingklingel vorsichtshalber kurz, dezent und immer wirkungsvoll aus etwa 100 m Entfernung „weggeklingelt“ werden).

Kurz nach fünf starte ich und blicke von der Straße aus sehr dankbar auf die bemooste Steinformation hinunter, hinter der verborgen – gerade 89 Schritte entfernt (ich habe es gezählt) – noch vor einer Viertelstunde das Zelt stand.                                                               Nur 300 m und der höchste Punkt der Strecke ist erreicht. Ich komme bergab gerade gut in Schwung, passiere die Gemeindegrenze von Borgarnes. Nanu…, da klingelt der Wecker!… 

Nach kurzem Stop geht es im „Sausetritt“ 20 km bergab über eine wunderschöne Landschaft. Der Fluss begleitet mich, wechselt mehrfach die Straßenseite. Etwa einen Kilometer vor mir fliegt ein Schwan von seinem Gewässer hoch, kommt auf Erkundungsflug auf mich zu und beginnt wenige Meter über meinem Kopf einen wunderlangen Gesang. Traumhaft, sonst hörte ich schon oft auf meiner Fahrt oder im Zelt die Singschwäne durch  kurze Beiträge ihrem Namen alle Ehre zu machen: dieser Vogel scheint mir ein Morgenkonzert geben zu wollen…

Im Flug kann ich die nordischen Schwäne von „unseren“ nicht unterscheiden, beim nahen Vorbeiflug aber wirken der hellgelbe Schnabel und der schlanke Kopf viel windschnittiger – sie sind es wohl auch – als die Köpfe ihrer südlicheren Kumpane…

Nach weiteren 10-15 km bleibe ich vor einem ganz frisch gebildeten Vulkan, mit einer bequem mittels Holzstiegen aufbereiteten Aussichtsaufstiegsmöglichkeit zum Kraterrand kurz vor Bifröst stehen an einem Parkplatz mit eingefriedetem Rasenstück. Der gehört zu einem Vulkansystem von mehreren Kratern, frisch ausgebrochen vor gerade einmal 1000 Jahren… Mehrere Autos mit Insassen „übernachten“ auf dem Parkplatz mit Informationstafeln.                   Wunderbar für mich: Frühstück und Zelttrocknung im windigen Sonnenlicht…

Der Wind meint es gut mit mir, baut sich in Richtung Borgarnes für mich auf und schiebt mich kräftig.  

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IMG_2844 IMG_2862 IMG_2846 IMG_2860 IMG_2862 IMG_2863Die Vulkanlandschaft vermittelt den Eindruck als ob der Ausbruch erst gestern stattgefunden hätte…IMG_2865 IMG_2866 IMG_2868 IMG_2870 IMG_2871Bilder oben: „Fern-Universitätsort“ Bifröst…IMG_2883

Vom Fjord kommt leichter Regen auf, der aber bald aufhört. Die letzten Kilometer vor der Stadt verstärkt sich der starke Wind noch und dreht um 90° in Richtung meiner nächsten Station, die ich dann heute vielleicht doch noch erreichen kann: Stykkishólmmur. Von dort aus kann mich die kleine Fähre zu den  Papageitauchern bringen…

Am Kreisel wenige Kilometer vor Borgarnes stocke ich kurz: 97 km bis zur Fahre, sagt mir das Schild. Na dann wollen wir ja hoffen  – mein Rad und ich –, dass das Gelände nicht zu schwer ist.

Noch ein Kreisel, die Ringstraße Nr.1 biegt nach links in Richtung der für mich nur noch knapp eine Tagestour entfernten Hauptstadt ab. Ich muss geradeaus. Für den Proviant reicht das Geld noch, ich muss aber auch zur Bank.

Der Wind verstärkt sich inzwischen so sehr, dass er beim Proviantverstauen, von mir unbemerkt, die stehende halbvolle 2l-Mineralwasserflasche wegkickt. Einer der Autofahrer, die sich fürs Wochenende mit Bier versorgten und ihre Gepäckräume „befüllen“, bringt sie mir: Gelegenheit zum Gespräch.                                                                                     Fremdbestimmtes Thema: Natürlich meine Radtour, „Island rund mit Umwegen in 19 Tagen!!!

Am Bankautomaten 40.000 Kronen/300€ abgehoben, die Gebühr beträgt dafür nur etwa 1,50€.
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Zurück zum Kreisel nach Stykkishólmmur. Viele Autos, Großstadtgetriebe. Der Seitenwind wirft mich fast um.

Nach dem Einbiegen herrliche Windfahrt.

Nach 30 km staubige Essenspause am Straßenrand. Weiter.

IMG_2888 IMG_2893Nanu, eine Fata Morgana? Sehe ich da einen Pferdekopf?IMG_2894Nein, es ist nur eine feuchte Stelle in der Böschung…, wahrscheinlich ist mein Wahrnehmungsvermögen etwas getrübt durch die gestrige Reiterfahrung… War das erst gestern mit dem Reiten???                                                                                                          Auch die Wahrnehmung der Zeit scheint gestört zu sein…IMG_2899 IMG_2905 IMG_2906

 Aus dem Reisetagebuch:                                                                                                                In Wegamót  am Tankstellenrestaurant Essenspause. Viele deutsche, mein Rad wird bewundert, ich bleibe drinnen.                                                                                                                        Sehr nette Bedienung: Magndis, die mich zum leckeren vegetarischen Burger mit Salat überredet. Freudiges, ungläubiges Staunen über mein Isländisch. Eine große Karaffe Wasser zum Burger. Der selbst schmeckt herrlich, wohl der beste fleischlose  Hamburger, den ich seit einem unserer Adventsbasare vor vielen Jahren vom inzwischen verstorbenen ehemaligen Chefkoch des Herdecker Gemeinschaftskrankenhauses BÖHM serviert bekam, der seinen Sohn Jan in meinem ersten Klassenlehrerdurchgang schickte (viele liebe Grüße auch an die Mama, lieber Jan, falls Du dies lesen solltest…).

Der Salat mit vielen Zwiebeln und köstlich gewürzt: „Ist der Koch Isländer?“, frage ich ungläubig Magndis. „Nein, Spanier“, antwortet sie lachend!

Ich bitte den Koch zum offiziellen Abschiedsfoto, der kommt hocherfreut mit seinem Helfer aus der Küche heraus, Magndis gesellt sich dazu, ein freundlicher Isländer übernimmt auf meine Bitte hin den Fotografendienst.

Ich entschuldige mich, dass ich noch kein Spanisch kann und es erst im übernächsten Jahr, nach Italienisch 2017 angehen will.

Die allgemeine Freude ist groß, ich verspreche, bei meiner Rückreise nochmals „auf einen Hamburger“ vorbeizuschauen…

 

IMG_2912 IMG_2916 IMG_2918 IMG_2920Die frische Asphaltdecke ist oft grob, scharf (wie ich am Abrieb meiner Reifen deutlich feststelle) und am Rande oft noch völlig unbefestigt: Gefährliche Sturzfalle für unaufmerksame Radler…IMG_2921Aus dem Reisetagebuch:

Weiter. Ein mehrere hundert Meter hoher Anstieg auf den letzten 40 km.

Mitte des Berges holt mich ein isländischer Radrennfahrer (Sigurd?42) ein. Er wohnt in Reykjavik, verbringt das Wochenende hier und dreht eine 160km Nachmittagsrunde. Sportlich!!!

„Mein Freund sei auf einer Weltreise“, sagt er, „von Dänemark aus nach Asien, Vietnam, Kambodscha  und zurück, zur Zeit in Frankreich auf dem Weg nach Schottland“.                                              „Nach Schottland wollte ich eigentlich diesen Sommer hin“, erzähle ich ihm, „beschloss aber, lieber dieses Jahr nach den skandinavischen Sprachen Isländisch zu lernen und die Insel per Rad zu umrunden“.

„Jau, jau,(so klingt „ja“ auf Isländisch), ich höre deinen skandinavischen Akzent“, entgegnet er mir, was ich als ein übergroßes Kompliment empfinde.

„Kommt noch ein großer Anstieg bei der Weiterfahrt?“, frage ich, als wir plötzlich oben sind. 

„Nein, das war schon alles, jetzt geht es nur noch herunter“ entgegnet er mir lachend.                   Wir bedanken uns gegenseitig fürs Gespräch, wünschen einander „god ferð“ und weg ist er!

 

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Aus dem Reisetagebuch:                                                                                                           Gegen 20.15 Uhr komme ich auf dem übervollen, großen Campingplatz in Stykkishólmmur an. Internet frei, aber sehr schwach. Bilder können nicht verschickt werden. Kurzes Gespräch mit einem isländischen Baby, das zufällig seinen Ball auf mein Zelt warf und danach ein Gespräch mit zwei jungen Isländerinnen aus Reykjavik, die ganz eng neben mir Zelten.

Ich falle um 22.30 in Schlaf. Die Fähre geht morgen um 9.00 Uhr.

IMG_2945„Open air Duschkabine“, mit Himmelblick direkt an das Sanitärgebäude ohne Duschen „gepappt“. Gratis, aber eine luftige Angelegenheit bei unter 10°C Lufttemperatur…               Zwei davon müssen für den gesamten Campingplatz ausreichen… IMG_2946 IMG_2947

Oben/Unten: „Kontraste“ hinsichtlich verschiedener Übernachtungsmöglichkeiten nur 175 km voneinander entfernt (So lang war tatsächlich meine heutige, wenig anstrengende aber sehr „erlebnisbunte“  Tagesetappe auf dem Weg zu den nicht weniger bunten Papageitauchern, denen ich in Bälde zuhauf am Látrabjarg, einem der weltgrößten Vogelfelsen (14 km lang, über 400 m hoch) tatsächlich mitunter „auf Armabstand“ begegnen werde…).IMG_2785

 

Donnerstag, 14. Juli: Blönduós – Holtavörðurheiði („Prinz:“ Das erste Mal)/103 km

 „Islandkarte 19-20

„…Lieblingspferd: Ich saß leider nur einmal!…   …auf einer Kuh!!!…

…Lieblingstier: Alle aus „Grzimeks Tierleben“, besonders aber die Steinlaus, weil sie dort nicht zu „erwischen“ ist…

…Lieblingsessen: Brennesselpizza…

…Lieblingsbuch: „Bullerbü“ und „Harry Potter“ habe ich in vielen Sprachen, bald vielleicht auch auf Isländisch…

…Lieblingspferderasse: Isländer werde ich auf meiner nächsten Reise auf dem „Drahtesel“ wohl sehen…

…Sequenzen aus meinem Eintrag in ein „Freundebuch“, für eine Schülerin einer 5. Klasse der Rudolf Steiner Schule Bochum im April 2016…

Do, 14 Juli, meine Mutter hat Geburtstag. Sie wird heute 87.                                                                 Gestern hatte ich neben einem Sendemast auf dem höchsten Punkt der Strecke durch die Öxnadalsheiði In 540 m Höhe  wunderbaren Telefonempfang und rief sie vorsorglich im Pflegeheim an, weil ich nicht wusste, ob das heute möglich sein würde…

Aus dem Reisetagebuch:                                                                                              Ausgeschlafen, sonnig. Werde gegen 8 Uhr starten. Mal sehen, wie weit ich komme. Habe aber nach Kartenstudium beschlossen, auf jeden Fall die Fähre zu einem der größten Vogelfelsen der Welt zu nehmen. Noch etwa 300 km bis dahin. So komme ich auf jeden Fall in Ruhe in den Südwesten und riskiere nicht unnötig 400 km über Schotter oder nicht mehr vorhandene Pisten.                                                                                                                                       Bislang 1831 Gesamtkilometer..

IMG_2681 Alles verpackt und für die Weiterreise vor das Zelt gestellt. Der „Drahtesel“ (nicht zu sehen, da hinter Zelt versteckt) und der Campingplatz selber „schlafen“ noch… IMG_2683Etwa 350 Kirchen findet man in Island, bei 320.000 Einwohnern. Die evangelische Blönduóskirche, erbaut 1982-1993, „inmitten“ des Ortes auf der Anhöhe unübersehbar platziert, ist natürlich auch direkt von der Ausfahrt vom Campingplatz aus auf die Ringstraße zu sehen…
IMG_2684 IMG_2685 IMG_2686Blönduós,Ort und UmgebungIMG_2690

Das mit dem Start klappte pünktlich, wobei ich noch erster Gratulant wurde, als ich meine Mutter um 8 Uhr (10.00 Uhr deutscher Zeit) kurz anrief.                                                                                          

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Wunderbares Wetter, günstiger Rückenwind. Höre  beim Radeln durch  eine „Traumwelt“ Radio, verstehe immer mehr und es macht Spaß, dieses wahrzunehmen.. Heute diskutiert der Moderator mit einem Fachmann über die Fähigkeiten einer zur Zeit in Island gastierenden, mir nicht bekannten Konzertpianistin aus Japan (deren Namen ich auch leider schon wieder vergaß) mit breitem klassischen Repertoire verschiedener namhafter Komponisten. Viele Beispiele ihrer Virtuosität werden vorgestellt, große Erfolge in Europa, besonders in Österreich und Skandinavien genannt…

Nach 45 km – recht früh, ich nutze aber die Gelegenheit – „Frühstück mit Mittagessen“ an dem Tankstellenrestaurant von Viðigerði.

Viele Touristen, hauptsächlich Amerikaner, kommen während ich mein fettreiches Essen einnehme vorbei und haben viele Fragen zu Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung aber auch das Bedürfnis, die Erlebnisse der letzten Tage an irgendwen loszuwerden…

10 km später, in Gauksmýri  ein Reiterhof mit Einladung, Reittraining zu nehmen.

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Die Gelegenheit für mich, mich zum ersten Mal im Leben In den Sattel zu setzen!

AUF EINEN ISLÄNDER!!

„AUF“ ISLAND!!!

Am Geburtstag meiner Mutter!!!

IMG_2757Das hatte ich mir vor dem Start nach Island und lange vor der Eintragung ins „Freundebuch“ einer meiner Schülerinnen im April 2016 (s. oben) fest vorgenommen:                                                  Künftig einmal dem Seit vielen Jahren immer wieder absolut sicher aufkommenden, herzlich-spöttischen aber doch liebevollem Gelächter meiner vielen reiterfahrenen Schüler, vor allem Mädchen aller Altersstufen anders begegnen zu können als sonst.                                       Wenn ich nämlich in den  Pferdegesprächen unter „Fachleuten aus den Unter- und Mittelstufenklassen“ von meiner einzigen „Reiterfahrung“ – als vielleicht dreijähriger „Knirps“ für wenige Sekunden angstvoll auf dem Rücken unserer in den Wagen eingespannten schlesischen Zugkuh „Krasia“ sitzend – berichtete, fand das Gekicher kaum je ein Ende. „Der Herr Marsollek, der ALLES!!! kann, kann nicht reiten!,hi, hi, er hat Angst vor Pferden!, er läuft vor einem Pferd weg…hi, hi, hi!!!                                                                                                                                                                         Herrlich…

Das wollte ich 2016 in Island nach einem 2003 schon einmal gescheiterten Versuch anderswo* endlich verändern und mich unbedingt aufs Pferd setzen, wenn Gelegenheit ist!                                                                                                           Pferde, Isländer sah ich während meiner Tour zuhauf. Es ergab sich aber „noch nicht wirklich“ GelegenheitJetzt aber war sie da, wie sie wohl nicht besser sich hätte ergeben können. Das musste, das wollte ich nutzen!

*2002, zur Silberhochzeit reisten meine Frau und ich in den Herbstferien für einige Tage nach Wien und fanden im Wienerwald als Unterkunft zufällig einen Bauernhof mit Reitpferden. 2003 wiederholten wir die Reise und ich nahm mir fest vor, auf dem Hof einige Reitstunden zu nehmen. Leider wurden die Pferde in der Zwischenzeit abgeschafft…    

IMG_2753Ich fahre die etwa 400 m hinein, IMG_2754sehe Leute auf der Terrasse, die gerade eine Veranstaltung verlassen. Sie wollen einen der Busse besteigen.

NANU?!:IMG_2700

Das gibt’s doch gar nicht!, mein „Fanclub aus Akureyri“ – der vor dem Buchladen – ist wieder da. Er hat sich gerade eine Reitervorführung angeschaut und muss weiter eilig nach Reykjavik. Die meisten sind schon im Bus. Morgen schon  geht der Flieger zurück Deutschland.                                                                                                                               Ganz herzliche Begrüßung, Staunen das ich es mit dem Fahrrad schon bis hierher geschafft habe.                                                                                                                                          Fotos.                                                                                                                                             Die Reiseleitung drängt.                                                                                                               Eile.                                                                                                                                                Alle lachen sich kaputt über mein Anliegen, sich hier zum ersten Mal im Leben aufs Pferd setzen zu wollen. Sie müssen nun endgültig aber schnell weg, noch ein paar Fotos, dann in den Bus. IMG_2701Wir winken einander lange zu.

Der nächste Bus mit Touristen – Franzosen – kehrt ein. Auch sie wollen eine Pferdeshow sehen, wollen „bespaßt“ werden…

Ich gehe mit Bammel in die Rezeption. IMG_2712Anna, die wie meine Mutter heißt und nicht heute, aber übermorgen Geburtstag hat erklärt mir lachend, das alles wirklich nicht gefährlich sei und dass ich den 90-Minuten Ausritt innerhalb der zwei Stunden „ganz sicher“ überleben werde.                                                      9.500 Kronen kostet das Abenteuer. Angemessen, finde ich und freue mich auf die neue Erfahrung, die in einer Dreiviertelstunde beginnen soll.

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Riesentrubel   In der Gastwirtschaft und draußen:

IMG_2705Pferdeshows für Touristen, meistens Deutsche und Franzosen.
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Auf dem Oval und der Geraden vor der Aussichtsterasse mit Sitz- und Trinkgelegenheiten arbeiten Pferde und Reiterinnen.                                                                                                   Im Galopp, im Tjölk, im Wechsel der verschiedenen Gangarten.                                                 Ein Glas frisch eingeschenkten Bieres mit Schaumkrone in der Hand, schafft es die Reiterin im Tjölk  (dem genetisch veranlagten und nur beim reinrassigen „Isländer“ vorkommenden schnellen Passgang) in voller Geschwindigkeit das ganze Oval lang durchzureiten, ohne einen  Tropfen zu verschütten. SKÀL!Prost!
Beeindruckt applaudieren die vielen sitzenden Zuschauer, welche kurzweilig auf
Englisch und  Französisch durch die Show geführt werden.
Die Show ist zu Ende, die Franzosen enteilen im Bus, die Deutschen gehen nach innen zum aufgetischten Mittagessen, ich gehe zu „meinem“ Pferd…

IMG_2722…jetzt werde ich „Stori-karl“ zum ersten Mal untreu…IMG_2725 IMG_2727

Tatsächlich, nach der Unterschrift  in der Teilnehmerliste bekomme ich  

IMG_2729PRINZ, „mein“ Pferd zugewiesen. Er soll ein ganz Lieber, Ruhiger sein.

„Probeaufsetzen“. Anpassen der Steigbügellänge. Herausführen der Pferde auf den umzäunten Hof. Erste Runde im Hof, nachdem einige Kommandos so aufgenommen und die Zügel so gehalten und geführt wurden, dass die Pferde sie verstehen und reagieren konnten.

Unsere Gruppe besteht nur aus 7 Personen, einer vierköpfigen österreichischen Familie mit zwei reiterfahrenen Töchtern, Susanna einer Reitlehrerin aus Finnland bei Ylivieska (wo ich schon 2013 mit dem Drahtesel, pardon, dem damals noch namenlosen „Stóri-karl“ durchgeritten bin), Jouna einer in Island aufgewachsenen Halbschwedin und mir. Susanna dreht auf meine Bitte hin, bevor wir ausreiten ein kurzes Video von meinem ERSTEN MAL!…

IMG_2732Der Pferdesattel ist viel bequemer als der Fahrradsitz, stelle ich erstaunt fest.IMG_2741„Schattenselfie“.

IMG_2733Jouna und ich ritten die letzte halbe Stunde allein, Susanna war mit den Österreichern unterwegs.IMG_2752Jouna.
IMG_2747Das war er, IMG_2749

…(m)ein ganz ruhiger, ganz lieber „Prinz“.                                                                                             Ich bin sogar eine ganze Strecke auf ihm getjöckt…, oder wie diese spezielle Gangart heißt. IMG_2751

Ich nehme mir viel Zeit, schreibe auf der Terasse draußen im Sonnenschein glücklich und „adrenalindurchflutet“ Tagebuch, trinke zwei Riesentassen Gratis-Tee, rufe noch einmal meine Mutter in Deutschland an und verabschiede mich  nach vier Stunden Gesamtaufenthalt auf dem Reiterhof winkend von de Belegschaft. Nachmittags ist hier alles übersichtlicher, ruhiger. Da sind die meisten Touristen mit motorisierten Pferdestärken längst zu neuen Zielen weitergeritten… 

IMG_2758Ach ja, der Reitersitz ist vieel bequemer als der Fahrradsattel…, allerdings hatte ich nach meinem Ausritt noch etwa eine Stunde lang ein ganz merkwürdiges Körpergefühl: Alles schaukelte irgendwie hin und her, besonders beim Stehen, als säße ich in einem wellenbewegten Boot…                                                                                                         Wahrscheinlich sollte ich des Öfteren Reiten, um dieses Gefühl loszuwerden…                        So!…, Ihr lieben Schüler „meiner“ Schule: Viele von Euch haben vieeel mehr Reiterfahrung als ich und manche ritten auch schon Isländer. Die WENIGSTEN ABER…, AUF ISLAND!!!             Euer „Jockey“… IMG_2759Letzter Blick auf meinen Reiterhof. Und weiter in Windeseile  bis Balkastaðir Rückenstarkwind. IMG_2760Borgarnes werde ich heute wohl nicht mehr erreichen, aber in Balkastaðir gibt es einen Campingplatz.. Mit Rückenschub und jetzt 30 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit bin ich schnell am vermeintlichen Ziel, finde aber den Campingplatz nicht?

Um den Zeltplatz zu erreichen, müsste ich 10 Kilometer lang gegen den Wind zurück, erfahre ich von der netten Bedienung in der Raststätte am Knotenpunkt Balkastaðir.

Mache ich nicht, gegen DIESEN Wind!IMG_2762

Stattdessen fahre ich lieber mit Rückenwind den 407 m hohen Pass hinauf und suche „meinen“ Schlafplatz.

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Der Aufstieg, die Holtavörðurheiði hinauf ist nicht schwer, auch wenn der Wind bald nachlässt. Meine Gedanken kreisen immer noch um das Reiten herum, sodass ich kaum merke, dass mich mein „Kumpel“ nach 103 km Tagesgesamtstrecke auf Passhöhe zu einen wunderschön versteckten Platz unweit der Ringstraße gebracht hat… 

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IMG_2784Nach dem Essen umhüllt mich die bei mir angekommene Wolke, 20 m Sicht. Dann regnet es auch schon… 

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Das Zelt, an drei Stellen am Rad als Anker stabilisiert, hält den plötzlich aufkommenden Windböen gut stand.

Ausschlafen???                                                                                                                                                    Klar!!!                                                                                                                           Vorsichtshalber stelle ich den Wecker auf 5.15 Uhr…

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Mittwoch, 13. Juli: Akureyri – Blönduós/151 km

Islandkarte 18-19

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5.20 Uhr, Blick vom Sanitärgebäude aus: Alles schläft, kurz vor meinem Start. Der Himmel ist zwar verhangen und das Zelt nicht ganz trocken, die Luft „fühlt“ sich aber trocken an…IMG_2567 IMG_2569 Das luxuriöse und preisgünstige Thermalbad,  ganz in der Nähe des eher spartanisch ausgestatteten Campingplatzes, bietet hervorragende Möglichkeiten, diesen Mangel zu vergessen. Ich war gestern leider etwas spät dran, vielleicht hätte ich doch hingehen sollen…  IMG_2570 IMG_2575 IMG_2576IMG_2578
Der gestrige Anstieg jetzt als starkes Gefälle. Die Fotos vermitteln nicht annähernd die Steilheit der Strecke…
IMG_2579 IMG_2580 IMG_2583Eymundsson, der Riesenbuchladen „an der Ecke“ mit Cafeteria und Free WiFi…, jetzt natürlich noch geschlossen…
IMG_2588Der nur etwa 300 m entfernte Schuhladen, in dem ich vom Buchladen erfuhr…, jetzt natürlich ohne japanische Schuhinteressenten..
IMG_2591Alle Ampeln in Akureyri zeigen bei ROT ein Herz…
IMG_2593 Letzter Blick auf Akureyri.
IMG_2596und auf in Richtung Blönduós!…IMG_2601Nicht nur für Schiffe auf der Dänemark-Grönland-Route, sondern für alle Kreuzfahrtschiffe ein Muss: Die Stippvisite in Akureyri.
IMG_2604IMG_2609Die Wolken Regnen wohl auf der anderen Bergseite ab, ich habe den ganzen Tag lang meistens freundliches Wetter mit viel Sonnenschein und besonders viel Gegenwind bei den späteren Abfahrten… IMG_2610 IMG_2612 IMG_2616 IMG_2618 IMG_2619

Aus dem Reisetagebuch: Um 5.30 gestartet. Alle roten Ampeln in Akureyri blicken den Verkehrsteilnehmer mit Herzchen an! Nüchtern 49 km geradelt mit Anstiegen, bevor die wirklichen Serpentinen zu sehen waren. Dann Zelt getrocknet und zwei Nudelsüppchen gegessen.

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Höchster Punkt der Strecke. In 540 m Höhe wunderbarer Telefonempfang, also mehrere     Telefonate durchgeführt… Der plötzlich aufkommende kalte Gegenwind verkürzte aber beträchtlich die jeweilige Gesprächsdauer.

Aus dem Tagebuch:                                                                                                                    Anstieg auf 540 m in eineinhalb Stunden geschafft.                                                                      Starker Gegenwind beim Abstieg. Sehr lange Abfahrt bis Varmahlíð. 99 km.                                     Gut eingekauft, gegessen. Bei  einer jungen Isländerin am Nebentisch nach weiterem Streckenverlauf bis Blönduós erkundigt (vergleichbarer Anstieg).    Da es erst 15.30 Uhr ist, fahre ich nach gut einer Stunde Pause weiter.

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IMG_2638Wegen des starken Gegenwindes brauchte ich auch für die Abfahrt viel Kraft: Neues „Fettdepot“ angelegt…
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Reparaturarbeiten an der Unfallstelle, der höchsten Stelle des zweiten Anstiegs im vollen Gange, die Leitplanke wird ausgewechselt, der Verkehr wechselseitig gesperrt, das Wrack vorerst als Abschreckung(?) liegen gelassen…IMG_2653

Aus dem Reisetagebuch:                                                                                                 Wunderschön, eine Singschwänefamilie  unweit am kleinen Gewässer direkt nachdem der Anstieg bewältigt ist entdeckt. Fotos. Zwei jungen Berlinern begegnet (haben heute erst 40 km hinter sich), sind schon länger unterwegs als ich, anders herum, aber wesentlich weniger weit gekommen. Konnten gar nicht glauben, dass ich heute in Akureyri gestartet bin und schon 113 km hinter mir habe.                                                                                                                                             Zwei Deutsche und der Spanier von vorgestern zischen vorbei. Ich mache mich auf den Weg. Bergrunter bin ich schneller als sie, 63 km/h, komme an die 3 näher. Da biegen sie an einem Campingplatz, den ich übersehen hätte ein. Tschüss, will noch 30 km weiter…(Ich werde ihnen nicht mehr begegnen).

IMG_2659Kleine Rast zwischendurch, ein  Riesenapfel als Zwischenmahlzeit.IMG_2663 IMG_2664 IMG_2665Aus dem Reisetagebuch:

Kleine Kirche, leider verschlossen… 

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Aus dem Reisetagebuch:                                                                                                             Kurz Vor Blönduós ein größerer Anstieg, dann nur noch kurz herunter. Bin gegen 20.30 Uhr da. !5 Stunden Fahrtzeit inclusive zweieinhalb Stunden Rast151 km: Die wohl schwierigste Etappe im Vollbesitz der Kräfte.                                                                                                                  Bin ´ne kleine Sensation auf dem Platz, als ich mit 3 Isländern spreche und mich nach allem erkundige. Und weil ich versuche, alles auf isländisch zu machen. Sie können einfach nicht fassen, dass ich heute Morgen per Rad in Akureyri gestartet und mit eigener Beinkraft jetzt hier angekommen bin.                                                                                                                            Ein französiccher Radler, seit 2 Monaten hier spricht mich an. 100 km seine bislang längste Strecke. „WAS, HEUTE VON AKUREYRI AUS GESTARTET???; UNMÖGLICH!!!…“                                                                Meistens Isländer hier. Sehr gute Kub-Spieler und Fußballer natürlich. Stelle mein Zelt inmitten auf den Rasenplatz. Heute süßes Abendessen mit Kinderkaffee.  Ausruhen im Sessel, zugucken, duschen, Wäsche waschen, bettfertig machen. Morgen wird ein sonniger Tag starte etwas später…

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Dienstag, 12. Juli Goðafoss – Akureyri (Harry Potter-Isländisch)/56 km

Islandkarte 17-18

 

 Trotz der langen Strecke gestern und der vielen Höhenmeter auf dem letzten Abschnitt über die Fljótheiði wache ich schon um halb 7 Uhr auf und habe Zeit. Zwar ist es noch bewölkt und meine nach dem Aufwachen auf den Vorderreifen des liegenden Rades* gelegten Schuhe werden beim Start noch etwas nass sein: Sie werden aber während der heutigen Etappe richtig austrocknen, um bis zum Ende der Tour 2016 trocken zu bleiben.

*Ich lege mein Rad, das gelegentlich auch als Hilfe bei der Zeltfixierung dient, immer hin. soll es stehen bleiben, so achte ich darauf den Abstand zwischen ihm und Zelt groß genug zu halten, dass es nicht auf meine mobile Behausung fallen kann.                                  

Ein guter Entschluss gestern, der Wettervorhersage zu vertrauen und eine „Flucht“ aus einem Regengebiet anzugehen, in dem ich nicht unbedingt bleiben musste. Überhaupt sind die Wettervorhersagen „auf Island“ sehr zuverlässig, sodass es lohnen kann – wenn man sein Tagesprogramm als Radler überblickt – etwa ein paar Stunden zu warten, um Wolken abregnen zu lassen oder bei Ankunft freundliches, sonniges Wetter anzutreffen. Immer wieder und überall auf Anhöhen „begegnen“ mir in den meistens mit „0 Einwohner je Quadratkilometer“ bei Wikipedia angegebenen Abschnitten, unzählige kleine Wetterstationen mit Sonnenkollektoren ausgestattet, welche in der computervernetzten Zeit minutiös den Durchzug einzelner Regenschauer prognostizieren können.  

(Das „Fliehen“ in freundlichere Wetterzonen funktioniert manchmal auch in Skandinavien (wenn man seine Ferien nicht ortsgebunden in einer Hütte verbringen muss), allerdings sind die dafür nötigen Strecken in der Regel beträchtlich länger. Meine Frau und ich flohen Anfang der 1980er Jahre einmal, von einem idyllisch gelegenen Campingplatz bei Frosta im Trondheimfjord fast 1000 km weit bis Riksgränsen im schwedischen Lappland und hatten auf der Weiterreise zu Freunden in Südfinnland fortan sonniges Wetter (Unser Billig-Kaufhauszelt regnete damals ein und drohte im Sturm einzubrechen; wir mieteten in Riksgränsen für eine Nacht eine Stuga(Hütte), das Zelt wurde auf der Wäscheleine trocken)).

Ich schreibe also zunächst ausführlich Tagebuch, telefoniere  nach fast 1700 Radkilometern  -und bei ausgezeichnetem Empfang – mit dem Redakteur unserer Lokalzeitung in Bochum (dort ist es schon zwei Stunden später), telefoniere bestimmt 10 Minuten lang mit Ivar Hollanders, dem aus Akureyri stammenden Lehrer der Waldorfschule außerhalb Reykjaviks und kann ihn gut und viel besser verstehen als vor zwei Wochen bei der direkten Begegnung auf dem Schulgelände. Ivar meint, dass ich in Akureyri, wo es eine große Buchhandlung geben soll, ganz bestimmt einen Band von „Harry Potter“ auf Isländisch bekommen dürfte…

Frühstück.                                                                                                                                       Kurz vor 11.30 Uhr geht’s weiter. Heute nur bis nach Akureyri (56 km), wo ich eine Nacht bleiben will und nur vor Ladenschluss angekommen sein muss.

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Motorisierte Islandreisende sind nicht so gehfest und stellen ihre „wohnkabinenbewehrten“ Fahrzeuge gern an den Sanitäranlagen ab und haben dann u.U. einen „Mauerblick“…          Links hinter meinem Zelt hingegen ist der Blick frei auf den Goðafoss. Auf der Hügelkuppe: Hotel-Restaurant mit Campingrezeption.IMG_2492 IMG_2493 IMG_2494 IMG_2500 IMG_2503 IMG_2504 IMG_2508 IMG_2509 IMG_2510

„Der Radler“ genoss am mit mehreren Parkplätzen und bequemen Zugangswegen mit Plattform ausgestatteten und sehr erlebenswerten Goðafoss einen Sonderstatus: Zunächst  konnte ich mit meinem „Fahrzeug“ direkt bis zur günstigsten Aussichtsplattform vorfahren, das Rad abstellen und das Wasserrauschen genießen. Viele Touristen aus Italien, Deutschland, Japan, Spanien, Belgien, den Niederlanden usw. erkundigten sich dann bald nach meinem Reiseverlauf und manche baten darum, Fotos von mir, mit mir, mit dem Fahrrad und mir, mit dem Fahrrad, dem Wasserfall und mir oder auch von der Rückenansicht meiner Jacke machen zu dürfen, um leicht auf die Blog-Adresse zurückgreifen zu können. Dem Wunsch bin ich gern nachgekommen und bat sie auch, einige Fotos für mich mit meinem IPhone zu schießen…

…Weiter.

Direkt nach dem Wasserfall beginnt auf der Ringstraße ein leichterer Aufstieg. Nach wenigen Kilometern und vielleicht 100 Höhenmetern mündet von rechts die Straße Nr. 85 ein. Mir wird bewusst, dass ich ohne die Umleitung gestern ganz sicher nicht am Goðafoss  gelandet wäre… Gut, dass meine eigentliche Strecke gesperrt war…

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Gut zwei Stunden nach dem Start kündigen Schilder eine Bergtour über mehrere 100 Höhenmeter an. Zeit zum zweiten Frühstück. Ich bleibe an der Schneekettenanlegestelle mit Blick auf die ersten Herausforderungen stehen und mache es mir richtig gemütlich.  Zwei Deutsche Studenten mit einem kennengelernten spanischen Weggefährten überholen mich vorher schon, wollen die Höhenpassage direkt angehen. Sie sind  nur 2 Wochen auf der Insel, betreiben „Bus-Hopping“ mit 2-3 Tage langen Radetappen dazwischen. Der spanische Radler ist mehr oder weniger „ortsfest“ unterwegs, schließt sich jetzt aber den Deutschen an, fährt paar Tage mit. Alle Drei fahren ihre eigene Geschwindigkeit und treffen sich an abgemachten Punkten oder z.B. bei mir, weil ich gerade Fotos mache, im Wissen um die bevorstehende Rast.

IMG_2514 IMG_2515Etwa einen Kilometer vor meinem Rastplatz begegnete ich den drei jungen Studenten; ein älterer Radler fuhr grüßend hier vorbei, als ich rastete.IMG_2516Geschafft, es geht wieder rasend bergab zum Eyjafjörður, an dessen Anfang Akureyri liegt.IMG_2520

Kolkraben beobachten mich von Klippen aus. Ich höre sie und bleibe stehen. Sie fliegen los und segeln über mich hinweg. Einen von drei erwische ich recht gut um ihn „im Blog zu landen“…IMG_2537

Am Fjord angekommen, „zieht sich der Weg noch“ etwa 20 km lang, bis ich die mit 18.000 Einwohnern größte Stadt im Norden erreiche (trotz der Langstrecke von gestern befinde ich mich in Akureyri immer noch nur 50 km weit vom nördlichen Polarkreis entfernt).

„Natürlich“ ist hier alles touristisch perfekt aufbereitet, man weiß, was der Besucher zu sehen (und zu kaufen) wünscht. In einem Schuhladen, in dem sich gerade gefühlt GANZ JAPAN trifft um auf Englisch die 10 Paar Lederschuhe per Nase im Supersonderangebot zu erstehen, frage ich in Landessprache nach dem größten Buchladen des Ortes und bekomme genaue Auskunft.

„Natürlich“ hat Akureyri ob seiner Lage und Geschichte viel Interessantes zu bieten. Da ich die Stadt aber kaum besichtige und nur „zielorientiert“ besuche, berichte ich hier nur wenig. Im Nachhinein bedauere ich es aber, die „Akureyrikirche“ nicht besucht zu haben, weil ich eine Woche nach meiner Rückkehr im Lutherhaus in Bochum-Stiepel eine Jugendaustauschgruppe aus Island bei einem zweisprachigen Gottesdienst kennenlernte und mit dem Pastor, der besondere Beziehungen zu Akureyri hatte, sowie mit einigen der Jugendlichen nach dem Gottesdienst länger sprechen konnte…    IMG_2540 IMG_2541 IMG_2542 IMG_2544 IMG_2545Der riesige Buchladen ist schnell gefunden, Harry Potter auf Isländisch auch und die sehr nette Buchhändlerin, die sich für mich viel Zeit nahm, bedauerte sehr, dass es in Island nur sehr wenige Bücher in Audioversion gibt und die Rowling-Bücher gar nicht. Schade, dies wäre mir eine große Hilfe beim Leseverstehen gewesen. Dennoch, ich freue mich riesig über meinen Kauf und erstehe auch gleich mein erstes Deutsch-Isländisch-Wörterbuch.   IMG_2546
IMG_2548Draußen spricht mich ein Amerikaner aus Pennsylvania an, dessen Freund Waldorflehrer und Radler ist wie ich. Welch ein schöner Zufall. Wir sprechen einige Minuten miteinander, er macht das Foto eines glücklichen Bücherbesitzers, wir werden gemeinsam fotografiert und verabschieden uns, als ich plötzlich von einer deutschen Busreisegruppe umringt werde. Die hat es sehr eilig, verbringt nur eine (?) Woche auf Island und mit mir ein besonderes Fotomotiv findet. Eine sehr herzliche Begegnung. Viele kurze Gespräche, Bilder, Tipps, Glückwünsche. Sie müssen schon wieder weg, ich muss noch verpacken, noch schnell ein gemeinsames Gruppenfoto mit einem Teil der Gruppe. Gute Reise!!!                                                       Herzlich! Herzlich eilig aus den Reiseumständen heraus…  

IMG_2552 IMG_2553 IMG_2554 IMG_2555Auf dem kürzesten Weg zum mitten in der Stadt gelegenen Campingplatz*  gilt es, an der Akureyrikirche vorbei eine der anstrengendsten Steigungen meiner Gesamttour zu bewältigen. Stóri-karl und ich schaffen das auf dem Stadtasphalt natürlich(!) und bekommen mitten „im Betriebsmodus“ ein anerkennendes Hupkonzert eines auf halber Höhe wendenden Touristbusses – hier wurde eine Wendemöglichkeit geschaffen, um Touristen eine bessere Aussicht auf die unten liegende Kirche zu bieten – und ernten „Standing Ovations“ der staunenden Businsassen…                                                                                                                                         *(es gibt 5 km außerhalb der Stadt einen zweiten, wunderschön gelegenen, erfuhr ich in der Touristeninformation)IMG_2556Der auch sehr karg ausgestattete Campingplatz (ich sah im Herrenblock nur eine Dusche (nach dem Schlüssel musste man (gegen Gebühr) anfragen) füllt sich mit Campern aller Art, auch mit einigen Radlern…, und mit Jugendgruppen, die schon da sind und im Bereich des Sanitärblocks (weil dort Tische und Sitzgelegenheiten sind und man sich heute „im eigenen Universum“ nur ungern aktiv stehend betätigt) lärmend und daddelnd ihren Kommunikationsbedürfnissen nachgehen. Der Lärm hält sich in Grenzen, da auch Betreuer dabei sind. Mein Zelt ist schnell bereitet, das Essen ebenfalls (gebackene Bohnen nach Reinholds Art  pikant „veredelt“), heißes Wasser für morgen gekocht.

Interessant zu sehen, wie lange es dauert bis der Nutzer eines der in Island häufig zu sehenden  Palomino-Wohnwagen benötigt, bis alles betriebsbereit ist, der Tee gekocht, die Betten eingerichtet usw…, man sich in Ruhe hinsetzen kann.                                                                 Ich hab es da leichter (auch mit meiner Kritik) mit dampfendem Bohneneintopf vor mir, belegten Broten, heißem Tee und Harry Potter an der Seite…

Vor 21 Uhr lege ich mich zu Ruhe, nachdem ich im Internet sehe, dass das Wetter morgen Abend im etwa 150 km „hinter vielen Bergen“ am Meer liegenden Blönduós sehr freundlich sein soll, während es gleichzeitig  für das nähere, durch eine Halbinsel getrennte und in Luftlinie nur etwa 30 km entfernte  Sauðarkrókúr eine Regenprognose gibt. Heute hat es gar nicht mehr geregnet und es schien auch immer wieder die Sonne… Morgen geht es in Richtung Blönduós weiter, vielleicht komme ich sogar an. Der Lärm der jungen Fußballer, welche sich die freie Wiese um mein Zelt herum als Bolzplatz ausgesucht haben, stört mich nicht weiter. Sie sind vorsichtig, mein Zelt wird wohl nicht getroffen. Ich nehme es jedenfalls im Land der Träume nicht wahr…

IMG_2562Namen und Orte im Buch über Harry Potter…IMG_2563Hier im überdachten Zwischenraum saßen die Jugendlichen (Foto um 5  Uhr des nächsten Tages)

Montag, 11. Juli: „Husarenritt“ Raufarhöfn – Fosshól(Goðafoss)/182 km

Islandkarte 16-17

Als ich gestern zurückkam, band ich in einem der beiden Toilettenräume die schwergewordenen, durchnässten Handschuhe  an die lauwarmen Heizungsrohre. Ebenso machte ich es mit den nassen  Klickschuhen. Es sah lustig aus…, …jedenfalls wurden die Handschuhe bis zum Morgen viel leichter und schienen trockener zu sein, bei den Schuhen bemerkte ich kaum eine Veränderung…  

Sehr „uselige“ Nacht. Nebel, Wind, „Dauerniesel“.                                                                        Im Innenzelt lässt es sich im Trockenen aber gut aushalten.                                               Warten?                                                                                                                                                            Um auf ganz schlechtem Wege – wie mir Þora gestern andeutete -, vom nördlichsten Ort Islands zum 15 km entfernten aber erreichbaren Hraunhafnartangi, dem nördlichsten Punkt der Insel zu gelangen?                                                                                                                   Um sich „gemeinsam“ mit dem „Islandtief“ hier festzusetzen???                                                                 Lohnt diesmal nicht.                                                                                                                       Ich studiere im Internet die Wetteraussichten (Wie schön , dass ich mir am Fahrrad mein iPhone laden kann!): Martin, der Motorradfahrer hatte gestern recht, erst um Akureyri herum gibt es in den nächsten Tagen etwas  Aussicht auf Sonne. Akureyri, 220 km weit. Die jetzt noch schlafenden Hagener Motorradbiker kamen gestern von Akureyri aus und meinten, 300 km bis hierher gefahren zu sein (falsch!).                                                                                                220 km?                                                                                                                                   300km?                                                                                                                                            Im Regen?                                                                                                                                     Eine Etappe?…                                                                                                                                     Habe ich schon mehrfach geschafft: in Norwegen, im Regen, bei ungünstigem Wind mit tausenden von Höhenmetern…                                                                                                                            Die Entscheidung ist gefallen. Ich  steige bei 6°C in nasse, kalte  Socken und Schuhe.

Start um halb sieben. Innenzelt ausgeknüpft. Vorhaben: Husarenritt „open End“ in den Süden, da RÜCKENWIND!!!

Die Erfahrung des Körpers, dass es auf diese Weise gutgehen kann, hilft enorm und ist von großem Nutzen:

Zunächst 60 km im Regen nonstop ohne Frühstück. Tankstelle, Proviant. Nach 80 km scheitert   beim Rasten in Regenpause ein halbstündiger Zelttrocknungsversuch im Wind, wegen zu hoher Luftfeuchtigkeit.

Halber Liter Milch, Weetebix, satt!                                                                                                 Der Regen hört auf, die Nasse nicht.  Bald regnet es wieder. Aber der Wind weht die ganze Zeit über günstig und hilft die Steigungen zu erklettern, besonders bei dem Immer wieder sehr welligen Streckenprofil…

IMG_2477Um 16.00 Uhr,  nach 133 km in Húsavik angekommen. Großstadtcharakter nach der Leere der vielen Kilometer…IMG_2478Restaurant, zwei Stunden Aufwärmen/Trocknen. Riesen-Familienpizza mit Meeresfrüchten bestellt. „Man“ ist und isst verwundert um mich herum…  Ich werde satt und wundere mich auch, dass ich nach nur  5/8 der Pizza nicht mehr weiteressen möchte.                                            Was ist los?                                                                                                                                      Klar!, ich habe heute ja erst etwa 130 km in den Beinen, ansonsten lagen bei ähnlichen Bestellungen immer mindestens 200 Streckenkilometer hinter mir.

WEITER! Die Restliche Pizza ist schnell im bereitgestellten Karton verpackt und geht mit auf Reisen.                                                                                                                                                                    Draußen werde ich von einem Flock gestresster Bustouristen überfallen, etwa 10 Männer und wenige Frauen, die sich bereits um mein Rad versammelt haben, innerhalb einer Woche ganz Island umrunden müssen und 1000 Fragen zum Rad haben (Nein , ich habe keinen Elektroantrieb(!), die Durchschnittsgeschwindigkeit ist unterschiedlich, auch die Tagesetappenlänge…) und auch eigene Radlergeschichten preisgeben wollen – ja , ich fahre Zuhause auch regelmäßig Rad…                                                                                                                    Es gelingt mir, mich zu lösen, denn der Wind frischt sehr stark auf und ist immer noch sehr günstig für mich…

IMG_2479Letzter Blick auf Húsavik und IMG_2481

ab, auch mit Windkraft die nächste der vielen Steigungen hinauf…IMG_2482Am Monument zu Ehren eines berühmten mir unbekannten isländischen Komponisten, nach nur knapp 10 km wieder Pause, ein besonderes Konzert: Der Wind wird immer stärker, bläst eine mir unbekannte aber effektive Arbeitssinfonie: „Zelttrocknen!“…, 10 Minuten reichen vollständig aus. Das Innenzelt ist wieder eingeknüpft.

Der Himmel klart auf, die Sonne kommt immer wieder durch, der Wind schiebt mich günstig. „Husarenritt“ durchs jetzt verdächtig flache Land.

Reitunterricht wird hier  auch mehrfach angeboten. Soll ich stehenbleiben und das Angebot annehmen? Heute nicht, ein riesiger Hirtenhund vom etwa 500 m entfernten Bauernhof versucht mich bellend zu verfolgen und vertreibt den aufkommenden Gedanken daran. Tschüss, ihr lieben Isländer – Der Hund hat keine Chance…

Bei Tjörn ist die nach Westen abbiegende 85 (die eigentliche Straße nach Akureyri), welche ich heute nach 20 Tageskilometern ohne abzuzweigen durchgehend nutzte gesperrt. Ich fahre geradeaus weiter auf der 845. Der Wind hilft weiterhin. Bei Einarsstaðir treffe ich wieder auf die Ringstraße 1 nur etwa 35 Kilometer von Mývatn entfernt. mein Ziel geht aber Richtung Akureyri. Hierzu muss ich jedoch zwangsläufig nach 170 Tageskilometern noch mehrere hundert Höhenmeter nonstop über die Fljótsheiði, um dann mit über 50 km/h in Schussfahrt kilometerweit bergab  zu düsen. Herrlich!

Nach 182 Tageskilometern bin ich um 22.00 Uhr  in Fosshól angekommen. Auf einem seehr bescheiden ausgestatteten „Zeltplatz“ mit lediglich einem kleinen Container, in welchem nur 2 Toiletten, eine Doppeldusche sowie zwei öffentliche Waschbecken für die Campinggäste Platz haben. Alles ist aber sehr sauber. Unweit, in Hörweite liegt der Goðafoss, ein weiterer spektakulärer Wasserfall Islands. Die Rezeption des Zeltplatzes befindet sich im sehr gut ausgestatteten Hotel-Restaurant am Hügel davor. Man ist dort nicht des Isländischen mächtig und auch die Küche ist schon außer Betrieb: Das für mich zuständige „Pärchen“ sind junge Litauer im Sommereinatz auf Island, die in diesen modernen Zeiten kein Russisch mehr, dafür aber Englisch sprechen. Ich muss mich anpassen…

Der „Campingplatz“, auf dem sich einige kraftstrotzende „Allradfahrzeugmonster“ mit aufgesetzten Wohnkabinen einfinden, hat heute aber noch ausnahmsweise  einen „Eintages-Gratis-Superservice“  zu bieten: Einen fahrradbetriebenen Superpizzalieferdienst aus Húsavik, mit 3/8 kalter Meeresfrüchte-Familienpizza. Der „Lieferant“ spricht mehrere Sprachen – auch Deutsch – und so nimmt die Pizza dankbar an, ein junges Medizinerpaar: Ein hungriger Neurologe aus Essen und seine Freundin, Pathologin aus Düren. Beide für eine Woche mit Riesengeländewagen auf Tour. Gemietet, Wohnkabine auf dem Dach. Beide frieren, haben nur Baumwollsachen. Die Pizza wird kalt gegessen…

„Meine“ heiße Dusche spätabends: gratis, endlos, herrlich. Das Wasser daraus in der Thermoskanne abgefüllt, erübrigt weiteren Kochbetrieb. Die Temperatur reicht zum Aufbrühen von Tee und Kakao.  Kleines Abendessen, ausschlafen…

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Sonntag, 10 Juli: Stóri-karl – Raufarhöfn (Gruß vom Knivskjellodden (nördlich des Nordkap) an Islands „Nordpol“)/113 km

Islandkarte 15-16

 

Taghelle Nacht, fast windstill in dem watteartigen Wolkennebel. Vogellärm… Knüpfe Innenzelt  aus, da das Außenzelt so früh bei diesen Verhältnissen bis zum Start  nicht trocken werden wird. Packe. Verstaue alles reisefertig in die richtigen Taschen.

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Die Wolken verhüllen zwar die Sonne, steigen jedoch (während ich meinen „Stóri-karl“ am Wegesrand „sattle“ und das Außenzelt zum durchlüften noch stehen lasse) etwas höher hoch und geben die Sicht über die Klippen und das Meer frei.
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IMG_2366 IMG_2367Gelegentlich scheint ein Wolkenloch sogar der Sonne eine Gelegenheit zum Schattenwurf geben zu wollen…
IMG_2365Auf zum STÓRI-KARL! Noch ein Stündchen bei „meinen“ Vögeln bleiben – ganz so schnell will ich sie auch nicht wieder verlassen…

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Ich bewundere von der Aussichtsplattform aus die verschiedenen Vogelarten in den Klippen und auf deren Rändern und…, kletternde Schafe: Das Muttertier, traumwandlerisch sicher auf den äußerst steilen, ausgetretenen Pfaden, die Lämmer, die sich scheinbar kopflos und „steil querfeldein“ in Richtung der Mutter stürzen…. 

IMG_2384 IMG_2385 IMG_2386 IMG_2389 IMG_2390 IMG_2392 IMG_2393Natürlich musste ich mit dem von der „Mama-Määäh“ verlorenen Stückchen „Wolle vom Stóri-karl“ meine Sammlung komplettieren.IMG_2394Flagge und Wolle nahm ich mit, die Grasfläche wird sich im Laufe des Tages wieder erholt haben…IMG_2395Kurz vor 7 starte ich, will gegen 11 Uhr an der Tankstelle in Þórshöfn sein, um wieder zu Mittag zu essen. IMG_2396Diesmal bleibe ich auf einigen „Anhöhen mit Übersicht“ kurz stehen und fotografiere entspannt…
IMG_2398…Vor mehreren kurzen, nur etwa 10-20 m hohen, aber „vieeeel“ steileren  Anstiegen als der hier abgebildete, ist das schlecht möglich: Da sind Kraft, Konzentration, Balancier-Vermögen gefordert. Nur dann findet „Stóri-karl“, voll bepackt und ganz „trittsicher“ den richtigen Pfad: Meter um Meter über Grus, Sand und Stein, über Löcher von durchgedrehten Reifen der Allradfahrzeuge und auch noch bei vielleicht nur 3 km/h Fahrgeschwindigkeit. Da darf dann aber das Hinterrad niemals durchdrehen (was die linear gestufte 14-Speedhub-Spezialgangschaltung zwar erleichtern aber nicht verhindern kann), da halten die Hände ganz locker (und dennoch stabil) den Lenker, da hüpft das Vorderrad, beschwert mit dem Gewicht der Radtaschen zielsicher in die nur zu erahnende richtige „Spur“, da muss der „Reiter“, ganz sicher im Sattel sitzend – das Kinn fast auf die Lenkertasche gestützt – die Beinkraft „mit Köpfchen“ dosieren und gleichzeitig alle dynamischen Abläufe äußerst konzentriert harmonisieren.

Da hätte man als Mountainbike-Fahrer keine Chance. Und auch ich mit „Stóri-karl“ nicht: OHNE GEPÄCK(!) und ohne Schuhe mit im Notfall leicht zu lösendem Klick-Verschluss…

Wie oben schon einmal angedeutet, trat der „Notfall“ niemals ein. Ich brauchte während der zweimal  37 km langen Strecke zum Basstölpelfelsen (und auch während der insgesamt 2709 km langen Island-Tour) niemals vom Rad zu steigen, weil die Kraft nicht ausgereicht, oder weil ich das Gleichgewicht verloren hätte…IMG_2399 IMG_2402Es gibt auch Schwarze Lämmer bei „weißen“ Mutterschafen…IMG_2403 IMG_2404SCHLECHT BEFAHRBARER WEG

Bewölkt, aber trocken. Bin um 10.55 Uhr  in Þórshöfn da. Der Tankstellengrill öffnet sonntags um 11 Uhr. Punktlandung, Glück!

Außenzelt trocknet schon nach kurzer Zeit im Wind auf dem Rasen vor der Tankstelle und zieht die Blicke der „Locals“ und der wenigen vorbeikommenden motorisierten Touristen an. Innenzelt wird bald wieder eingeknüpft worden sein..

Proviant-Ergänzung.

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Gleiches Essen wie gestern. Zwar sonst selten auf meinem Speiseplan und nicht sehr gesund, aber für meine „Funktionalität“ jetzt und unter den Umständen hier als Kompromis sehr nützlich, weil fett und eiweißreich… 

Geländemotorradfahrer (Martin) aus Darmstadt spricht mich im Grill-Restaurant an. Er hat früher mit Fahrrad Afrika von Nord nach Süd durchquert. War letzten Winter per Motorrad noch durch Marokko unterwegs. Reisen mit (Motor)Rad durch Afrika sind heutzutage aber wegen der politischen Situation dort absolut unmöglich, konstatiert er…

Aus dem Reisetagebuch:                                                                                                                 13 Uhr Aufbruch. Will noch bis Raufarhöpn, an Islands Nordpol um meinen Stein vom Knivskjelloden loszuwerden.IMG_2406Þórshöfn

IMG_2407„Einkaufswagen“ der „Locals“ für den Winter…, vor der Haustür geparkt. IMG_2408 IMG_2410 Immer wieder gibt es vor Passstraßen aktive Hinweisschilder mit Angaben zur erwarteten niedrigsten Temperatur und Windstärke oben. Meistens auch Angaben zur dann erreichten Höhe. Ist diese aber unter 400 Höhenmetern, so entfällt die Angabe gewöhnlich.                     Die Temperatur- und Windstärkenanzeige sind dabei aber ebenfalls (hier waren es, glaube ich, 4°C und Windstärke 3) wegen der digitalisierten Anzeigenart und Kameratechnik nur vor Ort zu sehen aber nicht zu fotografieren…    IMG_2411 IMG_2413 IMG_2414 IMG_2415

Aus dem Reisetagebuch:                                                                                                             Fahrt sehr schön, sehr anstrengend, dann sehr „widrig“ mit endlosen Anstiegen und Sicht von 20 m. Wolkennebelglocke um mich. Martin war bei den Vögeln. Er begegnet mir auf einer Berghöhe im Nieselregen. „“Scheisswetter!“, soll an der Nordostküste die nächsten Tage so bleiben…“ Tschüss und gute Fahrt…

IMG_2416 IMG_2417 IMG_2420IMG_2418Gut das ich mich nach dem Weg erkundigte und „Locals“ mir sagten, dass ich auf keinen Fall den GAMLA LEDEN (alten Weg), sondern die viel längere Asphaltstrecke nehmen soll (die Abfahrt auf den alten Weg sah ich. Nein, danke!

Aus dem Reisetagebuch:                                                                                                                              Es gibt einen „Camping“: Container mit 2 Toiletten ohne Papier, eine „usellige“ Dusche. Vier Motorradfahrer aus Hagen, einer Fan vom VfL Bochum (!!!/Sticker auf der Jacke). Waren schon mal hier. Baue Außenzelt auf, lege Sachen rein, ziehe völlig durchnässte Schuhe, Socken, Handschuhe aus. Radle in Latschen barfuß zum Ort. Automatische Tankstelle. Café offen. 

IMG_2422Denisa aus der Slowakei links, Katharina aus Dänemark rechts

Man versteht mich nicht: Denisa, eine Slowakin, lebt und friert seit 4 Jahren hier. Ich unterbreche ihr Englischgespräch mit einer Inderin(?). Slowakisch kann ich viel besser als isländisch. Erzähle ihr die Geschichte vom besonderen Stein, den ich vom Knivskjelloden* zu Islands Nordpol geschleppt habe.                                                                                                                                                        Verrückt!!!                                                                                                                                                             Ich sei verrückt!!                                                                                                                                               Klar, sonst wäre ich nicht hier!  

*Während meiner Reisen Durch Skandinavien war ich in 37 Jahren nur einmal am Nordkap. 2011 bei der Vorbereitung der Tour von 2013,  jedoch zweimal, 2013 und 2015 an seit Eröffnung des Nordkaptunnels Europas nördlichstem Festlandspunkt auf der norwegischen Halbinsel Knivskjellodden, 1360 m weiter nördlich als das per PKW leicht zu erreichende Nordkap, Traumziel vieler „Nordic-Touristen“ gelegen.  Dort zeltete ich 2015 auf dem von mir so definierten „Europas nördlichstem Zeltplatz für nicht freistehende Zelte“ – die letzten 50 m gab es am Knivskjellodden nur noch Felsgestein ohne jegliche Vegetation – und nahm zwei etwa kartoffelgroße Steine mit nach Bochum: Die nördlichsten tragbaren Steine Europas, die, ohne mit Zusatzwerkzeug freigeschlagen werden zu müssen, bis zum August 2015 auf dem Knivskjellodden waren.                                                      Den um 2 m nördlicher gelegenen davon schenkte ich meiner Frau als symbolischen Dank für die jahrzehntelange geduldige Unterstützung meiner mitunter „etwas ungewöhnlichen“ Unternehmungen auf verschiedenen Gebieten. Der zweite, um 2 m „südlicher“ gelegene rollte nun in der Lenkertasche mit, um ihn an Islands nördlichstem Punkt entweder ins Meer zu werfen, ihn alternativ an geeigneter Stelle zu deponieren oder im nördlichsten Ort Islands einer geeigneten Person zu übergeben, die im Wissen um die symbolische Bedeutung des  von der nördlichsten Stelle „Festlandeuropas“ an „Islands nördlichsten Festlandspunkt“ transportierten Mitbringsels vielleicht gleich, vielleicht irgendwann einmal später im touristischen, mystischen oder anderen Zusammenhang etwas damit wird anfangen können…                             Zusammenfassend gesagt gibt es also auf dem Knivskjellodden und damit in Europa keine frei beweglichen Steine, die jetzt nördlicher zu finden wären als die beiden von mir im August 2015 aufgelesenen…  IMG_2425IMG_2426Mein Stein vom Knivskjellodden…                                                                                                                    

Denisa ruft Þora an, eine Frau aus dem Ort. Diese kommt tatsächlich für 15 Minuten, ist interessiert, hat es aber sehr eilig, weil das EM-Finale FRANKREICH-PORTUGAL läuft. Wir verabreden uns für „nach dem Spiel“.

Denisas Freund ist Bulgare. Sie lockte ihn vor 14 Monaten nach Island, zum Frieren (Ich lerne ihn um 23 Uhr kennen, weil er dann zum Abkassieren der Campingmiete  an mein Zelt kommen wird). Bulgarisch kann ich zwar fließend verstehen, zum richtigen Sprechen bräuchte ich aber 2-3 Tage Praxis in Bulgarien. Er kann Russisch zwar fließend verstehen, wie er mir abends sagen wird, aber nicht sprechen.                                                                                                                                    Ach ja, unter den Hagenern ist eine motorradfahrende Frau dabei und ein aus Sibirien stammender Russe. Wir unterhalten uns zwischendurch kurz. Kurios!…

Als Þóra weg ist zum Spiel, kommt Katharina eine Dänin aus Ålborg herein, die sich mit Denisa befreundete. Sie studiert dort Anglistik, Skandinavistik mit verschiedenen Zusätzen. Die Liebe hat sie mit einem Isländer zusammengeführt, beide besuchen seine Familie hier. 2 Wochen. Kalt! Sie fliegt bald danach für eine Woche nach Griechenland. Zum aufwärmen ….                                                                           Denisa hat mit ihrem bulgarischen Freund hier ein Haus erworben, sie sind eingewandert. Sie ist für das Café zuständig, obwohl sie, wie ihr Freund immer noch kaum isländisch spricht und alles auf Englisch abwickelt…

Zwischendurch fahre ich zum „mystischen Ort am Nordpol Islands“ und fotografiere Stein, Rad und das riesige noch längst nicht fertiggebaute Monument* aus verschiedenen Perspektiven.

 
 *Mehr Information zum „Mystischen Monument“ s. Daten auf dem rosafarbenen Zettel auf dem letzten Foto weiter unten…

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IMG_2439Þora bei der „offiziellen“ Übergabe des Knivskjelloddensteines. Der Erbauer des noch sehr unfertigen, 2006 begonnenen Werks (das rechts meines Kopfes über dem Dach des flachen Gebäudes im Hintergrund zu erahnen ist) Erlingur Thoroddsen, starb vor anderthalb Jahren mit 67 an Krebs. Das erfahre ich nach dem Fußballspiel von Þora Soffia Gylfad, meiner „offiziellen“ Vertreterin Raufarhöfns . Es sollen in dem mystischen Werk, das inzwischen zu einem touristischen Wahrzeichen des Ortes mutiert, am nördlichen Polarkreis aufgelesene Steine  von verschiedenen Stellen aller drei Kontinente verbaut worden sein, erfahre ich weiter.                                                                                  „Na also“, sage ich, „da ist „mein“ Stein vielleicht doch nicht ganz umsonst hierher gekommen, auch wenn er aus einer Gegend Europas stammt, die mehrere hundert Kilometer weiter nördlich des Polarkreises gelegen ist…

Þora wohnt im Sommer hier, ansonsten lebt sie aber im 220 km entfernten Akureyri.             Sie muss gleich Ihren Mann vom Fischen abholen und hat es deswegen etwas eilig.

Der Stein wird nach der Übergabe deshalb zunächst sichtbar in Denisas Cafeteria an der Tankstelle von Rafarhöfn  „deponiert“…

Ich esse ein riesiges Eis aus Denisas Angebot (gegen Erkältung), wünsche ihr alles Gute und verabschiede mich, gut aufgewärmt… Ahoj!

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Samstag, 9. Juli: Vopnafjörður – Stóri-karl (Fjäll-/Vulkanflora, Islandwolle, Monako hat geschlossen, 2x“Stóri-karl“: Allein unter Vögeln)/115 km

Islandkarte 14-15

Um 7 Uhr war ich ausgeschlafen. Heute war eine sehr kalte, die kälteste Nacht. Zwiebeltechnik, kein Problem. Will vor 9 zu den Basstölpeln auf Langanes gestartet sein, spreche aber noch einmal mit Gerd, einer Dänin aus Svendborg, die gestern mit einer Gruppe von vielen PKW und etwa 30 Personen per Fähre in Seyðisfjörður angekommen war. Die anderen wollten direkt ins Fjell fahren, während sie sich einen Tag lang in Vopnafjörður ausruhen wollte. Heute wollen sich alle hier treffen. Wir tauschen uns eine Stunde lang aus, ich erfahre unter anderem, dass Gerd, die schon pensioniert ist, einmal die Woche, dienstags, um 10-14 Uhr in Tranekær auf Langeland freiwillig in den Medicinhaver (riesige „Medizinische Gärten“/ /Heilkräutergartenanlage („äußerst sehr“ sehenswert!!!)) aushilft. Da meine Frau und ich im August auf Langeland sein werden, will ich sie dort besuchen. Wir „verabreden“ uns unverbindlich. Gerd meint (Gerd oder Kim sind in Dänemark – wie Toni in Deutschland – männliche und weibliche Vornamen), der Supermarkt in Vopnafjördur würde schon um 9.30 Uhr öffnen, sodass ich es gar nicht so eilig habe, weil ich so gleich hier, statt im nächsten Ort (Bakkafjörður) meine fälligen Einkäufe erledigen kann…

Dänisch zu sprechen fällt mir doch noch wesentlich leichter als isländisch, stelle ich nebenbei fest… 

IMG_2164Gerd aus SvendborgIMG_2165Das Dauergeräusch der ortsansässigen (Fisch?)Fabrik (links hinter der kleinen Skateboard-Halfpipeanlage) war etwas irritierend (auch nachts)…, man gewöhnte sich aber schnell an den „Permanent-Tinitus“ des Fischerdorfes…IMG_2166Start 9.22 Uhr, um kurze Zeit später zu erfahren, dass der kleine Supermarkt sehr „verkäuferfreundlich“ öffnet:IMG_2167Offnungszeiten (seit dem 1.September 2011): montags-freitags 9.30 – 18.00

                                                                           samstags 12.00 – 16.00

Bis 12 Uhr werde ich nicht warten, ich starte bei herrlichem Sonnenschein durch und sehe,

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IMG_2175wie idyllisch am Meer gelegen und hinter dem Hügelrücken „versteckt“ der Ort ist (Die Hausdächer (Foto oben und unten) sind hier kaum auszumachen).IMG_2176

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Gestern glaubte ich eine kurze Zeit lang – bis ich an diesem Hinweisschild angekommen war – den Ort verfehlt zu haben… Þorshöfn ist nach Bakkarfjörður meine nächste „Durchgangsstation“ vor Stóri-karl, dem besonderen Basstölpelfelsen…

IMG_2184Neben hellen „Schafen im Schafspelz“ gibt es auch schwarze „Schafe im Schafspelz“. Das „Fluchtverhalten“ beider „Spezies“ Radfahrern gegenüber ist gleichartig, wobei das hier vorn liegende Muttertier nur noch einen kleinen Teil seines Winterpelzes mit sich führt…             Vor einigen Tagen schon bekam ich von Zuhause aus den Auftrag, doch etwas von der „verlorenen Wolle“ aufzulesen und mitzubringen. Seitdem halte ich vergeblich Ausschau danach, obwohl immer wieder Mutterschafe mit Viertel-, Halb-, Dreiviertelschafspelz auftauchen…

Kurz nach Þórshöfn beginnt ein über 400 Höhenmeter und zum großen Teil 10% starker Anstieg der Passstraße zwischen drei Hochebenen (Bakkaheiði im Osten, Sandvikurheiði und Staðarheiði im Westen), sodass die Vegetation mit Bäumen in geschützten Lagen sowie Büschen und Schafweiden fast augenblicklich verschwinden. Auf einem flacheren Stück über einem kleinen See – unweit neben der Straße und etwas tiefer gelegen – „kalbt“ eine Schneewächte ins Wasser. Herrlicher Platz zum „Zwischenfrühstück“.   Arktische Lupinen haben sich hier noch nicht breitgemacht. Dadurch können ortsansässige Pflanzen zwischen dem Gestein Halt finden und sich auf kleinsten Flächen festsetzen. Dies beobachtete ich während der letzten zwei Wochen immer wieder, selbst auf frischem „Lavagrus“ in Vulkannähe und wollte immer schon eine „Fotoserie für Botaniker“ schießen, die sich auf weniger als 100 Quadratmeter beschränkt und den Artenreichtum verdeutlicht. „Vielleicht findest du nur deshalb seit Tagen keine Schafwolle, weil Du die kleinsten Pflanzen noch nicht gewürdigt hast“, fällt mir ein und ich muss dabei schmunzeln…
IMG_2187 IMG_2189 IMG_2190Blick zurück von der „Zwischenfrühstücksstelle“ auf den soeben bewältigten ersten Anstieg des Tages.IMG_2191

Es ist sonnig, aber immer noch kalt und für kurze Zeit fast windstill. Der flexible Schlauch aus Merinowolle bedeckt nicht mehr den Kopf unter dem Helm und auch die hervorragende grüne Multifunktionsjacke habe ich für die kurze Pause abgelegt. Dennoch bin ich froh über mein T-Shirt aus einem Merino-Seide-Gemisch und den dicken Alpakapulli, der schnell auslüftet und (auch bei Regen) zuverlässig wärmt.

IMG_2192 IMG_2195  Alles verpackt und weiter…

Oben, an der Sattelfläche angekommen (meine Aufmerksamkeit immer auf mögliche, aber nicht vorhandene Schafwolle gerichtet), bleibe ich stehen, weil ich meine pflanzlichen Fotomotive entdecke: IMG_2199 IMG_2200 IMG_2201 IMG_2202 IMG_2203 IMG_2204 IMG_2205 IMG_2206 IMG_2208 IMG_2209 IMG_2219Weiter, die Sattelfläche entlang…,

Nanu(?), ich muss lachen…, in der Ferne tauchen zwei Schafe im Schafspelz auf. Das gibt´s doch gar nicht!!!, etwa einen Kilometer weiter sehe ich Wolle herumliegen…
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und wieder Wolle…, IMG_2217

…und wieder Wolle…,

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IMG_2218und noch mehr Wolle…IMG_2222 IMG_2221Es ist bald genug, sodass ich beschließe, das Auflesen zu beenden und die „Lieferung beim Universum“ zu stoppen.

Nicht zu fassen, noch über einige Kilometer sehe ich überall Wolle herumliegen – von „Schafen im Schafspelz“ abgelegt…

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Die kilometerlange Abfahrt ist herrlich, 50 km/h schnell und nur möglich, wenn der konzentrierte Blick auf die gute Straße und nicht auf Wolle gerichtet ist. IMG_2231 Zwar muss ich noch 5 km bis zum Zentrum fahren, direkt neben dem Ortsschild „begrüßt“ mich aber gleich ein wenig scheues Mutterschaf in halbem Schafsmantel und zwei Lämmern: Ich fotografiere sie NICHT! Verzeihung, ihr Lieben…  IMG_2232 Vereinzelte, leerstehende Wirtschaftsgebäude außerhalb, einige leerstehende, auch zerfallende Wohngebäude „innerorts“ von Bakkafjörður, einige gepflegte Häuser an der Hauptstraße mit geländetauglichen Allradfahrzeugen davor, eine Frau knattert mit dem Rasenmäher durch den Vorgarten: ´Samstagnachmittagsgeräuschkulisse wie in Bochum oder einer anderen deutschen Stadt´, denke ich im vorbeifahren. Plötzlich bin ich „bei MONAKO“, nein , nicht im Fürstentum, einige Tausend Kilometer weiter südöstlich gelegenb, ich bin beim einzigen Supermarkt des etwa 100(!) Einwohner starken Ortes.  

In Þórshöfn ist zum Glück der Tankstellengrill offen.proviant, Essen.

Dann ab die40 km Zu den Tölpeln 

Habe mich bei Örtlichen erkundigt, es sollen nur 24 km zu den Tölpeln am Stori-Karl sein (stimmt nicht, s. o.). Wenn ich ein Zelt habe, ok.

Bei schönem Wetter mache ich mich auf den Weg: Asphalt, bis zum Flugplatz, Feldwegcharakter bis zu den Vogelwiesen mit sehr angriffslustigen Küstenseschwalben, tolle Fotos. Treibholz: Syltefjord mal 100 wäre stark untertrieben!!

Weg immer unwegsamer.

Empfehlung, nur Mit Geländefahrzeug weiterzufahren. Hab ich!!!

Nach 17 km Treibholzstaffage Schild (u.a.) Stori-Karl 20 km. Was? Fehler?können doch nur noch höchstens 10 sein!?!?!

Weiter durch schwierigstes Gelände mit „Wegerahnung“ und Kurzsteigungen von mitunter über 20%!

Hat Ihr Fahrrad einen Namen?-Noelle/WAZ Ab heute ja:STORI-KARL!!!!!.

3 Autos kommen mir entgegen. Fassungsloses staunen über meine Unternehmung. Französische Geländercampingwagen schläft in einer Bucht. Noch ein Fahrzeug auf dem Rückweg mit winkenden Leuten drinnen.

Bin um 23 Uhr da. TRAUMHAFT. ALLEIN MIT DEN TÖLPELN , LUMMEN, ALKEN, PAPAGEITAUCHERN (sah ich aber nicht). STORI-KARL muss zur Taufe natürlich mit Gepäck über Treppenstufen auf den Aussichtspunkt. Fotos, Videos, unbeschreibliche Freude, mit dem Rad hier angekommen zu sein. Musste (k)einmal(!) absteigen um zu schieben! Auf dem Rückweg aber bestimmt( stimmt nicht, klappte auch).

Kurz vor Mitternacht schlage ich, etwa 200 m vom Aussichtspunkt und 30 m vor einer Kante mit Sicht auf weitere Vogelnester ( Möwen, Lummen) das Zelt auf. Strenger Geruch. Macht nichts! 

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Dieser hat „außergewöhnlich besonders“  mitarbeiterfreundliche Öffnungszeiten:

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Pech nur für mich, dass heute Samstag ist, ich extra 2×5 Kilometer Umweg einkalkulierte, um mich zu versorgen und jetzt dadurch wahrscheinlich auch in Þórshöfn zu spät ankomme, um im Supermarkt einkaufen zu können… Den Campingplatz, der für mich heute nicht infrage kommt und die Schule sehe ich nicht, ich suche aber auch nicht speziell danach.

IMG_2237Ich radle zurück zum Ortsschild mit Infotafel in der Nähe, auch um Windschutz zu haben für meine „Mittagspause“ mit Inventur des Proviants. Diese zeigt mir, dass ich durchaus noch genug dabei habe, um, ohne die Fahrt zu unterbrechen, bis Montagabend auszukommen. Das beruhigt.IMG_2239IMG_2251Weiter! Ich umrunde die weite Bucht, der Asphaltbelag endet abrupt, ein längerer Anstieg beginnt. Der Wind  oben ist günstig.

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Ein auch von Radlern häufig zu passierender „Viehrost“, der verhindert, dass Schafe, Kühe, Pferde oder Wild eine Weidegrenze übertritt. IMG_2260

Ein recht guter Schotterweg fast bis nach Þórshöfn, zwischendurch auch Asphaltpassagen und mehrere Anstiege und Abbfahrten. Ich komme an.IMG_2261 IMG_2263Der Supermarkt ist hier großzügiger geöffnet (werktags von 9.30 – 18.00 Uhr, samstags von 10.00 – 14.00 Uhr, sonntags geschlossen), das nützt mir aber nichts, da ich am späten Nachmittag ankomme. IMG_2266 IMG_2268Zum Glück ist der Grill neben der automatischen Tankstelle geöffnet und mit vielen Lebensmitteln ausgestattet, sodass ich eigentlich alles bekomme, was ich benötige.

Auf der Speisekarte gibt es auch Fischgerichte  mit Franskar  (Pommes Frites), ich schlage ob der  noch beabsichtigten Weiterfahrt zum Stóri-karl ordentlich zu.

Isländisch fällt mir an der Kasse und im „Gespräch“ mit der Köchin zunehmend leichter. Sehr erfreulich!

Ich habe mich auch noch bei Einheimischen nach den Vogelfelsen erkundigt, es sollen nur 24 km zu den Tölpeln am Stori-Karl sein. Wenn ich ein Zelt habe, ok, dann kann ich dort übernachten…

 

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Aus dem Tagebuch: Bei schönem Wetter mache ich mich auf den Weg: Asphalt, bis zum Flugplatz, Feldwegcharakter bis zu den Vogelwiesen mit sehr angriffslustigen Küstenseschwalben, tolle Fotos. Treibholz: Syltefjord *) mal 100 wäre stark untertrieben!!!                                                               Weg immer unwegsamer.                                                                                                   Empfehlung, nur mit Geländefahrzeug weiterzufahren. Hab ich!!!

*) Vidar Nordberg erbaute In Syltefjord auf der Varangerhalbinsel, 500 km „hinter“ dem Nordkap u.a. ein Kunstcafé aus dort angeschwemmten sibirischem Treibholz, das er bis 2014 sehr erfolgreich betrieb. (s. „18 Nächte zur Mitternachtssonne“ und Blog zur Tour 2013). Im September 2015 brannte das „Staurancfe´“ wegen Verpuffung im Schornstein bis auf die Grundmauern nieder…

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Vorsicht, brütende Vögel am Weg!IMG_2281 IMG_2282 IMG_2284 IMG_2285 IMG_2287 IMG_2288 IMG_2289 IMG_2293 IMG_2301 IMG_2302

Manche Stämme hätte ein Künstler nicht besser schnitzen können..

IMG_2304 IMG_2309Dieser Wegabschnitt ist noch hervorragend gut…IMG_2310

Aus dem Tagebuch: Nach 17 km „Treibholzstaffage“ Schild (u.a.) Stori-Karl 20 km. Was? Fehler? Können doch nur noch höchstens 10 km sein!?!?!                                                                                                                          

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…15 km vor dem Ziel kommt mir ein gut ausgestatteter VW-Bullinachfolger neueren Datums mit einem jungen deutschen Paar und vorher zwei andere Autos entgegen: Aus dem Tagebuch: Fassungsloses Staunen über meine Unternehmung. Französischer Geländercampingwagen „schläft“ in einer Bucht.  

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Tagebuch: Weiter durch schwierigstes Gelände mit „Wegerahnung“ und Kurzsteigungen von mitunter über 20%!                                                                                                                                         An dieser Stelle, etwa 5 km vor dem Ziel ist es flacher, ich kann stehen bleiben und fotografieren. Es fällt mir plötzlich die Frage des Lokalredakteurs ein:

„Hat Ihr Fahrrad einen Namen?-Noelle/WAZ. Ich muss herzlich lachen: Ab heute ja:STÓRI-KARL!!!!!.

„Kerl, wenn wir das hier glücklich überstanden haben, heißt du wie der Vogelfelsen: „STÓRI-KARL{ Großer Mann/großer Kerl).

Tagebuch: Noch ein Fahrzeug auf dem Rückweg mit winkenden Leuten drinnen…

 

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Bin um 23 Uhr da. TRAUMHAFT. ALLEIN MIT DEN TÖLPELN , LUMMEN, ALKEN, PAPAGEITAUCHERN (sah ich aber nicht). STORI-KARL muss zur Taufe natürlich mit Gepäck über Treppenstufen auf den Aussichtspunkt. Fotos, Videos, unbeschreibliche Freude, mit dem Rad hier angekommen zu sein. Musste (k)einmal(!) absteigen um zu schieben! Auf dem Rückweg aber bestimmt( stimmt nicht, klappte auch).

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Kurz vor Mitternacht schlage ich, etwa 200 m vom Aussichtspunkt und 30 m vor einer Kante mit Sicht auf weitere Vogelnester ( Möwen, Lummen) das Zelt auf. Strenger Geruch. Macht nichts! 

Gute Nacht!IMG_2367